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Geleakter EEG-2027-Entwurf: Einspeisevergütung für Dachanlagen soll wegfallen

Der geleakte 442-Seiten-Entwurf zum EEG 2027 sieht vor, die Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kW zu streichen. Hausbesitzer müssten Strom selbst nutzen oder direkt vermarkten. Grüne starten Rekord-Petition, Solarbranche warnt vor Einbruch.

· 3 Min. Lesezeit · Redaktion
Kohle vs Solar – symbolischer Kontrast zwischen fossiler Energie und Photovoltaik
Illustration: KI-generiert

Ende Februar 2026 ist ein 442-seitiger Entwurf zum neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2027) aus dem Wirtschaftsministerium von Katharina Reiche (CDU) an die Öffentlichkeit gelangt. Kernpunkt: Die Einspeisevergütung für neue PV-Dachanlagen bis 25 kWp soll ersatzlos entfallen.

Was der Entwurf vorsieht

Wegfall der Einspeisevergütung: Die feste Vergütung für neue Anlagen bis 25 kWp wird gestrichen. Betreiber müssten ihren Strom künftig selbst verbrauchen oder direkt vermarkten.

Übergangsregelung in drei Stufen:

Ab wannWas gilt
1. Januar 2027Anlagen bis 25 kW: unsubventionierte Netzbetreiberabnahme zum Marktwert
1. Januar 2028Netzbetreiberabnahme nur noch für Anlagen bis 10 kW
Ab 2029Keine Netzbetreiberabnahme mehr – Direktvermarktung wird Pflicht

Weitere Änderungen:

  • 50-%-Einspeisebegrenzung für kleine Anlagen – dauerhaft, als Anreiz für Speicher
  • Anlagen 25–100 kW: Vergütung wird deutlich abgesenkt, mit monatlicher Degression
  • Netzanschlussbeiträge über das geplante Netzpaket

Hintergrund: Die EU-beihilferechtliche Genehmigung des aktuellen EEG läuft Ende 2026 aus. Das Ministerium argumentiert, Kleinanlagen seien „aufgrund gesunkener Kosten oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich” – zumindest bei hohem Eigenverbrauch.

Konsequenz: Nulleinspeisung

Ohne Vergütung bleiben Betreibern zwei Optionen:

  1. Eigenverbrauch maximieren über Speicher, Wärmepumpe oder Wallbox – erfordert Zusatzinvestitionen
  2. Direktvermarktung – für Privatanlagen weder technisch noch wirtschaftlich praktikabel

Überschüssiger Strom kann nicht einfach ungefördert ins Netz eingespeist werden. Ohne Vergütungsvertrag wird die Anlage auf Nulleinspeisung konfiguriert – der Wechselrichter regelt ab, sobald der Eigenverbrauch gedeckt ist. Verfügbare Erzeugungskapazität liegt brach.

Das ist energiepolitisch widersinnig: Deutschland braucht jede Kilowattstunde Solarstrom für die Ausbauziele und den Ersatz fossiler Kraftwerke. Der Entwurf sorgt dafür, dass installierte Anlagen bei Sonne stillstehen – statt die Netze schneller auszubauen und Einspeisung zu ermöglichen.

Reaktionen

Solarbranche: BSW-Solar-Chef Carsten Körnig warnt vor einem „Kahlschlag beim Solarausbau”. Die Einspeisevergütung sei „für die meisten neuen Solaranlagenbetreiber weiterhin nötig, um ausreichende Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.” Ein breiter Wirtschaftsaufruf fordert, die Vergütung für Gebäude-PV beizubehalten.

Grüne: Fraktionschefin Katharina Dröge nennt den Entwurf einen „Solarkiller”. Die Online-Petition „Stoppt Reiches Angriff auf die Sonnenenergie” hat über 150.000 Unterschriften gesammelt. Felix Banaszak hat einen 10-Punkte-Plan für die Energiewende vorgelegt.

Solarhandwerk: Der BDSH nennt den Wegfall „richtiges Ziel, aber falsche Reihenfolge” – erst müssten Direktvermarktung und Smart-Meter-Infrastruktur funktionieren.

Koalition: Auch innerhalb der CDU/CSU-Fraktion und beim Koalitionspartner SPD gibt es Widerstand. Der Entwurf muss noch durch den Bundestag.

Auswirkungen auf den Zubau

Deutschland will bis 2030 auf 215 GW installierte PV-Leistung kommen – dafür sind jährlich 22 GW nötig. 2025 wurden 17,5 GW zugebaut, schon unter dem Zielpfad. Installationsbetriebe berichten von zunehmender Kaufzurückhaltung.

Unsere MaStR-Daten: Im Januar und Februar 2026 lag der Zubau deutlich unter dem Vorjahr – die Anlagenzahlen gingen um 42 % (Januar) bzw. 56 % (Februar) zurück. Die EEG-Debatte dürfte ein wesentlicher Faktor sein.

Einschätzung

Der Entwurf ist ein Leak, kein Gesetz. Im parlamentarischen Verfahren wird sich vieles ändern. Die Richtung ist aber klar: weg von der festen Vergütung, hin zu Eigenverbrauch und Marktintegration.

Langfristig ist das richtig. Kurzfristig fehlt die Infrastruktur: Direktvermarktung funktioniert für Privatanlagen nicht, Smart Meter sind nicht flächendeckend verbaut. Den Vergütungsanspruch zu streichen, bevor die Alternative steht, gefährdet den Zubau in einer kritischen Phase.


Quellen: pv magazine: EEG-Entwurf geleakt, Solarserver: EEG-2027-Entwurf, BSW Solar, energie-experten.org, Grüne Bundestagsfraktion, BDSH Solar, Petition auf innn.it

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