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Recht Fortgeschritten

Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist das zentrale Bundesgesetz für energetische Anforderungen an Gebäude, Heizungen und die Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmesektor. In der seit 1. Januar 2024 geltenden Fassung verlangt es eine 65-Prozent-Erneuerbaren-Quote für neu eingebaute Heizungen und ist eng mit der kommunalen Wärmeplanung verzahnt. Mit dem am 13. Mai 2026 vom Bundeskabinett beschlossenen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) steht eine umfassende Reform an, die die 65-Prozent-Regel durch eine Bio-Treppe ersetzt und mit § 106 erstmals eine bundesweite Solarpflicht einführt.

Was ist das Gebäudeenergiegesetz?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist seit dem 1. November 2020 das zentrale Bundesgesetz für die energetischen Anforderungen an Gebäude in Deutschland. Es ersetzte die bis dahin parallel geltenden Regelwerke EnEG, EnEV und EEWärmeG und bündelt sie in einer einheitlichen Kodifikation. Umgangssprachlich wird das GEG häufig als Heizungsgesetz bezeichnet, weil seine 2024er-Novelle vor allem die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für neu eingebaute Heizungen geregelt hat.

Inhaltlich verbindet das GEG zwei Stränge: Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden (Jahresprimärenergiebedarf, baulicher Wärmeschutz, Bilanzierung nach DIN V 18599) und Pflichten zur Nutzung erneuerbarer Energien für Heizung und Warmwasser. Es ist eng mit dem Klimaschutzgesetz, dem CO₂-Kostenaufteilungsgesetz, der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und – seit 2024 – mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) verzahnt.

Kernpunkte des geltenden GEG

Die seit 1. Januar 2024 geltende Fassung bringt vier zentrale Regelungsblöcke:

BereichInhalt
65-%-EE-Pflicht (§ 71 GEG)Neu eingebaute Heizungen müssen mindestens 65 % erneuerbare Energien nutzen
Effizienzstandards NeubauReferenzgebäudeprinzip nach DIN V 18599, EH 55 (Wohngebäude) als Standard
BestandsanforderungenDämmpflichten oberster Geschossdecken, hydraulischer Abgleich, Austauschpflicht alter Standardkessel (§ 72)
Verzahnung WärmeplanungBestandsregelung der 65-%-Pflicht knüpft an die kommunale Wärmeplanung an

Die 65-%-Pflicht gilt seit dem 1. Januar 2024 zunächst nur in förmlich ausgewiesenen Neubaugebieten. Für Bestandsgebäude und Neubauten außerhalb solcher Gebiete sind die Stichtage gestaffelt: in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern ab dem 1. Juli 2026, in kleineren Kommunen ab dem 1. Juli 2028. Die Stichtage greifen jedoch nur, wenn die kommunale Wärmeplanung nach Wärmeplanungsgesetz vorliegt oder die Frist abgelaufen ist. Defekte Heizungen können bis zum jeweiligen Stichtag noch durch fossile Modelle ersetzt werden – zur Vermeidung von Härten gelten dann eigene Übergangs- und Beratungspflichten.

Politisch ist die Reform der 65-%-Pflicht eng mit dem Verfahren zum Gebäudemodernisierungsgesetz verschränkt: Medienberichte verweisen darauf, dass das Bundeskabinett die Geltung in Großstädten vom 1. Juli auf den 1. November 2026 verschieben will, um keine kurz wirkende Pflicht vor Aufhebung durch das GModG zu erzeugen. Solange das nicht verkündet ist, bleibt der ursprüngliche GEG-Zeitplan formal maßgeblich.

Reform 2026: das Gebäudemodernisierungsgesetz

Das Bundeskabinett hat am 13. Mai 2026 den Regierungsentwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) beschlossen. Formal heißt es „Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Modernisierung der Wärmeversorgung in Gebäuden”. Die Kabinettfassung ist noch nicht geltendes Recht: Bundestag und Bundesrat müssen den Entwurf erst beraten; Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind ausdrücklich möglich. Bis zur Verkündung gilt das bisherige GEG weiter.

Die zentralen Änderungen nach Kabinettvorlage:

ElementGeltendes GEGGModG-Entwurf
Pflicht für neue Heizungen65 % erneuerbarWegfall, ersetzt durch Bio-Treppe
NeubaustandardEH 55 (Referenzgebäude)Nullemissionsgebäude ab 2028 (Behörden) / 2030 (alle)
SolarpflichtLandesrechtBundesweit nach § 106 GModG, in Stufen ab 2027
§ 72 GEGAustauschpflicht alte StandardkesselGeplante Aufhebung
§ 559f BGB (Modernisierungsumlage)Wie bisherVolle Umlage bei Wärmepumpe nur bei JAZ ≥ 2,5 (Entwurfsstand)

Die Bio-Treppe verpflichtet Eigentümer neuer fossiler Heizungen (Gas, Öl, Flüssiggas) zu wachsenden Mindestanteilen klimafreundlicher Brennstoffe: 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035 und 60 % ab 2040. Anerkannt sind nach BMWSB-Darstellung Biomethan, Bioheizöl, biogenes Flüssiggas sowie grüner, blauer, oranger und türkiser Wasserstoff und deren Derivate.

