Grundlast
Die Grundlast ist die Leistung, die im Stromnetz rund um die Uhr nachgefragt wird. In Deutschland liegt sie bei etwa 40–60 GW, also rund der Hälfte bis drei Viertel der Spitzenlast. Im erneuerbaren System verliert das klassische Grundlastkonzept an Bedeutung — entscheidend ist die schwankende Residuallast nach Wind- und PV-Einspeisung.
Was ist die Grundlast?
Die Grundlast ist die Leistung, die im Stromnetz rund um die Uhr nachgefragt wird — der niedrigste Tageswert der Last, der innerhalb von 24 Stunden nicht unterschritten wird. Sie wird verursacht durch ständig laufende Verbraucher: Industrieprozesse im Schichtbetrieb, Kühlung, Beleuchtung, Server, Pumpen.
In Deutschland liegt die Grundlast je nach Wochentag und Jahreszeit bei rund 40–60 GW, während die Spitzenlast über 80 GW erreichen kann. Die Grundlast entspricht damit grob der Hälfte bis drei Viertel der Spitzenlast.
Grundlast, Mittellast, Spitzenlast
Klassisch unterscheidet die Energiewirtschaft drei Lastbereiche, denen jeweils typische Kraftwerkstypen zugeordnet sind:
| Lasttyp | Beschreibung | Klassische Kraftwerke |
|---|---|---|
| Grundlast | Dauerhaft, 24/7 vorhanden | Braunkohle, Kernkraft, große Laufwasserkraftwerke |
| Mittellast | Tagsüber zusätzlich, gut prognostizierbar | Steinkohle, GuD-Anlagen (Gas und Dampf) |
| Spitzenlast | Kurze Spitzen am Tag, sehr schnell regelbar | Pumpspeicher, Gasturbinen, schnelle GuD |
Die Zuordnung ist historisch gewachsen und folgt der Kostenstruktur: Grundlastkraftwerke haben niedrige Brennstoffkosten und hohe Investitionskosten — sie lohnen sich nur im Dauerbetrieb. Spitzenlastkraftwerke sind in der Anschaffung günstig, im Brennstoff aber teuer und werden nur stundenweise zugeschaltet.
Ein konkretes Beispiel aus dem deutschen Stromnetz: An einem typischen Werktag fällt die Last in den frühen Morgenstunden auf rund 45–55 GW und steigt zwischen 18 und 20 Uhr auf 75–85 GW. Klassisch übernahmen Braunkohle- und Kernkraftwerke die unteren rund 45 GW dauerhaft als Grundlast, Steinkohle- und GuD-Anlagen den werktäglichen Aufwuchs auf 60–70 GW als Mittellast, und Pumpspeicher sowie schnelle Gasturbinen die obersten 10–15 GW als kurze Abendspitze.
Residuallast — das modernere Konzept
Mit dem Ausbau von Wind und Photovoltaik hat sich die operativ relevante Kennzahl verschoben. Die Residuallast ist der Teil der Nachfrage, der nach Abzug der volatilen erneuerbaren Einspeisung übrig bleibt:
Residuallast = Stromnachfrage − (Wind + Photovoltaik)
Diese Größe ist heute entscheidend, weil sie genau jene Lücke beschreibt, die steuerbare Kraftwerke, Speicher oder flexible Verbraucher schließen müssen. Bei hoher Wind- und PV-Einspeisung kann die Residuallast sehr niedrig oder sogar negativ werden — dann werden konventionelle Kraftwerke abgeregelt oder Strom exportiert.
Im umgekehrten Fall — wenig Wind, wenig Sonne, hohe Nachfrage — steigt die Residuallast stark an. Das Erzeugungsprofil PV und das Lastprofil verlaufen meist gegenläufig: Spitzenlast tritt am frühen Abend auf, wenn die PV-Einspeisung bereits stark zurückgegangen ist.
Warum “Grundlastkraftwerke” an Bedeutung verlieren
Im erneuerbaren Stromsystem zählt nicht mehr Dauerbetrieb, sondern Flexibilität. Drei Effekte verschieben das Bild:
- Schwankende Residuallast: An sonnigen und windreichen Tagen brauchen steuerbare Kraftwerke kaum zu laufen. Ein Dauerläufer würde abgeregelt oder unter Kosten weiterproduzieren.
- Merit-Order-Effekt: Strom aus Wind und PV hat Grenzkosten nahe null und wird zuerst eingesetzt. Konventionelle Grundlastkraftwerke verlieren Volllaststunden, ihre Wirtschaftlichkeit sinkt.
- Bedarf an schneller Regelbarkeit: Dunkelflauten und steile Lastrampen verlangen Anlagen, die innerhalb von Minuten anfahren — keine Eigenschaft klassischer Grundlastkraftwerke.
Die Bundesnetzagentur betont entsprechend die Rolle von Flexibilität als zentralem Konzept des künftigen Stromsystems. Speicher (insbesondere Großbatteriespeicher und Pumpspeicher), regelbare Gaskraftwerke, gesteuerte Lasten und der europäische Verbund treten an die Stelle des historischen Grundlast-Mittellast-Spitzenlast-Modells. In einem EE-dominierten System ist nicht mehr eine konstant hohe Erzeugung gefragt, sondern die Fähigkeit, jederzeit auf die aktuelle Residuallast zu reagieren.