Eigenverbrauchsquote
Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil der erzeugten Solarenergie im eigenen Haushalt verbraucht wird. Sie ist nicht dasselbe wie der Autarkiegrad, der sich auf den Verbrauch bezieht. Beide Kennzahlen laufen gegenläufig. Angesichts von 37 ct/kWh Strompreis gegenüber 7,78 ct/kWh Einspeisevergütung ist der Eigenverbrauch die wichtigste Stellgröße der Wirtschaftlichkeit.
Definition und Berechnung
Die Eigenverbrauchsquote beantwortet eine einzige Frage: Wie viel des selbst erzeugten Solarstroms bleibt im Haus?
Eigenverbrauchsquote = selbst verbrauchte Solarenergie ÷ gesamte Solarerzeugung × 100 %
Erzeugt eine Anlage 10.000 kWh im Jahr und werden davon 2.800 kWh direkt im Haushalt oder über den Speicher genutzt, beträgt die Eigenverbrauchsquote 28 Prozent. Die restlichen 7.200 kWh gehen als Überschusseinspeisung ins Netz.
Die saubere Abgrenzung zum Autarkiegrad
Beide Kennzahlen werden in Prozent angegeben und ständig verwechselt. Sie haben aber unterschiedliche Nenner.
| Eigenverbrauchsquote | Autarkiegrad | |
|---|---|---|
| Bezugsgröße (Nenner) | Erzeugung der Anlage | Verbrauch des Haushalts |
| Frage | Wie viel des Solarstroms nutze ich selbst? | Wie viel meines Bedarfs decke ich selbst? |
| Größere Anlage | senkt die Quote | erhöht den Autarkiegrad |
| Höherer Verbrauch | erhöht die Quote | senkt den Autarkiegrad |
| Batteriespeicher | erhöht beides | erhöht beides |
Beispiel: Haushalt mit 4.000 kWh Verbrauch, Anlage mit 10.000 kWh Erzeugung, davon 2.400 kWh selbst genutzt.
- Eigenverbrauchsquote = 2.400 ÷ 10.000 = 24 %
- Autarkiegrad = 2.400 ÷ 4.000 = 60 %
Derselbe Betriebszustand, zwei sehr unterschiedliche Zahlen. Wer die Kennzahlen verwechselt, bewertet Angebote systematisch falsch.
Nur der Zähler ist in beiden Formeln gleich – die selbst genutzte Solarenergie. Genau diese Größe ist es, die Geld spart.
Typische Werte
Die HTW Berlin nennt für Einfamilienhäuser folgende Autarkiegrade:
| Konstellation | Autarkiegrad |
|---|---|
| Ohne Speicher | 19–61 % |
| Mit Speicher | 31–95 % (Median 70 %) |
Die Eigenverbrauchsquote liegt bei üblicher Auslegung – Anlage größer als der Jahresverbrauch – regelmäßig deutlich niedriger, weil ein großer Teil der Sommererzeugung schlicht nicht im Haus unterzubringen ist.
Warum die Kennzahl 2026 wichtiger ist als je zuvor
| Größe | Wert 2026 |
|---|---|
| Haushaltsstrompreis (BDEW-Durchschnitt) | 37,0 ct/kWh |
| Einspeisevergütung Teileinspeisung (IBN 01.02.–31.07.2026) | 7,78 ct/kWh |
| Verhältnis | Faktor 4,8 |
Jede Kilowattstunde, die statt eingespeist selbst verbraucht wird, ist also fast fünfmal so viel wert. Und diese Schere könnte sich weiter öffnen: Der am 29. Juli 2026 vom Kabinett beschlossene Regierungsentwurf zum EEG 2027 sieht vor, die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen ab 2027 abzuschaffen – ersetzt durch eine Übergangszahlung von 5,2 ct/kWh über 36 Monate und danach einen Direktvermarktungsbonus von 1,5 ct/kWh über 48 Monate für Anlagen unter 25 kW. Anschließend bliebe nur der Markterlös, der über den Marktwert Solar bestimmt wird – 2025 waren das 4,508 ct/kWh im Jahresmittel.
Rechtlicher Stand: Regierungsentwurf. Bundestag, Bundesrat und die beihilferechtliche Prüfung der EU-Kommission stehen aus. Für Anlagen mit Inbetriebnahme bis zum 31. Dezember 2026 ist Vertrauensschutz vorgesehen.
Wie sich die Quote erhöhen lässt
- Batteriespeicher. Der wirksamste Hebel für Einfamilienhäuser. Faustregel für die Dimensionierung: etwa 1 kWh Speicherkapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch.
- Verbrauch in die Mittagszeit verlegen. Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner über Zeitschaltung oder Energiemanagementsystem.
- Wärmepumpe und Wallbox einbinden. Beide verschieben große Energiemengen und sind gut steuerbar. Eine Wärmepumpe verdoppelt den Haushaltsstrombedarf typischerweise – und damit die Aufnahmefähigkeit für Solarstrom.
- Ost-West-Belegung. Flachere Erzeugungskurve mit Morgen- und Abendspitze, die besser zum typischen Haushaltslastgang passt.
- Anlage nicht überdimensionieren – aber auch nicht künstlich klein halten. Eine kleinere Anlage hebt zwar die Eigenverbrauchsquote, senkt aber den absoluten Ertrag. Optimiert werden sollte der Barwert, nicht die Kennzahl.
Der letzte Punkt ist der wichtigste: Die Eigenverbrauchsquote ist eine Diagnosegröße, kein Optimierungsziel für sich. Entscheidend bleibt die absolute Menge selbst genutzter Kilowattstunden.