Süd-Dach verliert: Nur noch 39% der neuen PV-Anlagen zeigen nach Süden
11-Jahres-Trend im MaStR: Süd-Ausrichtung bei neuen Dach-PV-Anlagen sinkt von 45,6% (2015) auf 38,8% (2026). Ost-West-Anlagen wachsen von 7% auf 12%.
Die Südausrichtung war jahrzehntelang die goldene Regel beim Dach-Solar: maximaler Jahresertrag, einfache Planung. Eine Auswertung von über 4,9 Millionen Dach-PV-Anlagen im Marktstammdatenregister nach Inbetriebnahmejahr zeigt: Diese Regel verliert an Bedeutung. 2015 zeigten noch 45,6 Prozent der neu installierten Dachanlagen nach Süden — 2026 sind es nur noch 38,8 Prozent.
Der 11-Jahres-Trend
Die Auswertung bucketiert alle Dach- und Gebäude-PV-Anlagen (ohne Freiflächenparks) nach Inbetriebnahmejahr und gemeldeter Hauptausrichtung. Da dieses Datenfeld im MaStR erst seit dieser Auswertung systematisch erschlossen wird, gibt es keine offizielle Vorjahres-Zeitreihe der Bundesnetzagentur dazu — das Inbetriebnahmejahr jeder einzelnen Anlage ist hier der einzige verfügbare Zeit-Proxy, dafür aber über 4,9 Millionen Einzelanlagen breit abgesichert.
| Jahr | Neue Dachanlagen | Süd-Anteil | Ost-West-Anteil |
|---|---|---|---|
| 2015 | 46.683 | 45,6 % | 7,4 % |
| 2018 | 73.977 | 43,6 % | 7,7 % |
| 2021 | 230.571 | 42,0 % | 11,1 % |
| 2023 | 1.013.429 | 44,6 % | 9,3 % |
| 2025 | 451.871 | 38,9 % | 12,5 % |
| 2026* | 179.982 | 38,8 % | 12,2 % |
*2026 nur Januar–Juli, Jahr noch nicht abgeschlossen.
Der Trend ist nicht linear — 2022/2023 gab es während des PV-Booms nach der Energiekrise einen kurzen Rücksprung Richtung Süd, vermutlich weil viele Erstinstallationen mit einfacher Standardplanung dazukamen. Seit 2024 setzt sich der langfristige Abwärtstrend aber fort und erreicht 2025/2026 mit rund 39 Prozent den bisher niedrigsten Stand.
Ost-West statt Süd: der Eigenverbrauchs-Effekt
Der Gegentrend zu Süd ist eindeutig Ost-West-Ausrichtung: von 7,4 Prozent (2015) auf 12,2 Prozent (2026) — ein Plus von zwei Dritteln. Ost-West-Anlagen liefern zwar einen etwas geringeren Jahresertrag als reine Südanlagen, dafür aber ein flacheres, länger gestrecktes Tagesprofil: Strom morgens aus Ost-Modulen, Strom abends aus West-Modulen. Bei wachsendem Eigenverbrauchs-Anteil — befeuert durch hohe Strompreise und den Zubau von Batteriespeichern — wird dieses Profil wirtschaftlich attraktiver als ein einzelner Mittagspeak, der ungenutzt ins Netz gedrückt wird.
Methodische Anmerkung: Nord-Ost- und Nord-West-Ausrichtungen sind in den obigen Zahlen bei Ost bzw. West mitgezählt, da sie orientierungstechnisch näher an Ost/West als an reinem Nord liegen. Übrig bleibt die reine Nordausrichtung (genau 0°) — mit 1,6 Prozent (2026) weiterhin die kleinste Kategorie, aber ebenfalls wachsend: von 0,5 Prozent (2015) auf 1,6 Prozent (2026), in absoluten Zahlen von 253 auf 2.925 neue Anlagen pro Jahr. Ost-West bleibt mit rund 12 Prozent klar die dominierende Alternative zu Süd — nicht reines Nord.
Warum sinkt Süd trotzdem?
Mehrere Faktoren dürften zusammenspielen:
- Verfügbare Dachfläche wird knapper. Je mehr Häuser in einer Straße bereits eine Südanlage haben, desto häufiger installieren Nachzügler auf den verbleibenden Dachflächen — Ost, West oder eine Kombination.
- Eigenverbrauchsoptimierung statt Maximalertrag. Seit dem Solarspitzengesetz (Februar 2025) verlieren unkontrollierte Mittagsspitzen ohne Steuerbarkeit an Wert — ein gleichmäßigeres Tagesprofil passt besser zu den neuen Rahmenbedingungen.
- Größere Anlagen, mehr Dachseiten. Mit wachsender durchschnittlicher Anlagengröße werden häufiger mehrere Dachflächen gleichzeitig belegt, was den Anteil reiner Süd-Einzelausrichtung automatisch senkt.
Häufige Fragen
Wie hat sich die Ausrichtung neuer PV-Dachanlagen seit 2015 verändert?
Der Anteil reiner Südausrichtung ist von 45,6 Prozent (2015) auf 38,8 Prozent (2026) gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil von Ost-West-Anlagen von 7,4 auf 12,2 Prozent.
Lohnt sich eine PV-Anlage ohne Südausrichtung noch?
Ja. Ost-West-Anlagen erzielen zwar einen etwas geringeren Jahresertrag als reine Südanlagen, liefern aber ein gleichmäßigeres Tagesprofil mit höherem Eigenverbrauchsanteil — besonders relevant seit die Direktvermarktung ohne Steuerbarkeit durch das Solarspitzengesetz unattraktiver geworden ist.
Welche Ausrichtung ist bei neuen Dachanlagen am häufigsten?
Süd bleibt mit rund 39 Prozent (2026) weiterhin die häufigste Einzelausrichtung, gefolgt von Süd-West (rund 19 Prozent über alle Jahre) und Süd-Ost. Der Trend zeigt aber eine klare Verschiebung weg von der reinen Südausrichtung hin zu Ost-West-Kombinationen.
Datenquelle: Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, eigene Auswertung nach Inbetriebnahmejahr und gemeldeter Hauptausrichtung (Stand: 8. Juli 2026). Erfasst werden ausschließlich Dach- und Gebäude-PV-Anlagen inkl. Steckersolar, Freiflächenanlagen sind ausgeschlossen. Da das Ausrichtungsfeld erst mit dieser Auswertung systematisch erschlossen wurde, existiert keine offizielle historische Zeitreihe — das Inbetriebnahmejahr dient als Zeit-Proxy. 2026 ist ein unvollständiges Jahr (Stand Juli).