Hagelschaden an der Solaranlage
Solarmodule müssen nach IEC 61215 einen Hageltest mit 25 mm großen Eiskugeln bei rund 83 km/h bestehen, was der Hagelwiderstandsklasse HW2/HW3 entspricht. Bei stärkerem Hagelschlag können Modulglas und Zellen dennoch beschädigt werden; Schäden sind in der Regel über die Wohngebäude- oder eine separate PV-Versicherung abgedeckt, sofern die Anlage dort gemeldet wurde.
Wie widerstandsfähig sind Solarmodule gegen Hagel?
Solarmodule sind für den Außeneinsatz konzipiert und müssen dafür definierte mechanische Belastungstests bestehen, bevor sie in der EU verkauft werden dürfen. Der Hageltest gehört zu diesen Pflichtprüfungen und simuliert den Aufprall von Hagelkörnern auf die Glasoberfläche des Moduls. Standardmodule halten dabei üblichen Hagelereignissen problemlos stand — erst bei außergewöhnlich großen Hagelkörnern ab etwa 30 Millimetern Durchmesser steigt die Wahrscheinlichkeit von Glasbruch oder Leistungsverlust spürbar an.
Prüfnormen und Hagelresistenz
Grundlage der Zulassung ist die Norm IEC 61215, deren Hageltest (Modultest MQT 17) ein Modul an elf definierten Positionen mit 25 Millimeter großen, minus 10 Grad kalten Eiskugeln bei rund 23 Metern pro Sekunde (etwa 83 km/h) beschießt. Um den Test zu bestehen, darf kein Glasbruch auftreten, die elektrische Leistung muss mindestens 95 Prozent des Ausgangswerts erreichen und der Isolationswiderstand über 40 Megaohm liegen. Diese Prüfbedingung entspricht der freiwilligen Hagelwiderstandsklasse HW2 bis HW3 auf einer Skala von HW1 (10 mm) bis HW5 (50 mm), wie sie unter anderem im Schweizer Hagelregister verwendet wird. Module mit höherer Klassifizierung — HW4 oder HW5 — werden gezielt für exponierte Lagen wie Alpenregionen oder bekannte Hagel-Hotspots angeboten und kosten in der Regel 5 bis 15 Prozent mehr in der Anschaffung.
Typische Schadensbilder
Nach einem starken Hagelereignis zeigen sich unterschiedliche Schadensbilder: sichtbare Risse oder Löcher im Deckglas, feine Mikrorisse, die zunächst optisch unauffällig sind, aber Feuchtigkeit eindringen lassen können, Delamination zwischen Glas und Laminat sowie Leistungseinbußen einzelner Zellstrings ohne äußerlich erkennbare Beschädigung. Gerade Mikroschäden und interne Zellrisse sind erst über eine Leistungsmessung oder Thermografie zuverlässig feststellbar, weshalb nach größeren Hagelereignissen eine Kontrolle der Ertragsdaten sinnvoll ist, auch wenn die Module äußerlich unversehrt wirken.
Versicherungsschutz
Hagel zählt zu den klassischen Elementarschäden und ist in den meisten Versicherungsprodukten für PV-Anlagen standardmäßig mitversichert:
| Schadenstyp | Typischerweise abgedeckt durch |
|---|---|
| Glasbruch, Risse durch Hagelschlag | Wohngebäudeversicherung (mit PV-Meldung) oder separate PV-Versicherung |
| Leistungsverlust durch verdeckte Mikroschäden | Allgefahren-Versicherung, teils nur mit Nachweis über Monitoring |
| Ertragsausfall während der Reparatur | Nur mit separater Ertragsausfallversicherung |
| Folgeschäden an Unterkonstruktion/Dach | Wohngebäudeversicherung, sofern baulich verbunden |
Voraussetzung für die Leistung ist in jedem Fall, dass die Anlage der Versicherung gemeldet wurde — geschieht das nicht, kann der Versicherer die Zahlung kürzen oder ganz verweigern. Weitergehende Details zu den einzelnen Versicherungsarten und ihren Deckungsunterschieden liefert der Grundlagenartikel zur PV-Versicherung. Ergänzend zum Hagelschutz lohnt sich bei ohnehin anstehenden Elektroarbeiten häufig auch ein Blick auf den Überspannungsschutz für PV-Anlagen, da Unwetter mit Hagel oft auch mit Blitz- und Überspannungsereignissen einhergehen.