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Solarzelle – Aufbau und Funktion

Eine Solarzelle wandelt Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Das Funktionsprinzip beruht auf dem photovoltaischen Effekt in einem Halbleiter-pn-Übergang: Einfallendes Licht erzeugt freie Ladungsträger, die durch das innere elektrische Feld getrennt und als Gleichstrom abgeführt werden. Moderne kristalline Silizium-Zellen erreichen Wirkungsgrade von 22 bis 26 Prozent.

Das Grundprinzip

Eine Solarzelle wandelt Licht direkt in elektrischen Strom um — ohne bewegliche Teile, ohne Verbrennung, ohne Lärm. Das Funktionsprinzip heißt photovoltaischer Effekt und wurde bereits 1839 von Alexandre Edmond Becquerel entdeckt. Die technische Umsetzung in kristallinen Silizium-Zellen begann in den 1950er Jahren bei den Bell Laboratories.

Der Vorgang in drei Schritten:

  1. Licht trifft auf den Halbleiter — Photonen mit ausreichender Energie werden absorbiert
  2. Ladungsträger werden erzeugt — jedes absorbierte Photon erzeugt ein Elektron-Loch-Paar
  3. Ladungsträger werden getrennt — das innere elektrische Feld am pn-Übergang treibt die Ladungen zu den Kontakten

Der pn-Übergang

Das Herzstück jeder Solarzelle ist der pn-Übergang — eine Grenzschicht zwischen zwei unterschiedlich dotierten Siliziumschichten:

SchichtDotierungLadungsträger
n-Schicht (Vorderseite)Phosphor (5 Valenzelektronen)Überschüssige Elektronen
p-Schicht (Basis)Bor (3 Valenzelektronen)Überschüssige Löcher

An der Grenzfläche diffundieren Elektronen und Löcher aufeinander zu und rekombinieren. Dadurch entsteht eine Raumladungszone — eine dünne Schicht, in der ein elektrisches Feld herrscht. Dieses Feld ist die Triebkraft der Solarzelle: Es trennt die lichtgenerierten Ladungsträger und erzeugt eine Spannung.

Aufbau einer kristallinen Solarzelle

Von oben nach unten besteht eine typische Solarzelle aus:

  1. Antireflexionsbeschichtung (SiNx, ~80 nm) — Minimiert Lichtreflexion, gibt der Zelle ihre typisch blaue oder schwarze Farbe
  2. Metallgrid / Fingerkontakte (Silber) — Sammelt den Strom von der Vorderseite
  3. n-Schicht (Phosphor-dotiertes Silizium, wenige Mikrometer) — Emitter
  4. pn-Übergang / Raumladungszone (wenige hundert Nanometer)
  5. p-Schicht (Bor-dotiertes Silizium, ~150 µm) — Basis, absorbiert den Großteil des Lichts
  6. Rückseitenpassivierung (je nach Technologie: Al₂O₃, SiNx, amorphes Si)
  7. Rückseitenkontakt (Aluminium oder Silber)

Die Zelle ist typischerweise 150 bis 180 Mikrometer dünn — dünner als ein menschliches Haar. Moderne Fertigungsverfahren streben noch dünnere Wafer an, um Silizium zu sparen.

Kennlinie und Kennwerte

Jede Solarzelle hat eine charakteristische U-I-Kennlinie, die das Verhältnis zwischen Spannung (U) und Strom (I) beschreibt:

KennwertSymbolTypischer Wert (TOPCon)
KurzschlussstromIsc12–14 A
LeerlaufspannungVoc710–730 mV
Maximum Power PointPmpp8,5–10 W (pro Zelle)
FüllfaktorFF80–83 %
Wirkungsgradη24–25,5 %

Der Füllfaktor beschreibt, wie nah die reale Kennlinie an einem idealen Rechteck liegt. Je höher der Füllfaktor, desto besser nutzt die Zelle ihr Potenzial aus.

