Dunkelflaute
Eine Dunkelflaute ist eine längere Phase, in der Photovoltaik und Wind gleichzeitig nur sehr wenig Strom liefern. In Deutschland treten 2–5 solcher Ereignisse mit mindestens 48 Stunden Dauer pro Jahr auf, die meisten dauern zwei bis drei Tage. Die längste Dunkelflaute 2025 lag im Februar bei rund 89 Stunden.
Was ist eine Dunkelflaute?
Dunkelflaute ist ein Kofferwort aus Dunkelheit und Flaute und bezeichnet eine längere Phase, in der Photovoltaik und Windkraft gleichzeitig nur sehr wenig Strom erzeugen. Eine einheitliche Definition gibt es nicht: In der Praxis werden meist Phasen ab 48 Stunden Dauer betrachtet, in denen die kombinierte Wind- und Solar-Einspeisung deutlich unter dem langjährigen Mittel liegt.
Als kalte Dunkelflaute wird die Variante bezeichnet, in der zusätzlich niedrige Temperaturen die Heizlast erhöhen — relevant vor allem in einem zunehmend elektrifizierten Wärmesektor mit Wärmepumpen.
Häufigkeit und Dauer
Eine Auswertung des Zeitraums 2016–2025, zusammengefasst in der Solarserver-Analyse vom Dezember 2025, zeigt:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Ereignisse pro Jahr (≥48 h) | 2–5 (Mittelwert rund 3) |
| Typische Dauer | 2–3 Tage |
| Längste Dunkelflaute 2025 | rund 89 Stunden (Februar) |
| Durchschnittliche Dauer 2025 | rund 58 Stunden |
| Ereignisse 2025 (≥24 h) | 7 (davon 4 mit ≥48 h) |
Trotz des starken Ausbaus von Wind und PV ist die Häufigkeit in den letzten Jahren nicht gestiegen. Meteorologische Auswertungen zählen sogar nur etwa zwei Phasen pro Jahr, in denen Onshore-Wind, Offshore-Wind und PV gleichzeitig für mindestens 48 Stunden stark unterdurchschnittlich einspeisen — auf europäischer Ebene sinkt diese Zahl wegen geografischer Diversifikation auf rund 0,2 Ereignisse pro Jahr.
Warum Dunkelflauten selten sind
Dunkelflauten sind meteorologisch an blockierende Hochdrucklagen im Winterhalbjahr gebunden: stabile, wolkenreiche und gleichzeitig windschwache Wetterlagen. Solche Lagen treten zwar regelmäßig auf, halten aber selten länger als wenige Tage an. Onshore-Wind, Offshore-Wind und PV ergänzen sich darüber hinaus saisonal und räumlich, sodass längere gleichzeitige Schwächephasen aller drei Technologien die Ausnahme bleiben.
Wie das Stromsystem Dunkelflauten überbrückt
Das deutsche Stromsystem nutzt in Dunkelflauten ein Bündel flexibler Optionen:
- Flexible Gaskraftwerke und Biomasse decken den Großteil der zusätzlichen Residuallast.
- Europäischer Stromhandel importiert Wasserkraft aus Skandinavien und Alpenländern sowie Wind aus Nachbarregionen.
- Pumpspeicherkraftwerke liefern hohe Leistung über mehrere Stunden.
- Batteriespeicher — vor allem Großbatteriespeicher — gleichen kurzfristige Lastspitzen aus.
- Lastmanagement verschiebt flexible Verbraucher in Stunden mit höherem Angebot.
An der Strombörse äußern sich Dunkelflauten in deutlichen Preisspitzen. Die Bundesnetzagentur ordnet diese als Knappheitssignale eines funktionierenden Marktes ein — Versorgungsengpässe oder Blackouts sind in den letzten Jahren trotz mehrerer Dunkelflauten ausgeblieben.
Bedeutung für PV-Anlagenbesitzer
Für Eigenheime mit PV-Anlage und Speicher bedeutet eine Dunkelflaute:
- Geringe PV-Erzeugung: Tageserträge können auf 5–15 % eines durchschnittlichen Wintertages fallen.
- Speicher reicht für Stunden, nicht für Tage: Ein typischer Hauspeicher mit 5–15 kWh überbrückt unter Volllast wenige Stunden bis maximal ein bis zwei Tage — eine 89-Stunden-Dunkelflaute lässt sich damit nicht autark überstehen.
- Netzbezug bleibt nötig: Der Restbedarf wird über das öffentliche Netz gedeckt, das in Dunkelflauten durch das Zusammenspiel der oben genannten Flexibilitäten stabil bleibt.
- Notstrom-Funktion: Sinnvoll bei lokalem Stromausfall, ersetzt aber keine wochenlange Autarkie.
Wer in einer Dunkelflaute echte Autarkie anstrebt, müsste den Speicher um ein Vielfaches überdimensionieren — das ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. Realistischer ist es, den Speicher auf typische Tagesschwankungen auszulegen und die Versorgungssicherheit in Extremlagen dem Verbundsystem zu überlassen.