Glas-Glas-Module
Glas-Glas-Module sind Solarmodule, bei denen die Rückseite nicht durch eine Kunststofffolie, sondern durch eine zweite Glasscheibe geschützt ist. Diese Bauweise erhöht die Lebensdauer, ermöglicht Bifazialität und führt zu deutlich längeren Leistungsgarantien. Viele Hersteller gewähren bei Glas-Glas 30 Jahre Produktgarantie — deutlich mehr als bei Glas-Folie-Modulen.
Was sind Glas-Glas-Module?
Ein Glas-Glas-Modul ist ein Photovoltaik-Modul, bei dem sowohl die Vorderseite als auch die Rückseite durch eine Glasscheibe geschützt sind. Die Solarzellen sind zwischen den beiden Glasscheiben laminiert, eingebettet in eine transparente EVA- oder POE-Folie.
Der Gegenentwurf ist das Glas-Folie-Modul: Hier besteht die Vorderseite aus Glas, die Rückseite aus einer weißen oder transparenten Kunststofffolie (Backsheet). Diese klassische Bauform dominiert den Weltmarkt seit über einem Jahrzehnt, verliert aber Marktanteile an Glas-Glas.
Aufbau im Detail
| Schicht | Glas-Folie | Glas-Glas |
|---|---|---|
| Vorderseite | 3,2 mm gehärtetes Solarglas | 2,0 mm gehärtetes Solarglas |
| Einbettungsfolie vorne | EVA | EVA oder POE |
| Solarzellen | PERC, TOPCon, HJT | PERC, TOPCon, HJT |
| Einbettungsfolie hinten | EVA | EVA oder POE |
| Rückseite | Kunststoff-Backsheet | 2,0 mm Solarglas |
| Rahmen | Aluminium | Aluminium oder rahmenlos |
| Typisches Gewicht | 18–22 kg (Standardmodul) | 22–28 kg (Standardmodul) |
Die beiden dünneren Glasscheiben beim Glas-Glas-Modul gleichen sich in ihrer Belastung aus, wodurch jedes Glas nur 2 mm statt 3,2 mm dick sein muss. Das Gesamtgewicht ist dennoch höher, weil Glas deutlich mehr wiegt als die Kunststofffolie.
Vorteile gegenüber Glas-Folie
- Längere Lebensdauer: Beide Glasflächen schützen die Zellen vollständig vor Feuchtigkeit
- Geringere Degradation: Typisch 0,25–0,30 % pro Jahr gegenüber 0,40–0,50 % bei Glas-Folie
- Höhere Garantieleistung: 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie sind Standard
- Bifazialität: Rückseitenertrag von 70–92 % je nach Zelltyp
- Mechanische Festigkeit: Höhere Punkt- und Flächenlast, relevant bei Hagelschäden
- Resistenz gegen PID (Potenzial-induzierte Degradation) und LID (lichtinduzierte Degradation)
- Brennbarkeit: Glas-Glas-Module sind nicht brennbar (Brandklasse A), Glas-Folie nur schwer entflammbar
Nachteile und Einschränkungen
- Höheres Gewicht: Je Quadratmeter 3–6 kg mehr als Glas-Folie
- Höherer Preis: Glas-Glas-Module kosten typischerweise 10–20 % mehr
- Handling: Empfindlicher im Transport und bei der Montage, mehr Arbeitsaufwand
- Erhöhte Statik-Anforderungen bei Flachdächern und leichten Dachkonstruktionen
- Geringerer Schutz der Randbereiche bei rahmenlosen Varianten, wenn falsch montiert
Typische Leistungsgarantien
Ein zentrales Verkaufsargument von Glas-Glas ist die Leistungsgarantie. Die meisten Hersteller garantieren für Glas-Glas-Module nach 30 Jahren noch mindestens 87 bis 92 % der Nennleistung, bei Glas-Folie nach 25 Jahren nur 80 bis 85 %.
| Modulbauform | Produktgarantie | Leistungsgarantie nach X Jahren |
|---|---|---|
| Standard Glas-Folie | 12–15 Jahre | 80–84 % nach 25 Jahren |
| Premium Glas-Folie | 15–25 Jahre | 85 % nach 25 Jahren |
| Glas-Glas (Standard) | 25–30 Jahre | 87–90 % nach 30 Jahren |
| Glas-Glas (Premium) | 30 Jahre | 90–92 % nach 30 Jahren |
Die längere Garantie überträgt das Risiko von Degradation und Materialfehlern vom Betreiber auf den Hersteller — ein Argument, das bei der Finanzierung durch Banken und Investoren mehr Gewicht bekommt.
Bifazialität und Ertragsgewinn
Viele Glas-Glas-Module sind bifazial ausgeführt, nutzen also zusätzlich das an der Rückseite eintreffende Licht (Reflexion vom Untergrund, Streulicht). Der Mehrertrag hängt stark vom Aufstellungsort und Untergrund ab:
- Aufdach, dunkler Untergrund: 2–5 % zusätzlich
- Flachdach, heller Kiesbelag: 5–10 % zusätzlich
- Freifläche mit weißer Kiesdecke: 10–15 % zusätzlich
- Schneebedeckung im Winter: kurzzeitig 20–30 % zusätzlich
Im Eigenheim-Dachbereich ist der Bifazialitätsgewinn meist gering, weil der Dachraum den Untergrund dunkel hält. Bei Freiflächen und Flachdach-Aufständerung kann er aber signifikant sein.
Wann sich Glas-Glas lohnt
- Langfristige Investitionshorizonte (Betreiber plant Betrieb deutlich über 25 Jahre)
- Premium-Eigenheimanlagen mit Fokus auf Haltbarkeit und Wiederverkaufswert
- Floating-PV und Anlagen in küsten- oder meerresnahen Regionen (Salz-Korrosion)
- Agri-PV mit mechanisch anspruchsvollen Bedingungen
- Gewerbliche Flachdächer ohne strikte Gewichtsbeschränkung
Wann Glas-Folie weiterhin sinnvoll ist
- Budgetanlagen mit begrenztem Kapital
- Leichtbaudächer mit strikten Gewichtsbeschränkungen
- Kurzfristige Pachtmodelle, in denen die längere Garantie keinen Wert hat
- Sehr große Freiflächenprojekte, in denen die zusätzliche Garantie wirtschaftlich nicht eingepreist wird
Im deutschen Markt verschiebt sich der Anteil von Glas-Glas im Neubaugeschäft kontinuierlich nach oben. Viele Hersteller bieten ihre Flaggschiff-Module inzwischen ausschließlich in der Glas-Glas-Variante an, während Glas-Folie in den Einstiegssegmenten verbleibt.