Vom Wafer zum Modul

Eine einzelne Solarzelle liefert nur 0,5 bis 0,7 Volt — zu wenig für praktische Anwendungen. Deshalb werden Zellen in einem Modul in Reihe geschaltet:

  1. Wafer-Produktion: Silizium-Ingot wird in dünne Scheiben gesägt
  2. Zellfertigung: Dotierung, Passivierung, Kontaktierung
  3. Zelltest und Sortierung: Jede Zelle wird auf Leistung gemessen
  4. Verschaltung: 60, 72 oder 144 Halbzellen werden in Reihe und parallel verbunden
  5. Laminierung: Zellen werden zwischen Glas und Folie (oder Glas-Glas) eingebettet
  6. Rahmung und Anschlussdose: Mechanischer Schutz und elektrischer Anschluss

Ein typisches 72-Zellen-Modul (je zur Hälfte geteilt = 144 Halbzellen) erreicht Nennleistungen von 400 bis 650 Wp.

Zelltypen im Überblick

TechnologieMaterialWirkungsgrad (Zelle)Marktanteil 2025
Monokristallin PERCMono-c-Si22–24 %Rückläufig
Monokristallin TOPConMono-c-Si24–26 %Marktführer
HJTc-Si + a-Si24–26,8 %Nische, wachsend
IBCMono-c-Si24–26,7 %Nische (Premium)
Dünnschicht (CdTe)Cadmiumtellurid18–22 %Freiflächen-Nische
PerowskitOrganisch-anorganisch26+ % (Labor)Noch nicht kommerziell

Die kristallinen Silizium-Technologien dominieren mit über 95 % des Weltmarkts. Dünnschicht-Zellen (CdTe, CIGS) besetzen eine Nische bei Freiflächenanlagen. Perowskit-Zellen befinden sich in der Pilotphase und versprechen als Tandem mit Silizium Wirkungsgrade über 30 %.

Grenzen des Wirkungsgrads

Die Shockley-Queisser-Grenze setzt das theoretische Maximum für eine Silizium-Einzelzelle bei 29,4 %. Verluste entstehen durch:

  • Thermalisierung: Photonen mit mehr Energie als die Bandlücke (1,12 eV) verlieren den Überschuss als Wärme
  • Transmission: Photonen mit weniger Energie durchdringen die Zelle ungenutzt
  • Rekombination: Ein Teil der erzeugten Ladungsträger geht verloren, bevor er die Kontakte erreicht
  • Reflexion und Abschattung: Licht wird reflektiert oder durch das Metallgrid blockiert

Tandemzellen (z. B. Perowskit auf Silizium) umgehen die Grenze, indem sie verschiedene Wellenlängen in getrennten Schichten absorbieren — im Labor bereits über 33 % Wirkungsgrad.

Häufige Fragen

Woraus besteht eine Solarzelle?
Die meisten Solarzellen bestehen aus kristallinem Silizium — dem zweithäufigsten Element in der Erdkruste. Das Silizium wird zu einem dünnen Wafer (150–180 Mikrometer) geschnitten und mit Fremdatomen dotiert, um den für die Stromerzeugung nötigen pn-Übergang zu erzeugen. Auf die Vorderseite werden eine Antireflexionsbeschichtung und ein Metallgrid aufgebracht.
Warum erzeugt eine Solarzelle Gleichstrom?
Das innere elektrische Feld am pn-Übergang trennt die durch Licht erzeugten Ladungsträger in eine definierte Richtung: Elektronen zur n-Schicht (Minuspol), Löcher zur p-Schicht (Pluspol). Da dieser Ladungstransport immer in dieselbe Richtung erfolgt, entsteht Gleichstrom, kein Wechselstrom.
Warum ist der Wirkungsgrad nicht höher?
Nicht jedes Photon erzeugt ein Elektron-Loch-Paar. Langwelliges (infrarotes) Licht hat zu wenig Energie und durchdringt die Zelle. Kurzwelliges (ultraviolettes) Licht hat mehr Energie als nötig — der Überschuss wird zu Wärme. Diese fundamentale Begrenzung (Shockley-Queisser-Limit) setzt den theoretischen Wirkungsgrad einer Einzelzelle aus Silizium auf maximal 29,4 Prozent.
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