PV auf Gründach
Die Kombination aus Dachbegrünung und Photovoltaik – auch Biosolar-Dach genannt – nutzt die kühlende Wirkung der Vegetation, um den Modulertrag um 2 bis 4 Prozent zu steigern, während die Begrünung selbst Regenwasser zurückhält und Biodiversität fördert. Voraussetzung ist eine ausreichend tragfähige Dachstatik.
Was ist ein Biosolar-Dach?
Ein Biosolar-Dach (auch Solargründach) verbindet zwei Flachdach-Nutzungen, die sich gegenseitig verstärken: eine extensive Dachbegrünung und eine aufgeständerte Photovoltaikanlage. Die Module sitzen auf einer Unterkonstruktion oberhalb der Vegetationsschicht, während die Substrat- und Pflanzenschicht gleichzeitig als Ballast zur Windsogsicherung dient. Dadurch lässt sich die PV-Unterkonstruktion oft ohne zusätzliche Dachdurchdringungen befestigen, was das Risiko von Leckagen reduziert. Anders als bei einer reinen Photovoltaikanlage auf Kies oder Bitumen entstehen beim Biosolar-Dach damit unterschiedliche Licht-, Schatten- und Feuchtigkeitszonen unter und zwischen den Modulen – ein zusätzlicher Vorteil für die Pflanzenvielfalt.
Vorteile der Kombination
Die Kombination bringt sowohl energetische als auch bauliche und ökologische Effekte, die einzeln betrachtet jeweils für sich stehen könnten, gemeinsam aber besonders wirksam sind:
| Effekt | Wirkung |
|---|---|
| Kühleffekt der Vegetation | Senkt Zelltemperatur, steigert Modulertrag um ca. 2–4 % |
| Verdunstungskühlung | Reduziert sommerliche Dachüberhitzung und Wärmeinsel-Effekt |
| Schutz der Dachabdichtung | UV-Schutz verlängert Lebensdauer der Abdichtung deutlich |
| Wasserretention | Substratschicht speichert Regenwasser, entlastet Kanalisation |
| Biodiversität | Licht-Schatten-Mosaik unter Modulen schafft Lebensraum für Insekten und Kleintiere |
| Gebäudeklima | Isolierende Wirkung verbessert sommerlichen Wärmeschutz der obersten Geschosse |
Einige Kommunen honorieren die Wasserretention zusätzlich finanziell: In Hannover etwa reduziert eine Dachbegrünung die Niederschlagswassergebühr um bis zu 50 Prozent der begrünten Fläche.
Statische Anforderungen
Ein begrüntes Flachdach trägt deutlich mehr Last als ein unbegrüntes Kies- oder Bitumendach – Substrat, Vegetation und Wasserspeicherung addieren sich zu einer dauerhaften Zusatzlast, zu der noch das Gewicht der PV-Unterkonstruktion und ihres Ballasts kommt. Vor der Planung ist deshalb eine statische Prüfung der bestehenden Dachkonstruktion zwingend erforderlich, insbesondere bei Bestandsgebäuden. Weil zwischen den Modulreihen ausreichend Abstand für Vegetation und deren Pflege bleiben muss, lässt sich auf gleicher Fläche zudem nur etwa 70 Prozent der Leistung installieren, die eine dichte Modulbelegung ermöglichen würde. Das reduziert zwar die maximale kWp-Zahl, passt aber gut zu Konzepten, die auf hohen Eigenverbrauch statt auf maximalen Gesamtertrag zielen.
Kosten und Förderung
Die Zusatzkosten eines Biosolar-Dachs gegenüber einer PV-Anlage auf einem unbegrünten Flachdach ergeben sich aus Substrat, Drainageschicht, Bepflanzung und gegebenenfalls einer angepassten, meist etwas höheren Unterkonstruktion für die Module. Diese Mehrkosten stehen den langfristigen Einsparungen durch eine deutlich längere Lebensdauer der Dachabdichtung sowie möglichen kommunalen Ermäßigungen bei der Niederschlagswassergebühr gegenüber. Die Photovoltaik-Komponente selbst ist wie bei jeder anderen Dimensionierung förderfähig – etwa über die üblichen Instrumente wie den Nullsteuersatz auf private Anlagen –, eine eigenständige bundesweite Förderung speziell für die Kombination aus Gründach und PV gibt es aktuell nicht. Einzelne Kommunen und Bundesländer fördern Dachbegrünungen jedoch unabhängig von der PV-Nutzung im Rahmen ihrer Klimaanpassungsprogramme.