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Planung Fortgeschritten

Lastgang und Standardlastprofil

Der Lastgang beschreibt den zeitlichen Verlauf des Stromverbrauchs eines Anschlusses. Für Haushalte und kleine Gewerbe wird er durch das Standardlastprofil H0 angenähert. Die Kenntnis des Lastgangs ist entscheidend für die Dimensionierung von PV-Anlage und Speicher — nur wer weiß, wann wie viel Strom verbraucht wird, kann den Eigenverbrauch realistisch prognostizieren.

Was ist ein Lastgang?

Der Lastgang (auch Lastprofil oder Verbrauchsprofil) beschreibt den zeitlichen Verlauf des elektrischen Leistungsbezugs eines Anschlusses. Er wird üblicherweise in Viertelstunden-Auflösung (96 Werte pro Tag) oder höher aufgezeichnet und zeigt, wann wie viel Strom verbraucht wird.

Formal ist der Lastgang eine Zeitreihe:

P(t) [kW] für jeden Zeitschritt t (typisch alle 15 Minuten)

Für die PV-Planung ist der Lastgang die wichtigste Eingangsgröße neben der Sonneneinstrahlung. Er bestimmt, wie viel des erzeugten Solarstroms direkt verbraucht werden kann und wie viel überschüssig ins Netz fließt.

Standardlastprofile (SLP)

Da nicht jeder Haushalt einen Smart Meter hat, arbeiten Netzbetreiber und Energieversorger mit Standardlastprofilen. Das BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) definiert diese Profile für verschiedene Kundengruppen:

ProfilKundengruppeMerkmale
H0HaushalteMorgens- und Abendspitze, Mittagstal
G0Gewerbe allgemeinHöherer Tagesverbrauch, Wochenende niedrig
G1Gewerbe werktags 8–18 UhrBürobetriebe
G2Gewerbe AbendverbrauchGastronomie, Veranstaltungen
L0LandwirtschaftSaisonal variierend

Das H0-Profil ist für die PV-Planung am wichtigsten, weil es den Großteil der privaten Installationen betrifft. Es ist ein Jahresprofil mit saisonaler Gewichtung — im Winter ist der Gesamtverbrauch höher als im Sommer.

Lastgang und PV-Erzeugung

Der Kern des Problems: H0-Profil und PV-Erzeugung sind zeitlich gegenläufig.

TageszeitPV-ErzeugungHaushaltsverbrauch (H0)
6–9 UhrSteigendHoch (Morgenspitze)
9–12 UhrHochNiedrig
12–15 UhrMaximalMittel (leicht steigend)
15–18 UhrFallendSteigend
18–22 UhrNullHoch (Abendspitze)

Ohne Gegenmaßnahmen liegt die Eigenverbrauchsquote eines typischen Haushalts bei 25 bis 35 %. Der größte Teil der PV-Erzeugung wird mittags ins Netz eingespeist, während morgens und abends Strom aus dem Netz bezogen wird.

Maßnahmen zur Profilverschiebung

Batteriespeicher

Ein Speicher fängt den Mittagsüberschuss auf und stellt ihn für die Abendstunden bereit. Damit steigt der Eigenverbrauch auf 55 bis 70 %. Der Speicher „verschiebt” das PV-Profil in die Abendspitze.

Verbrauchssteuerung (Lastverschiebung)

Flexible Verbraucher werden in die PV-Erzeugungsstunden gelegt:

  • Waschmaschine / Trockner: Timer auf 11–14 Uhr
  • Spülmaschine: Startzeitvorwahl mittags
  • Warmwasserspeicher: Aufheizung in PV-Stunden
  • Wärmepumpe: Priorität auf Tagesbetrieb
  • E-Auto: Laden tagsüber, wenn PV liefert

Dynamische Stromtarife

Mit einem dynamischen Stromtarif (§41a EnWG) werden die Viertelstunden-Preise an den Börsenpreis gekoppelt. Der Lastgang wird dann auch ökonomisch relevant: Verbrauch in Stunden mit niedrigem oder negativem Börsenstrompreis ist günstig; Verbrauch in der Abendspitze teuer.

Registrierende Leistungsmessung (RLM)

Große Verbraucher und Einspeiser ab 100 kW werden nicht über Standardlastprofile, sondern über eine registrierende Leistungsmessung (RLM) abgerechnet. Ein RLM-Zähler misst den tatsächlichen Verbrauch in Viertelstunden und übermittelt die Daten an den Netzbetreiber. Damit wird der individuelle Lastgang die Abrechnungsgrundlage.

Für PV-Anlagen ab 100 kWp ist die RLM-Messung Voraussetzung für die Direktvermarktung.

Lastgang und PV-Simulation

In modernen Simulationstools (PV*SOL, Sunny Design) wird der Lastgang als Eingangsgröße verwendet:

  1. Standardprofil H0 als Ausgangsbasis
  2. Individuelle Anpassung (z. B. Home-Office, Wärmepumpe, E-Auto)
  3. Viertelstunden-Matching mit dem simulierten PV-Erzeugungsprofil
  4. Ergebnis: Eigenverbrauchsquote, Autarkiegrad, Netzeinspeisung pro Stunde

Je genauer der verwendete Lastgang, desto aussagekräftiger die Simulation. Wer einen Smart Meter hat und die echten Messdaten eines Jahres in die Simulation einspeist, erreicht eine deutlich höhere Prognosegenauigkeit als mit dem pauschalen H0-Profil.

Smart Meter und Echtzeitdaten

Mit der Einführung intelligenter Messsysteme wird der individuelle Lastgang für immer mehr Haushalte verfügbar. Der Smart Meter liefert:

  • Viertelstunden-genaue Verbrauchsdaten an Netzbetreiber und Energieversorger
  • Echtzeit-Visualisierung in der App des Messstellenbetreibers
  • Datenbasis für dynamische Tarife und optimiertes Energiemanagement
  • Steuerungssignale für Wärmepumpe, Wallbox und Speicher (§14a EnWG)

Der Lastgang wird damit vom abstrakten Planungstool zum konkreten Steuerungsinstrument im Alltag.

Häufige Fragen

Was ist das H0-Profil?
H0 ist das Standardlastprofil für Haushalte. Es beschreibt einen typisierten viertelstündlichen Verbrauchsverlauf über ein ganzes Jahr, basierend auf statistischen Erhebungen. Das H0-Profil hat morgens und abends Verbrauchsspitzen und mittags eine leichte Senke — genau umgekehrt zum PV-Erzeugungsprofil.
Warum passt das H0-Profil schlecht zu PV?
Das H0-Profil zeigt den höchsten Verbrauch morgens (6–9 Uhr) und abends (17–21 Uhr), wenn die PV-Anlage wenig oder nichts liefert. Der niedrigste Verbrauch fällt in die Mittagsstunden — genau dann, wenn die PV-Anlage am meisten erzeugt. Ohne Speicher oder Verbrauchssteuerung bleibt der Eigenverbrauch deshalb oft bei nur 25 bis 35 Prozent.
Kann ich meinen echten Lastgang sehen?
Mit einem Smart Meter (iMSys) ja — es zeichnet den Verbrauch in Viertelstunden-Auflösung auf. Wer noch keinen Smart Meter hat, kann mit einem Energiemonitor oder einem zwischengeschalteten Messgerät den eigenen Lastgang messen. Viele PV-Wechselrichter mit Energiemanagement zeigen den Hauslastgang ebenfalls in Echtzeit an.
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