Die stufenweise Solarpflicht nach § 106 GModG ist der wichtigste Hebel für die PV-Branche:

StichtagSolarpflicht für
1. Januar 2027Neue öffentliche Nichtwohngebäude und neue Nichtwohngebäude über 250 m² Nutzfläche
1. Januar 2028Bestehende öffentliche Nichtwohngebäude über 2.000 m², bestehende Nichtwohngebäude über 500 m² bei erheblichen Änderungen
1. Januar 2029Bestehende öffentliche Nichtwohngebäude über 750 m²
1. Januar 2030Alle neuen Wohngebäude und neue überdachte Parkplätze an Gebäuden
1. Januar 2031Bestehende öffentliche Nichtwohngebäude über 250 m²

Bezug zur Photovoltaik

Für die PV-Branche entstehen drei strukturelle Hebel. Erstens dehnt § 106 die Solarpflicht erstmals bundesweit auf einen Großteil aller Neu- und Bestandsgebäude aus – inklusive überdachter Parkplätze. Zweitens zwingt der Nullemissionsstandard im Neubau zu einer strombasierten Versorgung, in der Dach-PV gemeinsam mit Wärmepumpe und Speicher zum faktischen Standard wird; die Sektorkopplung der Wärmepumpe mit der Eigenstromerzeugung gewinnt damit zusätzlich an Bedeutung. Drittens schreibt der Entwurf für Nichtwohngebäude mit Anlagen über 70 kW bis Ende 2029 die Ausstattung mit Gebäudeautomationssystemen vor – ein direkter Markttreiber für Energiemanagement, das PV-Anlagen, Speicher und Wallboxen koordiniert.

Die Regelungen des § 14a EnWG zur netzorientierten Steuerung steuerbarer Verbraucher bleiben im GModG unverändert, gewinnen aber durch den steigenden Anteil elektrifizierter Wärmeerzeugung an Gewicht. Neue Wärmepumpen, Wallboxen und Heimspeicher über 4,2 kW sind unabhängig vom GModG ohnehin teilnahmepflichtig.

Was Bauherren beachten müssen

Bis zur Verkündung des GModG im Bundesgesetzblatt gilt das bisherige GEG inklusive 65-%-Regel in Neubaugebieten. Wer aktuell baut oder eine Heizung tauscht, sollte zwei Dimensionen prüfen: erstens, ob die 65-%-Pflicht am Standort bereits greift, und zweitens, ob eine Landes-Solarpflicht parallel zu erfüllen ist. Solche Landesregelungen bestehen unter anderem in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und – beschränkt auf Gewerbe – in Bayern. Sie werden durch die geplante Bundespflicht nicht ausdrücklich aufgehoben. Im Zweifel gilt die strengere Vorschrift.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient der Mietrechtsabschnitt des GModG-Entwurfs. Vermieter, die nach Inkrafttreten eine Wärmepumpe einbauen und die volle Modernisierungsumlage nach dem neuen § 559f BGB geltend machen wollen, müssen nach derzeitigem Entwurfsstand eine Jahresarbeitszahl von mindestens 2,5 nachweisen. Wird die Schwelle unterschritten, dürfen nur 50 % der Modernisierungskosten umgelegt werden. Für Installateure und Energieberater bedeutet das eine deutlich höhere Anforderung an Auslegung, Quellenwahl und Dokumentation – und ein direktes wirtschaftliches Argument für die Kombination der Wärmepumpe mit einer ausreichend dimensionierten Dach-PV.

Häufige Fragen

Was regelt das Gebäudeenergiegesetz?
Das GEG bündelt die Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden, an Heizungsanlagen und an die Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmebereich. Es vereint die frühere Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in einem einheitlichen Gesetz. Geregelt werden unter anderem der maximale Jahresprimärenergiebedarf, der bauliche Wärmeschutz, die 65-Prozent-Erneuerbaren-Pflicht für neue Heizungen und die Verzahnung mit der kommunalen Wärmeplanung nach Wärmeplanungsgesetz.
Was ändert sich mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz 2026?
Die Kabinettfassung vom 13. Mai 2026 sieht den Wegfall der 65-Prozent-Regel vor und ersetzt sie durch eine Bio-Treppe mit stufenweise steigenden Mindestanteilen klimaneutraler Brennstoffe (10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040). Der Nullemissionsgebäude-Standard wird für behördliche Neubauten ab 2028 und für alle übrigen Neubauten ab 2030 zur Pflicht. Mit § 106 GModG entsteht erstmals eine bundeseinheitliche Solarpflicht in mehreren Stufen. Wichtig: Das GModG ist noch nicht in Kraft – Bundestag und Bundesrat müssen den Entwurf erst beraten.
Gilt schon eine bundesweite Solarpflicht?
Nein. Eine bundesweite Solarpflicht ist erst mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz vorgesehen und greift frühestens ab 1. Januar 2027 für neue Nichtwohngebäude über 250 m². Bis das Gesetz verkündet ist, gilt das bisherige GEG ohne bundesweite Solarpflicht. Auf Landesebene bestehen aber bereits in mehreren Bundesländern eigene Solarpflichten, die unabhängig vom GEG fortgelten. Im Zweifel greift die jeweils strengere Regel.
Themen:
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