Floating-Photovoltaik
Floating-Photovoltaik bezeichnet Solaranlagen, deren Module auf Schwimmkörpern auf Wasserflächen montiert sind. Deutschland hatte Ende 2025 rund 44 Megawatt-Peak schwimmender Leistung in Betrieb, weitere etwa 80 Megawatt-Peak waren in Planung oder Bau. Der Ausbau ist durch strenge Auflagen im Wasserhaushaltsgesetz begrenzt: maximal 15 Prozent der Wasserfläche, mindestens 40 Meter Uferabstand.
Was ist Floating-PV?
Floating-PV — auch schwimmende Photovoltaik oder FPV — bezeichnet Solaranlagen, deren Module auf Schwimmkörpern auf Wasserflächen installiert sind. Statt einer Aufständerung auf Boden oder Dach tragen luftgefüllte Kunststoffelemente die Module über dem Wasser. Die elektrische Anbindung erfolgt über wasserdicht verkabelte Stränge zu einem ufernahen oder auf einer Schwimmplattform untergebrachten Wechselrichter.
Der Begriff ist in den letzten Jahren international gebräuchlich geworden. In Deutschland wird auch die Kurzform schwimmende PV verwendet.
Marktlage in Deutschland
Der deutsche Floating-PV-Markt war bis 2022 eine reine Nische. Mit der Novelle des Wasserhaushaltsgesetzes 2023 und dem wachsenden Flächendruck auf Land wächst das Segment seitdem kontinuierlich:
| Kennzahl | Wert (Stand 2025) |
|---|---|
| Installierte Leistung | ~44 MWp |
| In Planung oder Bau | ~80 MWp |
| Anzahl Anlagen in Betrieb | rund 20 |
| Durchschnittliche Anlagengröße | 2–5 MWp |
| Größte Anlage Deutschland | ~7,5 MWp (Waldmattensee, Lahr) |
| Größte Anlage Europa | 72,3 MWp (Ilots Blandin, Frankreich) |
Der Anteil an der deutschen Gesamt-PV-Leistung liegt damit weiterhin unter 0,05 %. Das theoretische Potenzial auf den rund 6.000 künstlichen Gewässern mit ausreichender Größe wird von Fraunhofer ISE auf mehrere Gigawatt geschätzt.
Rechtlicher Rahmen
Der zentrale Paragraph ist §36 Absatz 3 Wasserhaushaltsgesetz (WHG), eingeführt mit dem „Gesetz zur Stärkung eines vorsorgenden Schutzes von Wasserflächen” 2023. Die Regelung beschränkt Floating-PV auf:
- künstliche oder erheblich veränderte Gewässer (Baggerseen, Tagebaurestseen, Stauseen)
- maximal 15 % der Wasseroberfläche eines einzelnen Gewässers
- mindestens 40 Meter Uferabstand zur Vermeidung von Konflikten mit Naturschutz
Naturseen, Flüsse und renaturierte Gewässer sind explizit ausgeschlossen. In einigen Bundesländern gelten zusätzliche Auflagen (Bayern, Nordrhein-Westfalen). Auch wenn eine Fläche baurechtlich zulässig ist, muss zusätzlich eine wasserrechtliche Erlaubnis nach dem jeweiligen Landeswassergesetz eingeholt werden.
