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China streicht Exportrabatte: Was das für Modulpreise und den deutschen PV-Ausbau bedeutet

Ab April 2026 fallen Chinas Exportsteuervergünstigungen für PV-Module weg. Module dürften 10–15 % teurer werden. Unsere MaStR-Daten zeigen: Der Zubau schwächelt bereits – Januar und Februar 2026 liegen deutlich unter den Vorjahreswerten.

· 3 Min. Lesezeit · Redaktion
Containerschiff im Hafen mit Solarmodulen – Chinas Exportpolitik verändert den PV-Markt
Illustration: KI-generiert

Ab dem 1. April 2026 streicht China die Exportsteuervergünstigungen für Photovoltaik-Produkte komplett. Für Deutschland, das über 80 % seiner Module aus China bezieht, hat das direkte Auswirkungen auf die Preise. Gleichzeitig zeigen unsere MaStR-Daten: Der PV-Zubau geht Anfang 2026 bereits spürbar zurück – noch bevor die Preiserhöhungen beim Endkunden ankommen.

Was sich ändert

Chinesische Hersteller konnten sich bislang die Mehrwertsteuer auf exportierte Solarprodukte erstatten lassen – eine indirekte Subvention, die die Exportpreise drückte. Die Abschaffung erfolgt in zwei Schritten:

  • Dezember 2024: Erstattung von 13 % auf 9 % gesenkt
  • 1. April 2026: Vollständige Abschaffung

Für Batteriespeicher folgt die Streichung zum 1. Januar 2027.

Hintergrund ist die Überkapazität in Chinas Solarindustrie. Die Preise waren so weit gefallen, dass viele Hersteller Verluste machten. Peking reagiert mit Marktbereinigung – Industriepolitik, nicht Klimaskepsis.

Preiseffekte auf Anlagenebene

Die Modulpreise dürften um 10–15 % steigen: von 8–9 Cent/Wp Anfang 2025 auf 10–12 Cent/Wp Ende 2026 (Wegfall Exportrabatt plus steigende Rohstoffkosten bei Silber und Polysilizium).

Entscheidend ist aber die Auswirkung auf die Gesamtanlage. Module machen nur 25–30 % der Systemkosten einer typischen EFH-Dachanlage aus:

KostenpositionAnteilAuswirkung
Module~25–30 %+10–15 %
Wechselrichter~10–15 %kaum betroffen
Montage & Elektrik~40–50 %unverändert
Planung & Netzanschluss~10–15 %unverändert
Gesamtanlage100 %ca. 3–5 % teurer

Für eine 10-kWp-Dachanlage bedeutet das Mehrkosten im niedrigen dreistelligen Bereich. Die Amortisationszeit verlängert sich um wenige Monate – kein Grund, ein Projekt grundsätzlich in Frage zu stellen.

Zubau schwächelt bereits

Unsere Auswertung des Marktstammdatenregisters zeigt: Die Nachfrage geht Anfang 2026 deutlich zurück – noch vor dem eigentlichen Preisanstieg.

Monatlicher PV-Zubau Deutschland (Jan/Feb im Jahresvergleich):

Monat202420252026Veränderung
Januar1.499 MW / 73.188 Anlagen1.418 MW / 63.788 Anlagen1.119 MW / 37.186 Anlagen−25 % (MW), −42 % (Anlagen)
Februar1.291 MW / 67.593 Anlagen1.958 MW / 62.917 Anlagen694 MW / 27.933 Anlagen−65 % (MW), −56 % (Anlagen)

Im Februar 2026 wurden nur noch 694 MW zugebaut – weniger als die Hälfte des Vorjahres. Die Anlagenzahlen haben sich gegenüber 2024 mehr als halbiert.

Die China-Preiserhöhungen sind dabei noch gar nicht beim Endkunden angekommen. Die aktuellen Rückgänge dürften vor allem mit der Verunsicherung durch die EEG-Debatte zusammenhängen. Kommen ab Sommer die höheren Modulpreise hinzu, könnte sich der Trend verstärken.

Ausbauziele unter Druck

Deutschland will bis 2030 auf 215 GW installierte PV-Leistung kommen – dafür wären jährlich rund 22 GW Neuzubau nötig. 2025 wurden 17,5 GW zugebaut, schon unter dem Zielpfad. Setzt sich der Trend aus Januar und Februar fort, droht ein Rückfall auf 12–14 GW.

Drei Faktoren treffen gleichzeitig aufeinander:

  1. Steigende Modulpreise durch Wegfall der China-Subventionen
  2. Politische Unsicherheit durch die EEG-Reform-Debatte
  3. Mögliche Netzanschlussbeiträge durch das geplante Netzpaket

Einzeln betrachtet wäre keiner dieser Faktoren kritisch. In der Kombination verändern sie das Investitionsklima spürbar.

Einordnung

Die Preiskorrektur ist historisch betrachtet eine Normalisierung. Die Modulpreise 2024/2025 waren das Ergebnis chinesischer Überproduktion und nicht nachhaltig – auch nicht für die Hersteller selbst. 10–12 Cent/Wp liegen weiterhin deutlich unter dem Preisniveau von vor fünf Jahren.

Die Daten zeigen: Nicht die Modulpreise sind das Hauptproblem, sondern die Unsicherheit. Solange Käufer nicht wissen, ob die Einspeisevergütung 2027 noch existiert, werden Projekte zurückgestellt. Genau das zeigt sich in unseren Zubau-Zahlen.


Quellen: pv magazine: China streicht Exportvergünstigungen, energie-experten.org: Steigende PV-Preise, photovoltaik.sh: Konsequenzen für deutsche Solarpreise, Eigene Auswertung: Marktstammdatenregister (MaStR), Stand 08.03.2026

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