Der August wuchs um 31 Prozent, nachdem der Monat vorbei war
Der Solarzubau im August 2026 schien 48 Prozent unter dem Vorjahr zu liegen. Zwölf Tage später sind es 32 Prozent – und der Wert steigt weiter. Eine Auswertung des Meldeverzugs im Marktstammdatenregister.
Am 28. August wies das Marktstammdatenregister für den laufenden Monat 1.059.020 Kilowatt neu in Betrieb genommene Solarleistung aus. Gegenüber dem August 2025 mit 2.045.933 Kilowatt wären das 48 Prozent weniger — eine Zahl, die nach Markteinbruch klingt.
Zwölf Tage später steht derselbe August bei 1.382.781 Kilowatt. Ein Zuwachs von 31 Prozent, ohne dass eine einzige zusätzliche Anlage gebaut worden wäre. Es wurden nur Meldungen nachgereicht. Aus den 48 Prozent Rückgang sind 32 geworden, und der Wert steigt weiter.
Derselbe Monat, viermal abgefragt
Beim Juli lässt sich der Vorgang vollständig nachvollziehen. Wir haben denselben Monat über sechs Wochen hinweg an vier Datenständen erhoben:
| Datenstand | Zubau Juli 2026 |
|---|---|
| 28. Juli 2026 | 1.039.290 kW |
| 11. August 2026 | 1.532.563 kW |
| 28. August 2026 | 1.824.648 kW |
| 9. September 2026 | 1.867.974 kW |
Der Juli hat um 80 Prozent zugelegt, nachdem er zu Ende war. Die Kurve flacht inzwischen ab — zwischen den letzten beiden Ständen kamen nur noch 2,4 Prozent hinzu. Der August steht dort, wo der Juli Ende Juli stand.
Wie groß der Meldeverzug ist
Für eine Auswertung über 4.403.191 Solaranlagen mit Inbetriebnahme ab 2020 haben wir Inbetriebnahme- und Registrierungsdatum jeder einzelnen Anlage verglichen:
| Inbetriebnahme | Median | 90. Perzentil | innerhalb eines Monats |
|---|---|---|---|
| 2022 | 8 Tage | 138 Tage | 73,6 % |
| 2023 | 8 Tage | 145 Tage | 73,0 % |
| 2024 | 5 Tage | 86 Tage | 80,2 % |
Der typische Fall ist schnell: Die Hälfte aller Anlagen steht binnen einer knappen Woche im Register, rund drei Viertel halten die gesetzliche Monatsfrist ein.
Entscheidend ist aber nicht der Median, sondern der Rand. Bei den 2023 in Betrieb genommenen Anlagen brauchte jede zehnte länger als fast fünf Monate. Wer einen Monat kurz nach seinem Ende auswertet, unterschätzt ihn deshalb systematisch — nicht wegen einzelner Nachzügler, sondern wegen eines Zehntels des Jahrgangs.
Die Meldedisziplin verbessert sich: Zwischen 2023 und 2024 fiel der Median von acht auf fünf Tage. Ein Grund dürfte die zum 1. April 2024 vereinfachte Anmeldung für Steckersolargeräte sein.
Der Juli war der stärkste Monat des Jahres
Mit 92.960 neuen Solaranlagen ist der Juli 2026 der anlagenstärkste Monat der letzten zwölf Monate. Auch bei den Batteriespeichern führt er mit 1.381.139 Kilowattstunden neuer Kapazität.
Der Bestand insgesamt:
- 6.312.591 Solaranlagen mit 129,2 Gigawatt
- 2.740.347 Batteriespeicher mit 32,78 Gigawattstunden
- Zubau der letzten zwölf Monate: 16,88 Gigawatt
Rechnerisch entstehen damit 2.180 Solaranlagen und 1.528 Batteriespeicher pro Tag, jeden Tag.
Der echte Rückgang ist moderat
Nichts davon heißt, dass der Zubau nicht nachlässt. Der Zwölf-Monats-Zubau liegt 5,2 Prozent unter dem vorangegangenen Zwölf-Monats-Zeitraum. Das ist ein realer Rückgang — aber weit entfernt von den 48 Prozent, die der rohe August-Wert Ende August nahelegte.
Drei Regeln folgen daraus für die Auswertung von Registerdaten:
Einzelne Monate am aktuellen Rand taugen nicht für Trendaussagen. Der jüngste Monat ist immer unvollständig, und zwar erheblich.
Rollierende Zwölf-Monats-Fenster sind belastbarer. Sie glätten die ausgeprägte Saisonalität ebenso wie den Meldeverzug.
Ein scheinbarer Einbruch am aktuellen Rand ist meist eine Erfassungslücke. Wer den August heute mit dem August des Vorjahres vergleicht, vergleicht einen unfertigen mit einem abgeschlossenen Monat.
Alle Zahlen stammen aus dem Gesamtdatenexport des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, Datenstand 9. September 2026. Der Wert für August 2025 stammt aus unserem Datenstand vom 28. August 2026; ein ein Jahr zurückliegender Monat gilt als abgeschlossen. Die Methodik der Meldeverzugs-Auswertung ist im Wiki-Eintrag zum Marktstammdatenregister dokumentiert.