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Technik Fortgeschritten

Brandschutz für PV-Anlagen

PV-Anlagen sind nicht brandgefährlicher als andere Elektroinstallationen. Das Hauptrisiko liegt im DC-Lichtbogen bei beschädigten Kabeln. Modulnahe Abschaltung und korrekte Kennzeichnung minimieren das Restrisiko für Bewohner und Einsatzkräfte.

Risikobewertung

Die Diskussion um PV und Brandschutz ist emotionaler als die Datenlage rechtfertigt. Eine 2015 veröffentlichte Studie des Fraunhofer ISE und TÜV Rheinland untersuchte über 2 Millionen PV-Anlagen in Deutschland. Ergebnis: In weniger als 0,006 Prozent der Fälle war die PV-Anlage ursächlich an einem Brandereignis beteiligt. Die Brandrate liegt damit unter der allgemeiner Elektroinstallationen.

Dennoch gibt es spezifische Risiken, die beim Anlagendesign und der Installation beachtet werden müssen.

Brandursachen bei PV-Anlagen

UrsacheHäufigkeitVermeidung
DC-Lichtbogen (lose Steckverbinder)Häufigste UrsacheKorrekte MC4-Montage, Zugentlastung
Isolationsfehler DC-KabelHäufigUV-beständige Kabel, keine scharfen Kanten
Defekter WechselrichterSeltenCE-zertifizierte Geräte, regelmäßige Wartung
Hotspot durch VerschattungSeltenBypass-Dioden, korrekte Stringauslegung
Fehlerhafte Steckverbinder (Fremdfabrikate)Häufig bei MischbestückungNur identische MC4-Hersteller kombinieren

Das höchste Einzelrisiko ist der DC-Lichtbogen. Anders als auf der AC-Seite erlischt ein DC-Lichtbogen nicht am Nulldurchgang der Spannung — er brennt kontinuierlich, solange die Module Spannung liefern. Temperaturen von über 3.000 °C können angrenzende Materialien entzünden.

Schutzmaßnahmen

Modulnahe Abschaltung (Rapid Shutdown)

Die wirksamste Maßnahme ist die modulnahe Abschaltung. Leistungsoptimierer oder dedizierte Abschaltmodule reduzieren die Modulspannung auf unter 30 V DC innerhalb von 30 Sekunden nach Auslösung. Damit wird das gesamte DC-Kabel spannungsfrei — für Einsatzkräfte und Bewohner der entscheidende Sicherheitsgewinn.

LösungAbschaltzeitRestspannungKosten pro Modul
Leistungsoptimierer (SolarEdge, Tigo)< 30 s< 1 V pro Modul25–40 €
Abschaltmodule (Tigo TS4-A-F)< 30 s< 30 V pro String15–25 €
DC-Freischalter am WRSofort (nur WR-seitig)Volle Stringspannung auf DachIm WR enthalten

Der DC-Freischalter am Wechselrichter trennt nur die Verbindung zum Wechselrichter — auf dem Dach liegen weiterhin bis zu 600 V DC an. Deshalb ist die modulnahe Abschaltung sicherheitstechnisch überlegen.

Kabelführung und Installation

Korrekte Installation verhindert die meisten Brandursachen. Zentrale Punkte:

  • MC4-Steckverbinder nur vom selben Hersteller kombinieren (Mischbestückung erhöht Kontaktwiderstände)
  • DC-Kabel in UV-beständigen Kabelkanälen führen, nicht lose auf dem Dach
  • Zugentlastung an allen Steckverbindern, besonders bei Wind-exponierten Anlagen
  • Kabeleinführung ins Gebäude mit Brandschutzmanschette abdichten
  • Mindestbiegeradien einhalten (4-facher Kabeldurchmesser)

Feuerwehrschalter

Der DC-Freischalter (Feuerwehrschalter) nach VDE-AR-E 2100-712 muss von außen zugänglich sein und die DC-Seite vollständig trennen. Der Schalter wird typischerweise neben dem Hausanschlusskasten oder am Zählerschrank installiert.

Kennzeichnungspflicht

Gebäude mit PV-Anlagen müssen am Gebäudezugang und am Zählerschrank gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung informiert die Feuerwehr über das Vorhandensein einer PV-Anlage und die Lage der Abschalteinrichtung.

KennzeichnungAnbringungsortInhalt
PV-HinweisschildHauseingang / Gebäudezugang„Achtung Photovoltaikanlage”
DC-LeitungshinweisKabelweg Dach → WR„Achtung! Unter Spannung auch bei abgeschaltetem WR”
ÜbersichtsplanZählerschrankStringplan, Leitungswege, Abschaltpunkte
Freischalter-HinweisAm Schalter selbstBedienungsanweisung

Einsatzregeln der Feuerwehr

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gibt klare Einsatzregeln vor:

  • Sprühstrahl: Mindestabstand 1 m zu spannungsführenden DC-Teilen
  • Vollstrahl: Mindestabstand 5 m
  • Betreten des Dachs: Nur nach Freischaltung oder mit isolierender Ausrüstung
  • Löschwasserrückstände: Keine besonderen Maßnahmen erforderlich

Diese Regeln gelten analog zu jeder anderen Niederspannungsinstallation. Die Feuerwehr löscht Gebäude mit PV-Anlagen nach demselben Grundschema wie Gebäude mit anderen elektrischen Anlagen — das verbreitete Narrativ, die Feuerwehr lasse PV-Gebäude abbrennen, ist falsch.

Häufige Fragen

Erhöht eine PV-Anlage die Brandgefahr?
Nein. Statistisch sind PV-Anlagen nicht brandgefährlicher als andere Elektroinstallationen. Eine Studie des Fraunhofer ISE und des TÜV Rheinland an über 2 Millionen Anlagen ergab, dass PV in weniger als 0,006 Prozent der Fälle ursächlich an einem Brand beteiligt war. Das Risiko liegt unter dem allgemeiner Elektroinstallationen.
Darf die Feuerwehr ein Haus mit PV-Anlage löschen?
Ja. Die Feuerwehr löscht auch bei PV-Anlagen. Die Einsatzregel lautet: Mindestabstand 1 Meter bei Sprühstrahl, 5 Meter bei Vollstrahl zu spannungsführenden DC-Leitungen. Diese Abstände gelten analog zu anderen Niederspannungsinstallationen und stellen kein Hindernis für die Brandbekämpfung dar.
Was ist Rapid Shutdown bei PV?
Rapid Shutdown (modulnahe Abschaltung) bedeutet, dass die DC-Spannung an den Modulen innerhalb von 30 Sekunden auf unter 30 Volt abgesenkt wird. Dies geschieht über Leistungsoptimierer oder spezielle Abschaltmodule an jedem Modul. In Deutschland ist Rapid Shutdown empfohlen, aber nicht flächendeckend vorgeschrieben.
Themen:
BrandschutzSicherheitFeuerwehrDC-Lichtbogen