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Solarthermie (Abgrenzung zur Photovoltaik)

Solarthermie wandelt Sonnenenergie in Wärme um und wird typischerweise für Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung eingesetzt. Während Photovoltaik seit 2010 massiv gewachsen ist, stagniert der Solarthermie-Markt in Deutschland — die Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe übernimmt zunehmend die Rolle der solaren Wärmeerzeugung.

Was ist Solarthermie?

Solarthermie bezeichnet die Nutzung von Sonnenstrahlung zur direkten Wärmeerzeugung. Im Gegensatz zur Photovoltaik — die Sonnenlicht in Strom umwandelt — erzeugt ein Solarthermie-Kollektor Wärme, die ein Wärmeträgermedium (Wasser-Glykol-Gemisch) aufnimmt und an einen Speicher abgibt.

Die Anwendungsschwerpunkte in Deutschland sind:

  • Trinkwassererwärmung: Kollektorfläche rund 1,0–1,5 m² pro Person
  • Heizungsunterstützung: Zusätzlich 3–5 m² pro Person
  • Prozesswärme in Landwirtschaft, Hotel- und Industriebetrieben
  • Solare Nah- und Fernwärme: Großflächen-Kollektorfelder für Wärmenetze

Kollektortypen

TypAufbauEinsatzbereichAnschaffung (Richtwert)
FlachkollektorAbsorberblech, Glasabdeckung, IsolierungTrinkwasser, Heizungsunterstützung250–450 €/m²
VakuumröhrenkollektorEinzelröhren mit VakuumdämmungHöhere Temperaturen, Prozesswärme450–800 €/m²
PVT-HybridkollektorPV-Zelle und Wärmeabsorber kombiniertNischenanwendungen, Wärmepumpen-Zubringer600–900 €/m²

Rund 80 % der in Deutschland installierten Kollektoren sind Flachkollektoren — sie sind günstiger, robust und für die häufigsten Anwendungstemperaturen (40–70 °C) ausreichend.

Unterschiede zu Photovoltaik

EigenschaftSolarthermiePhotovoltaik
ErzeugnisWärmeStrom
Wirkungsgrad60–80 % (thermisch)20–24 % (elektrisch)
EinsatzpfadWärmespeicher → Heizung/WarmwasserWechselrichter → Verbrauch/Netz
SpeicherungWarmwasserspeicher (Stunden bis Tage)Batterie (Stunden) oder Netz
SaisonalitätSommerüberschuss, WinterdefizitSommerüberschuss, Winterdefizit
FlexibilitätNur WärmeStrom, Wärme (mit Wärmepumpe), Mobilität
Lebensdauer20–25 Jahre25–30 Jahre
NullsteuersatzNein (19 % MwSt.)Ja (seit 2023)

Der entscheidende Unterschied ist die Flexibilität der Nutzenergie: Strom aus Photovoltaik lässt sich in Wärme, Haushaltsstrom oder Mobilität umwandeln, während Wärme aus Solarthermie nur für thermische Zwecke nutzbar ist.

Marktentwicklung in Deutschland

Der Solarthermie-Markt hat seit dem Höchststand 2008 (rund 2,1 Millionen Quadratmeter Neuinstallation) deutlich nachgelassen. In den letzten Jahren werden jährlich nur noch etwa 0,5 bis 0,7 Millionen Quadratmeter installiert. Demgegenüber wuchs der jährliche PV-Zubau im gleichen Zeitraum auf über 15 Gigawatt-Peak — das ist ein Vielfaches der solarthermischen Energiemenge.

Die Gründe für die Verschiebung:

  • Photovoltaik ist billiger geworden: Modulpreise sind seit 2010 um über 80 % gefallen
  • Wärmepumpen wurden massentauglich: Jahresarbeitszahlen von 3,5–4,5 machen PV+Wärmepumpe energetisch effizient
  • Flexibilität schlägt Effizienz: Ein Kilowatt PV deckt über das Jahr mehr Nutzungsbereiche ab als ein Kilowatt solarthermisch
  • Nullsteuersatz nur für PV: Solarthermie wird weiterhin mit 19 % Mehrwertsteuer besteuert

Wann lohnt sich Solarthermie noch?

Trotz der Marktkonsolidierung bleibt Solarthermie in bestimmten Konstellationen wirtschaftlich sinnvoll:

  • Große Warmwasserverbraucher (Mehrpersonenhaushalte, Pflegeheime, Gewerbe)
  • Bestandsgebäude mit Gas-/Ölheizung, in denen eine Wärmepumpe technisch nicht darstellbar ist
  • Prozesswärme zwischen 60 und 200 °C (Lebensmittelindustrie, Wäschereien)
  • Nahwärmenetze mit großflächiger Kollektorintegration und Saisonalspeicher

Für Neubauten und bei Heizungssanierung ist die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe fast immer die wirtschaftlichere Lösung. Der Markt zeigt das eindeutig: Die Zahl der Solarthermie-Neuinstallationen liegt bundesweit inzwischen unter der Zahl neuer Wärmepumpen.

Verwechslungsgefahr in der Praxis

Im Sprachgebrauch werden „Solaranlage” und „Photovoltaik” häufig als Synonyme verwendet. Streng genommen umfasst der Begriff Solaranlage beide Technologien — Photovoltaik und Solarthermie. Wer heute eine „Solaranlage” plant, meint in über 95 % der Fälle eine Photovoltaikanlage.

Häufige Fragen

Was ist effizienter: Solarthermie oder Photovoltaik?
Bezogen auf den thermischen Wirkungsgrad liegt Solarthermie mit 60–80 % weit über Photovoltaik (20–24 %). Bezogen auf die Nutzenergie im Gebäude ist jedoch die Kombination aus PV und Wärmepumpe häufig effizienter, weil der PV-Strom flexibel für Wärme, Warmwasser, Haushalt oder E-Auto verwendet werden kann.
Kann ich Solarthermie und Photovoltaik kombinieren?
Ja, beide Technologien lassen sich parallel auf demselben Dach betreiben. In der Praxis wird die Fläche aber meist komplett für Photovoltaik genutzt, weil der Stromertrag vielseitiger nutzbar ist. Sogenannte PVT-Hybridkollektoren erzeugen Strom und Wärme aus derselben Modulfläche — sie spielen bisher aber nur in Nischenanwendungen eine Rolle.
Warum geht der Solarthermie-Markt zurück?
Der Absatz von Solarthermie-Kollektoren in Deutschland ist seit dem Höchststand 2008 um mehr als zwei Drittel gefallen. Hauptgrund: Die Kombination aus PV-Anlage und Wärmepumpe hat sich als wirtschaftlichere und flexiblere Alternative etabliert. Der Nullsteuersatz auf PV seit 2023 hat diesen Trend weiter beschleunigt.
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SolarthermieWärmeAbgrenzungKollektorHybridsystem