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Technik Fortgeschritten

Thermografie für PV-Anlagen

Thermografie ist das wichtigste Werkzeug zur zerstörungsfreien Fehlerdiagnose an PV-Anlagen. Infrarotkameras machen thermische Anomalien wie Hotspots, PID-Schäden und Bypass-Dioden-Defekte sichtbar, die im normalen Betrieb unentdeckt bleiben.

Grundprinzip

Jede PV-Zelle erzeugt bei der Stromproduktion Wärme. Defekte Zellen oder Module erzeugen mehr Wärme als intakte, weil die nicht umgewandelte Energie als Verlustwärme abgestrahlt wird. Eine Infrarotkamera im Wellenlängenbereich 8 bis 14 µm macht diese Temperaturunterschiede sichtbar — gesunde Module erscheinen gleichmäßig warm, fehlerhafte zeigen charakteristische Wärmeanomalien.

Detektierbare Fehlerbilder

FehlerbildThermisches MusterTypische Ursache
Einzelzell-HotspotPunktuelle Überhitzung (>20 K über Umgebung)Mikroriss, Zellbruch
Substring-Erwärmung1/3 des Moduls deutlich wärmerDefekte Bypass-Diode
Gesamtmodul überhitztModul gleichmäßig wärmer als NachbarnPID, hochohmiger Kontakt
StreifenmusterHorizontale warme StreifenVerschmutzung, Vogelkot
Zellfinger-HotspotFeine Linien innerhalb der ZelleUnterbrochene Leiterbahn
Randbereich warmModulkanten überhitztFeuchteeintritt, Delamination

Methoden

Bodenbasierte Thermografie

Die klassische Methode nutzt eine handgehaltene Wärmebildkamera. Geeignet für kleine Anlagen mit guter Zugänglichkeit. Einschränkung: Perspektivische Verzerrung bei flach geneigten Dächern, begrenzte Auflösung bei mehr als 10 m Abstand.

Drohnenbasierte Thermografie

Drohnen mit kalibrierten IR-Kameras liefern hochauflösende Thermalbilder im rechten Winkel zur Moduloberfläche. Vorteil: schnelle Erfassung großer Flächen, genaue Georeferenzierung jedes Befunds. Seit 2022 Standard für Freiflächenanlagen ab 100 kWp.

Elektrolumineszenz (ergänzend)

Nicht thermisch, aber verwandt: EL-Aufnahmen zeigen Zellbrüche und inaktive Bereiche durch Nahinfrarot-Fluoreszenz. Erfordert Bestromung der Module bei Dunkelheit — aufwendiger, aber höhere Detailtiefe als IR-Thermografie.

Durchführung und Rahmenbedingungen

Zuverlässige Ergebnisse erfordern definierte Messbedingungen. Werden diese nicht eingehalten, sind Fehlinterpretationen wahrscheinlich.

ParameterAnforderung
Einstrahlung≥ 600 W/m² (besser ≥ 700 W/m²)
Windgeschwindigkeit< 8 m/s (konvektive Kühlung verfälscht Ergebnis)
BewölkungGleichmäßig oder wolkenfrei
Tageszeit10:00–14:00 Uhr
Messabstand Drohne10–20 m über Moduloberfläche
Kameraauflösung≥ 640 × 480 Pixel thermisch
JahreszeitApril bis September (DACH-Region)

Kosten und Wirtschaftlichkeit

AnlagengrößeMethodeKosten (netto)
5–15 kWp (Hausdach)Handkamera / Drohne150–500 €
30–100 kWp (Gewerbe)Drohne300–800 €
100 kWp–1 MWpDrohne500–1.500 €
> 1 MWp (Freifläche)Drohne, automatisiert50–150 €/MWp

Die Investition rechnet sich, wenn die Thermografie Defekte aufdeckt, die mehr als 3 bis 5 Prozent Ertragsverlust verursachen. Bei einer 10-kWp-Anlage mit 10.000 kWh Jahresertrag und 10 Cent/kWh Einspeisevergütung entsprechen 5 Prozent Verlust bereits 50 Euro pro Jahr. Über die Restlaufzeit summiert sich das schnell auf ein Vielfaches der Inspektionskosten.

Auswertung und Befundbericht

Ein professioneller Thermografie-Bericht dokumentiert jeden Befund mit IR-Bild, Realbild, Modulposition im Stringplan und Temperaturabweichung. Die Klassifizierung erfolgt typischerweise in drei Stufen: unkritisch (Temperaturdifferenz unter 10 K, Beobachtung ausreichend), auffällig (10 bis 20 K, zeitnahe Prüfung empfohlen) und kritisch (über 20 K, sofortige Maßnahme erforderlich). Kritische Befunde betreffen meist einzelne Module, die im Stringverband getauscht werden können, ohne die gesamte Anlage stillzulegen.

Empfehlung für Anlagenbetreiber

Thermografie ist kein Standardteil der jährlichen Wartung, sondern ein anlassbezogenes Diagnosewerkzeug. Sinnvolle Anlässe sind: Ertragsrückgang ohne erkennbare Ursache, Ablauf der Produktgarantie (als Bestandsaufnahme), nach Extremwetterereignissen (Hagel, Sturm), vor dem Kauf einer Bestandsanlage und bei Versicherungsfällen als Beweissicherung. Ab Anlagengrößen von 100 kWp ist eine regelmäßige Drohneninspektion alle 3 bis 5 Jahre wirtschaftlich sinnvoll.

Häufige Fragen

Was kostet eine Thermografie-Untersuchung für eine PV-Anlage?
Für eine typische Hausdachanlage (5 bis 15 kWp) liegen die Kosten bei 150 bis 500 Euro. Drohnenbasierte Inspektionen größerer Anlagen werden oft pro Modul oder pro Megawatt abgerechnet und kosten bei Freiflächenanlagen 50 bis 150 Euro pro MWp.
Wann sollte eine PV-Thermografie durchgeführt werden?
Sinnvoll ab 5 bis 10 Jahren Betriebsdauer oder bei unerklärtem Ertragsrückgang von mehr als 5 Prozent. Die Untersuchung muss bei ausreichender Einstrahlung stattfinden — idealerweise bei mindestens 600 W pro Quadratmeter, also zwischen April und September um die Mittagszeit.
Welche Fehler erkennt eine PV-Thermografie?
Typische Befunde sind Hotspots durch Zellbrüche oder Mikrorisse, PID-bedingte Leistungsverluste, defekte Bypass-Dioden, Verschmutzung und Verschattungsmuster sowie fehlerhafte Lötstellen und Zellverbinder.
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