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Bilanzkreis und Erneuerbare Energien

Ein Bilanzkreis ist ein virtuelles Energiekonto, über das Erzeugung und Verbrauch auf Viertelstundenbasis abgerechnet werden. Für PV-Anlagen in der Direktvermarktung übernimmt der Direktvermarkter die Bilanzierung — die Prognosegüte bestimmt die Kosten.

Was ist ein Bilanzkreis?

Im deutschen Strommarkt muss zu jedem Zeitpunkt genau so viel Strom eingespeist werden, wie verbraucht wird. Diese Bilanzierung erfolgt nicht physisch, sondern über virtuelle Konten — die Bilanzkreise. Jeder Marktteilnehmer (Versorger, Erzeuger, Händler) ordnet seine Ein- und Ausspeisungen einem Bilanzkreis zu.

Der Bilanzkreisverantwortliche (BKV) ist gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) verpflichtet, seinen Bilanzkreis im Gleichgewicht zu halten. Dazu meldet er für jede Viertelstunde des Folgetages Fahrpläne an — also prognostizierte Einspeise- und Entnahmemengen.

Bilanzierung auf Viertelstundenbasis

ZeiteinheitBedeutung
Viertelstunde (15 min)Abrechnungsintervall im deutschen Bilanzkreissystem
FahrplanAngemeldete Leistung pro Viertelstunde (Day-Ahead)
Ist-WertTatsächlich eingespeiste/entnommene Leistung
AbweichungDifferenz zwischen Fahrplan und Ist-Wert
AusgleichsenergieEnergiemenge zum Schließen der Abweichung

Die Viertelstundenauflösung ist im europäischen Vergleich ein hoher Standard. Sie erfordert präzise Prognosen — gerade bei volatiler Erzeugung wie PV.

PV-Anlagen im Bilanzkreis

EEG-Vergütung (Marktprämienmodell)

PV-Anlagen im Marktprämienmodell werden über den EEG-Bilanzkreis des jeweiligen ÜNB geführt. Der ÜNB übernimmt die Vermarktung des Stroms an der Börse und trägt das Prognoserisiko. Die Kosten werden über die EEG-Umlage (bis 2022) bzw. den Bundeshaushalt sozialisiert.

Direktvermarktung

In der Direktvermarktung wechselt die PV-Anlage aus dem EEG-Bilanzkreis in den Bilanzkreis des Direktvermarkters. Dieser agiert als BKV und muss:

  1. Die Erzeugung für jede Viertelstunde prognostizieren
  2. Fahrpläne beim ÜNB anmelden
  3. Den Strom am Day-Ahead- oder Intraday-Markt verkaufen
  4. Abweichungen über Ausgleichsenergie bezahlen
VermarktungsformBilanzkreisPrognoserisiko
EEG-Vergütung (fest)ÜNB (EEG-BK)ÜNB
MarktprämienmodellÜNB (EEG-BK)ÜNB
DirektvermarktungDirektvermarkterDirektvermarkter
PPA (sonstige DV)Abnehmer / HändlerBKV des Abnehmers

Prognosegüte als Kostenfaktor

Die Qualität der Erzeugungsprognose ist für die Wirtschaftlichkeit der Direktvermarktung entscheidend. Jede Abweichung vom Fahrplan verursacht Ausgleichsenergiekosten.

Moderne Direktvermarkter nutzen Ensemble-Prognosen aus mehreren Wettermodellen, um die Vorhersagegenauigkeit zu maximieren. Durch die Bündelung vieler Anlagen in einem Portfolio glätten sich Prognosefehler einzelner Standorte teilweise aus — ein Effekt, der als Portfolio-Diversifikation bezeichnet wird.

Typische Prognoseabweichungen im Jahresdurchschnitt:

  • Einzelanlage: 5–10 % des Jahresertrags
  • Portfolio (>100 Anlagen): 2–4 % des Jahresertrags

Ausgleichsenergie

Wenn ein Bilanzkreis in einer Viertelstunde mehr einspeist als gemeldet, liefert er positive Ausgleichsenergie und erhält dafür den reBAP. Speist er weniger ein als gemeldet, muss er negative Ausgleichsenergie zum reBAP-Preis kaufen.

Der reBAP ist bewusst so gestaltet, dass er von den Day-Ahead-Preisen abweicht und Bilanzkreisabweichungen bestrafen soll. BKVs haben daher einen starken Anreiz, ihre Prognosen möglichst genau zu halten.

Praktische Bedeutung für PV-Betreiber

Für PV-Anlagenbetreiber ist das Bilanzkreissystem im Alltag nicht direkt sichtbar. In der EEG-Vergütung liegt die Bilanzierung vollständig beim ÜNB. Bei Direktvermarktung wird das Prognoserisiko über die Vermarktungsgebühr des Direktvermarkters (typisch 0,2–0,4 ct/kWh) abgedeckt. Betreiber sollten bei der Wahl des Direktvermarkters auf die Prognosekompetenz und die Portfoliogröße achten — beides wirkt sich indirekt auf die erzielte Vergütung aus.

Häufige Fragen

Was ist ein Bilanzkreis?
Ein Bilanzkreis ist ein virtuelles Konto im Stromnetz, das Einspeisung und Entnahme auf Viertelstundenbasis gegenüberstellt. Jeder Bilanzkreis muss zu jedem Zeitpunkt ausgeglichen sein — Abweichungen werden über Ausgleichsenergie verrechnet.
Wer bilanziert meine PV-Anlage?
Bei Anlagen in der EEG-Vergütung übernimmt der Übertragungsnetzbetreiber die Bilanzierung über den EEG-Bilanzkreis. Bei Direktvermarktung geht die Anlage in den Bilanzkreis des Direktvermarkters über — dieser ist als Bilanzkreisverantwortlicher (BKV) für die Prognose verantwortlich.
Was kostet Ausgleichsenergie?
Der reBAP (regelzonenübergreifende einheitliche Bilanzausgleichsenergiepreis) schwankt stark — von nahe 0 ct/kWh bis über 100 ct/kWh in Extremsituationen. Im Durchschnitt liegt er bei 5–15 ct/kWh und damit deutlich über dem Day-Ahead-Marktpreis.
Themen:
BilanzkreisAusgleichsenergieDirektvermarktungBKVStrommarkt