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VDE-AR-N 4105

Die VDE-AR-N 4105 ist die technische Anschlussregel für Erzeugungsanlagen im Niederspannungsnetz. Sie legt fest, wie sich PV-Anlagen bis 135 kVA am Netzanschlusspunkt verhalten müssen — von der Frequenz- und Spannungsüberwachung über die Wirkleistungsbegrenzung bis zur Blindleistungsbereitstellung. Jeder Wechselrichter, der in Deutschland installiert wird, muss die Anforderungen der VDE-AR-N 4105 erfüllen.

Was regelt die VDE-AR-N 4105?

Die VDE-AR-N 4105 ist die technische Anwendungsregel für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz. Sie definiert, wie sich PV-Anlagen, Batteriespeicher und andere dezentrale Erzeuger am Netzanschlusspunkt verhalten müssen, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Die Norm gilt für alle Erzeugungsanlagen bis 135 kVA Scheinleistung, die am Niederspannungsnetz (230/400 V) angeschlossen sind. In der Praxis umfasst das nahezu alle privaten Dachanlagen und einen Großteil der Gewerbeanlagen.

Zentrale Anforderungen

NA-Schutz (Netz- und Anlagenschutz)

Der Wechselrichter überwacht permanent:

ParameterNormbereichReaktion bei Verletzung
Netzfrequenz47,5–51,5 HzAbschaltung
Netzspannung±10 % der NennspannungAbschaltung
FrequenzgradientROCOF-SchutzAbschaltung
InselerkennungErkennung NetzausfallAbschaltung in < 5 s

Der NA-Schutz verhindert eine unbeabsichtigte Inselnetzbildung: Fällt das Netz aus, muss die PV-Anlage sofort abschalten, damit Techniker gefahrlos am Netz arbeiten können.

Wirkleistungsbegrenzung

Die VDE-AR-N 4105 verlangt, dass Erzeugungsanlagen bei Überfrequenz ihre Wirkleistung reduzieren:

  • Ab 50,2 Hz: Abregelung proportional zum Frequenzanstieg
  • Bei 51,5 Hz: vollständige Abschaltung

Damit reagiert jede PV-Anlage automatisch auf Überangebot im Netz und hilft, die Frequenz zu stabilisieren.

Blindleistung

Wechselrichter müssen Blindleistung bereitstellen können, um die Netzspannung am Anschlusspunkt zu stützen. Die Vorgabe lautet:

  • cos φ = 0,90 induktiv bis 0,90 kapazitiv (bei Anlagen > 4,6 kVA)
  • Der Netzbetreiber gibt die konkrete Einstellung vor (Kennlinie oder Festwert)
  • Blindleistung beeinflusst die lokale Spannungshaltung, nicht den Ertrag

Symmetrische Einspeisung

Einphasige Erzeugungsanlagen dürfen maximal 4,6 kVA pro Phase einspeisen. Darüber wird eine dreiphasige Einspeisung verlangt, um Schieflast im Netz zu vermeiden. Für die meisten PV-Anlagen ab etwa 5 kWp bedeutet das: dreiphasiger Wechselrichter Pflicht.

Konformitätsnachweis

Jeder in Deutschland installierte Wechselrichter muss über ein Einheitenzertifikat verfügen, das die Einhaltung der VDE-AR-N 4105 bestätigt. Das Zertifikat wird von einer akkreditierten Prüfstelle ausgestellt und ist Bestandteil der Netzanmeldung.

DokumentErstellt vonWann nötig
Einheitenzertifikat (Wechselrichter)Akkreditierte PrüfstelleNetzanmeldung
InbetriebnahmeprotokollInstallateurNach Montage
KonformitätserklärungAnlagenbetreiber/InstallateurNetzanmeldung

Bezug zu anderen Normen

NormGeltungsbereich
VDE-AR-N 4105Erzeugungsanlagen ≤ 135 kVA am Niederspannungsnetz
VDE-AR-N 4110Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz
VDE-AR-N 4120Erzeugungsanlagen am Hochspannungsnetz
DIN VDE 0100-712Errichtung von PV-Anlagen (Sicherheit)
VDE-AR-E 2100-712DC-Brandschutz bei PV

Bedeutung für Anlagenbetreiber

Für private PV-Betreiber ist die VDE-AR-N 4105 im Normalfall unsichtbar: Der Wechselrichter kommt mit den richtigen Einstellungen, der Installateur bestätigt die Konformität. Relevant wird die Norm, wenn:

  • der Netzbetreiber Blindleistungseinstellungen ändert
  • der Wechselrichter getauscht wird (neues Zertifikat nötig)
  • der NA-Schutz bei Netzstörungen auslöst und die Anlage abschaltet
  • ein Speicher oder weiterer Erzeuger nachgerüstet wird

In diesen Fällen muss geprüft werden, ob die Gesamtanlage weiterhin konform ist.

Häufige Fragen

Muss jede PV-Anlage die VDE-AR-N 4105 einhalten?
Ja, alle Erzeugungsanlagen bis 135 kVA Scheinleistung, die am Niederspannungsnetz angeschlossen sind. Das umfasst praktisch alle Hausdach- und Gewerbeanlagen unter 135 kW. Größere Anlagen fallen unter die VDE-AR-N 4110 (Mittelspannung).
Was ist der NA-Schutz?
NA-Schutz steht für Netz- und Anlagenschutz. Die Funktion überwacht Netzfrequenz und Netzspannung am Anschlusspunkt. Weichen die Werte vom Normbereich ab (z. B. bei Netzausfall), trennt der NA-Schutz die Anlage automatisch vom Netz — innerhalb von Millisekunden. Damit wird verhindert, dass die PV-Anlage ein spannungsloses Netz weiter unter Spannung hält.
Wer prüft die Einhaltung der VDE-AR-N 4105?
Der Installateur bestätigt mit dem Inbetriebnahmeprotokoll, dass die Anlage und der Wechselrichter die Anforderungen erfüllen. Der Netzbetreiber prüft die Unterlagen und kann bei Auffälligkeiten eine Nachmessung verlangen. Der Wechselrichterhersteller stellt Einheitenzertifikate und Konformitätsnachweise bereit.
Themen:
VDEAnschlussregelNA-SchutzNiederspannungNetz