Zum Inhalt springen
Solarzubau Deutschland Logo
Technik Fortgeschritten

Indach-Montage PV

Bei der Indach-Montage werden Solarmodule nicht auf die bestehende Dacheindeckung aufgesetzt, sondern bündig in die Dachhaut integriert. Die Module ersetzen Dachziegel auf einer definierten Fläche und bilden eine ebene Oberfläche mit der umgebenden Eindeckung. Die Lösung ist optisch eleganter als Aufdachanlagen, stellt aber höhere Anforderungen an Dichtigkeit und Hinterlüftung.

Was ist Indach-Montage?

Bei der Indach-Montage werden Solarmodule bündig in die Dachfläche eingesetzt. Die Module ersetzen die Dachziegel auf einer definierten Fläche und werden über spezielle Eindeckrahmen wasserdicht in die umgebende Dacheindeckung integriert. Von außen entsteht eine ebene Fläche, die optisch deutlich unauffälliger wirkt als eine aufgeständerte Aufdachanlage.

Der Gegensatz ist die Aufdach-Montage: Hier werden die Module auf Montageschienen befestigt, die über der bestehenden Dacheindeckung liegen. Die Dachziegel bleiben unter den Modulen erhalten.

Vergleich Indach vs. Aufdach

KriteriumIndachAufdach
OptikBündig, unauffälligSichtbar aufgesetzt
Kosten (€/kWp)1.600–2.4001.100–1.500
HinterlüftungEingeschränktGut (Luftspalt 5–10 cm)
ModultemperaturHöher (+5–10 °C)Niedriger
Ertragseinbuße2–5 %Referenz
DacheindeckungWird teilweise ersetztBleibt erhalten
DichtigkeitHohe AnforderungenUnkritisch (Dach darunter dicht)
NachrüstbarkeitAufwendigEinfach
MontagezeitLängerKürzer

Aufbau eines Indach-Systems

Ein typisches Indach-System besteht aus:

  1. Eindeckrahmen — Aluminium- oder Kunststoffrahmen, der das Modul in die Dachlattung integriert
  2. Dichtungsbänder/-profile — Übergang zu den umgebenden Dachziegeln
  3. Standard-Solarmodul — in der Regel identisch zu Aufdach-Modulen
  4. Hinterlüftungsprofil — Luftschlitze oder Kanäle unter dem Modul für die Abfuhr von Wärme und Feuchtigkeit
  5. Wasserführung — Ablaufrinnen an der Modulunterkante, die in die Dachrinne münden

Die Module werden von unten nach oben eingesetzt, analog zur Eindeckung von Dachziegeln. Jedes Modul überlappt das darunterliegende leicht, um Regenwasser abzuleiten.

Wann sich Indach lohnt

Neubau und Dachsanierung

Der wirtschaftlich beste Zeitpunkt für eine Indach-Montage ist eine gleichzeitige Dachsanierung oder ein Neubau. Die eingesparten Dachziegel, Lattung und Unterspannbahn reduzieren die effektiven Mehrkosten gegenüber Aufdach erheblich. In vielen Fällen liegt der Netto-Aufpreis dann nur noch bei 15 bis 25 % gegenüber einer reinen Aufdachlösung.

Gestaltungssatzungen und Denkmalschutz

In Gemeinden mit strengen Gestaltungssatzungen oder bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die bündige Indach-Integration häufig die einzige genehmigte Option. Die unauffällige Optik überzeugt Denkmalbehörden eher als aufgeständerte Module.

Architektonischer Anspruch

Bauherren, die Wert auf ein homogenes Dachbild legen, bevorzugen Indach-Systeme. Moderne Systeme bieten vollflächig schwarze Module ohne sichtbare Rahmen, die sich nahezu nahtlos in dunkle Dacheindeckungen einfügen.

Hinterlüftung und Temperatur

Die geringere Hinterlüftung ist der wesentliche technische Nachteil der Indach-Montage. Solarmodule verlieren bei steigender Temperatur Wirkungsgrad — der Temperaturkoeffizient liegt bei typisch -0,30 bis -0,35 %/K. Indach-Module werden im Sommer 5 bis 10 °C wärmer als hinterlüftete Aufdach-Module. Das entspricht einem Ertragsrückgang von 1,5 bis 3,5 % an heißen Tagen, über das Jahr gemittelt etwa 2 bis 5 %.

Gegenmaßnahmen:

  • Hinterlüftungsprofile im Eindeckrahmen, die einen Luftstrom unter dem Modul erlauben
  • Abstandshalter zur Lattung, die einen definierten Luftspalt erzwingen
  • Materialwahl: dunkle Unterkonstruktionen vermeiden, reflektierende Folien einsetzen

Dichtigkeit und Gewährleistung

Die Schnittstelle zwischen Indach-Modul und umgebendem Dach ist der kritischste Punkt. Mängel in der Dichtigkeit führen zu Feuchteschäden in der Dachkonstruktion. Qualitativ hochwertige Systeme bieten:

  • Geprüfte Regendichtigkeit nach DIN EN (Staudruck-Test)
  • Integrierte Wasserführung mit Ablaufrinnen
  • Langzeitbeständige Dichtprofile aus EPDM oder Silikon
  • Hersteller-Garantie auf Dichtigkeit (10–20 Jahre)

Die Gewährleistung sollte aus einer Hand kommen: Dachdecker und Elektriker als Gesamtunternehmer oder ein System, bei dem der Modulhersteller die Eindeckrahmen mitliefert und die Gesamtdichtigkeit garantiert.

Marktlage

Indach-Systeme machen im deutschen PV-Markt einen kleinen, aber wachsenden Anteil aus. Der Markt wird von spezialisierten Anbietern bedient, die Eindeckrahmen und Module als Gesamtpaket anbieten. Auch große Modulhersteller bieten zunehmend Indach-Varianten ihrer Standardmodule an.

Mit der Verschärfung von Solarpflichten und Gestaltungssatzungen in mehreren Bundesländern wird der Markt für Indach-Lösungen voraussichtlich wachsen — insbesondere in süddeutschen Ortschaften mit hohem Anteil an historischer Bebauung.

Häufige Fragen

Ist eine Indach-Anlage teurer als Aufdach?
Ja, typischerweise 30 bis 60 Prozent mehr pro Kilowatt-Peak. Der Aufpreis ergibt sich aus der aufwendigeren Montage, den speziellen Eindeckrahmen und der Dachdichtungsarbeiten. Bei einer vollständigen Dachsanierung relativiert sich der Unterschied, weil die eingesparten Dachziegel und Lattung gegen die Indach-Mehrkosten gerechnet werden können.
Werden Indach-Module nicht heißer als Aufdach-Module?
Ja, weil die Hinterlüftung bei Indach-Systemen geringer ausfällt als bei aufgeständerten Modulen. Höhere Modultemperaturen führen zu einem Ertragsrückgang von etwa 2 bis 5 Prozent gegenüber einer gut belüfteten Aufdachanlage. Hochwertige Indach-Systeme verwenden spezielle Lüftungsprofile, die den Effekt mindern.
Kann ich ein Indach-System auf einem bestehenden Dach nachrüsten?
Grundsätzlich ja, aber der Aufwand ist erheblich: Die Dachziegel im Installationsbereich müssen entfernt, die Lattung angepasst und die Dichtung neu hergestellt werden. Wirtschaftlich lohnt sich eine Nachrüstung vor allem dann, wenn das Dach ohnehin saniert wird.
Themen:
IndachMontageBIPVDachintegrationOptik