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Technik Fortgeschritten

Fassaden-Photovoltaik

Fassaden-Photovoltaik bezeichnet vertikal angebrachte Solarmodule an Gebäudefassaden. Sie liefert über das Jahr rund 60 bis 70 Prozent des Ertrags einer vergleichbaren Süddachanlage, glättet aber das saisonale Profil deutlich: Im Winter und bei niedrigem Sonnenstand erzeugt eine Südfassade mehr Strom als ein Südost-Dach. Damit ist Fassaden-PV vor allem in Kombination mit Dachanlagen und hohem Winterverbrauch interessant.

Was ist Fassaden-PV?

Fassaden-Photovoltaik bezeichnet Solaranlagen, deren Module nicht auf dem Dach, sondern vertikal an der Gebäudefassade montiert sind. Die Module übernehmen dabei zwei Funktionen gleichzeitig:

  1. Stromerzeugung
  2. Witterungsschutz oder Fassadenverkleidung (bei gebäudeintegrierten Varianten)

Fassaden-PV ist ein Teilbereich der gebäudeintegrierten Photovoltaik (BIPV), zu der auch Solardachziegel, Balkonbrüstungen mit Modulen und PV-Elemente in Überdachungen gehören.

Montagevarianten

VarianteBeschreibungIntegration
Vorhangfassade (Cold Facade)Module hängen vor der Bestandsfassade, belüftete Luftschicht dazwischenGebäudeunabhängig, nachrüstbar
Warmfassade (Warm Facade)Module ersetzen die Fassadenverkleidung direktBauphysikalisch integriert
Structural GlazingModule als tragendes Glaselement, häufig rahmenlosHochwertige Architektur
Brüstungs-PVModule als BalkonbrüstungNeubau, Sanierung
Sonnenschutz-LamellenBeweglich oder fest installiert, oft halbtransparentVerschattung + PV

Für Bestandsbauten ist die vorgehängte belüftete Fassade die häufigste Variante: Sie lässt sich nachrüsten, ohne die darunterliegende Fassade aufzureißen, und behält gleichzeitig ihren Funktionswert als Wetterschutz.

Ertragsprofil

Der vertikale Montagewinkel verändert das Ertragsprofil gegenüber einer klassischen Dachanlage grundlegend:

AspektSüddach 30°Südfassade 90°
Jahresertrag100 % (Referenz)60–70 %
Ertrag im Junisehr hochmoderat
Ertrag im Dezemberniedrigrelativ hoch
Tageserzeugungbreit mit Mittagspeaklänger, Vormittags- und Nachmittags-Plateau
Verschattungmeist geringhäufig durch Nachbargebäude

Der entscheidende Vorteil: Fassaden-PV liefert überproportional im Winter. In den Monaten Dezember und Januar kann eine Südfassade auf 80–100 % des Ertrags einer Süddachanlage kommen, weil der tiefe Sonnenstand die vertikale Fläche direkt anstrahlt. Dachanlagen dagegen verlieren bei niedriger Sonne und Schneebedeckung stark.

Dieser Winter-Effekt macht Fassaden-PV besonders interessant für Gebäude mit Wärmepumpen-Heizung, bei denen der Stromverbrauch in den Wintermonaten am höchsten ist.

Kosten

Die spezifischen Installationskosten von Fassaden-PV liegen deutlich über denen einer Dachanlage:

InstallationstypKosten (€/kWp, Richtwert)
Aufdach-Anlage EFH1.100–1.500
Aufdach-Anlage Gewerbe800–1.200
Vorgehängte Fassaden-PV2.500–4.500
Integrierte Warmfassade3.500–6.000
Structural Glazing Premium5.000–10.000+

Gründe für den Aufpreis:

  • Individuelle Planung: Module werden oft nach Maß gefertigt
  • Höhere Sicherheitsanforderungen: Absturzsicherung, Wetterdichtigkeit
  • Arbeitskosten: Gerüst, Abhängen an Fassade, Handwerker mit Höhenzulage
  • Ästhetik-Aufpreis: farbliche oder formale Anpassung an Architektur

Wirtschaftlich sinnvoll wird Fassaden-PV primär dann, wenn sie eine Fassadenverkleidung ersetzt. Wer ohnehin eine Sanierung der Fassade plant, kann die Kosten für Putz oder Klinker gegen die PV-Mehrkosten verrechnen. In diesen Fällen rechnet sich Fassaden-PV häufig auch ohne staatliche Förderung.