Weitere zu prüfende Aspekte:
- Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ab einer bestimmten Anlagengröße
- Naturschutzrechtliche Eingriffsregelung — Ausgleichsmaßnahmen
- Fischereirechte des Gewässereigentümers
- Bodenordnungsrechtliche Fragen bei Gemeinschaftseigentum
Technische Besonderheiten
Floating-PV unterscheidet sich in mehreren Aspekten von klassischer Freiflächen-PV:
| Aspekt | Freifläche | Floating-PV |
|---|---|---|
| Modulwahl | Standard | Meist Glas-Glas, salzfest |
| Aufständerung | fest in Erde | Schwimmkörper + Verankerung |
| Verkabelung | unterirdisch | wasserdicht, schwimmend |
| Wechselrichter-Standort | nahe Anlage | am Ufer oder auf Plattform |
| Wartungszugang | Boden | Boot oder Laufsteg |
| Verschmutzung | Staub, Pollen | Algen, Vogelkot, Spritzwasser |
| Kühlung | nur Luft | Luft + Wasser |
Die Kühlung durch das Wasser führt zu einer typischerweise 2 bis 5 °C niedrigeren Modultemperatur als bei einer Freiflächenanlage an Land. Das verbessert den Wirkungsgrad vor allem in den Sommermonaten und steigert den Jahresertrag um 5 bis 10 %.
Bifaziale und vertikale Ausführungen
Neben den klassischen horizontal aufgeständerten Systemen (mit 10 bis 15 Grad Neigung) werden in Deutschland auch vertikale bifaziale Floating-PV-Anlagen getestet. Hier stehen die Module senkrecht auf dem Schwimmkörper und nutzen Licht von beiden Seiten. Der vertikale Aufbau:
- reduziert die Fläche, die von den Modulen beschattet wird
- verbessert den Wasserhaushalt unter den Modulen (Lichtdurchlässigkeit)
- liefert ein ausgeglicheneres Ertragsprofil über den Tag
- hat eine niedrigere Leistungsdichte pro Wasserfläche, was unter der 15-%-Regel günstig ist
2025 wurde die erste kommerzielle vertikale Floating-PV-Anlage in Deutschland in Betrieb genommen.
Ökologische Aspekte
Der Einfluss von Floating-PV auf Gewässerökosysteme ist Gegenstand laufender Forschung. Zentrale Fragestellungen:
- Sauerstoffeintrag ins Wasser bei reduzierter Wind- und Sonneneinstrahlung
- Algenbildung unter den Modulen durch Lichtmangel
- Biodiversität der Uferzonen und Wasservögel
- Sediment- und Nährstofftransport bei wechselnden Wasserständen
Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die Auswirkungen bei Einhaltung der 15-%-Grenze und des 40-Meter-Uferabstands gering und teils sogar positiv ausfallen können (reduzierte Algenblüte auf Nährstoff-belasteten Baggerseen). Ein abschließendes Urteil verlangt aber langfristige Monitoringdaten.
Wirtschaftlichkeit
Die spezifischen Installationskosten einer Floating-PV-Anlage liegen derzeit rund 10 bis 20 % über einer vergleichbaren Freiflächenanlage. Gründe:
- aufwendige Planung und Genehmigungsprozesse
- spezielle Komponenten (Schwimmkörper, Verankerung, wasserdichte Verkabelung)
- erhöhte Wartungs- und Inspektionskosten
- bisher begrenzte Zuliefererbasis in Europa
Der Mehrertrag von 5 bis 10 % durch die Kühlung gleicht die höheren Kosten teilweise aus. Wirtschaftlich attraktiv wird Floating-PV vor allem dann, wenn an Land keine geeigneten Freiflächen verfügbar sind oder wenn der Seegrundstückseigentümer einen Stromabnehmer in der Nähe hat.
Einsatzgebiete in Deutschland
Die typischen Standorte sind:
- Ehemalige Baggerseen — oft im Besitz von Kies- oder Sandabbauunternehmen
- Restseen ehemaliger Tagebaue in Sachsen und Brandenburg
- Stauseen und Talsperren, sofern Wasserwirtschaft und Tourismus zustimmen
- Technische Teiche wie Klär- und Kühlteiche
Die Perspektive in Deutschland hängt maßgeblich von der Bereitschaft der Wasserbehörden ab, weitere Flächen freizugeben. Floating-PV bleibt damit ein Ergänzungs-, kein Hauptfeld der Energiewende — trägt aber gezielt dort bei, wo landgebundene Flächen knapp sind.