Ästhetik und Farbvarianten

Ein Entwicklungsschritt der letzten Jahre ist die farbige Fassaden-PV. Module sind inzwischen in verschiedenen Farben und Oberflächen erhältlich — terrakotta, beige, grau, grün, anthrazit. Die Einfärbung reduziert den Wirkungsgrad um etwa 10 bis 20 %, ermöglicht aber eine bessere Integration in historisch oder städtebaulich sensible Kontexte.

Ergänzend gibt es:

  • Vollflächig schwarze Module ohne sichtbare Busbars
  • Strukturierte Glasoberflächen für matte oder samtige Optik
  • Bedruckte Module mit Bildmotiven oder Schriftzügen
  • Halbtransparente Module als Sichtschutz-Lamellen oder Glasfassaden

Rechtliche und baurechtliche Aspekte

Fassaden-PV unterliegt strengeren baurechtlichen Anforderungen als Dachanlagen:

  • Baugenehmigung häufig erforderlich (je nach Landesbauordnung)
  • Brandschutzvorschriften bei Hochhäusern und in Ballungsräumen
  • Absturzsicherung beim Handling und Wartung
  • Denkmalschutz bei historischen Fassaden
  • Nachbarrecht bei grenznahen Fassaden

In der Regel ist die frühzeitige Abstimmung mit Bauamt, Statiker und gegebenenfalls Denkmalbehörde unverzichtbar.

Einsatzbereiche

  • Neubau von Bürogebäuden und Schulen: Integration in moderne Glas- oder Plattenfassaden
  • Sanierung von Plattenbauten: Fassadenerneuerung + Stromerzeugung in einem Schritt
  • Gewerbehallen: großflächige Süd- und Ostfassaden
  • Mehrfamilienhäuser: Balkonbrüstungen, Traufbereiche, südseitige Wände
  • Parkhäuser: offene Fassaden mit geringem Verschattungsrisiko

Im deutschen Markt bleibt der Anteil von Fassaden-PV an der Gesamt-PV-Leistung gering — Schätzungen liegen im einstelligen Prozentbereich. Mit der Zunahme an Wärmepumpen, dem steigenden Flächendruck in Ballungsräumen und der Weiterentwicklung farbiger Module wird jedoch mit einem deutlich wachsenden Marktsegment gerechnet.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Ertrag einer Fassadenanlage im Vergleich zum Dach?
Eine reine Südfassade in Deutschland liefert über das Jahr rund 60 bis 70 % des Ertrags einer optimal geneigten Süddachanlage. Im Winter dagegen erreicht die Fassade mitunter mehr, weil der tiefe Sonnenstand die vertikale Fläche direkt anstrahlt. Für den Gesamtertrag ist entscheidend, wie verschattungsfrei die Fassade ist und welche Himmelsrichtung sie hat.
Lohnt sich Fassaden-PV wirtschaftlich?
Als reine Ertragsquelle meist nicht — die Installationskosten pro kWp liegen zwei- bis dreimal so hoch wie bei Dachanlagen. Wirtschaftlich interessant wird Fassaden-PV, wenn sie gleichzeitig Fassadenverkleidung ersetzt. Dann werden nicht nur Stromerträge, sondern auch Baukosten (Putz, Klinker, Dämmfassade) eingespart.
Welche Himmelsrichtung ist sinnvoll?
Südfassaden liefern den höchsten Gesamtertrag. Ost- und Westfassaden haben ein ausgeprägtes Morgen- bzw. Abendprofil und kombinieren sich gut mit Dachanlagen. Nordfassaden sind nur bei sehr hohen Diffusstrahlungsanteilen (z. B. stark reflektierende Umgebung) sinnvoll und kommen praktisch kaum vor.
Themen:
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