Halbjahresbilanz 2026: 7,4 GW Solarzubau – reicht das Tempo bis 2030?
H1 2026: 7,4 GW neue PV-Leistung, 2,6 GW Speicher-Zubau. Bestand 125,4 GW nähert sich dem 128-GW-Ziel – für 215 GW bis 2030 fehlt aber Tempo.
Die erste Jahreshälfte 2026 ist gelaufen — Zeit für eine Zwischenbilanz. Nach Auswertung des Marktstammdatenregisters sind zwischen Januar und Juni rund 7,4 Gigawatt neue Photovoltaik-Leistung in etwa 384.000 Anlagen ans Netz gegangen. Parallel wuchs der Batteriespeicher-Bestand um 2,6 Gigawatt. Zum Stichtag 8. Juli 2026 stehen damit 6,12 Millionen aktive Solaranlagen mit zusammen 125,4 Gigawatt installierter Leistung in den Registern der Bundesnetzagentur.
Die eigentlich interessante Frage lässt sich damit aber erst beantworten, wenn man die Zahlen an einem Maßstab misst: dem gesetzlich festgelegten Ausbaupfad.
Das Gesetz hinter dem Ziel: § 4 EEG 2023
Deutschlands PV-Ausbauziele stehen nicht in einer Pressemitteilung, sondern im Gesetz. § 4 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023) in der Fassung der Osterpaket-Novelle 2022 schreibt einen verbindlichen “Ausbaupfad” für Solaranlagen mit festen Stützjahren fest:
| Zieljahr | Installierte PV-Leistung (kumuliert) |
|---|---|
| 2024 | 88 GW |
| 2026 | 128 GW |
| 2028 | 172 GW |
| 2030 | 215 GW |
| 2035 | 309 GW |
| 2040 | 400 GW (danach Erhaltungsziel) |
Flankiert wird der Solar-Pfad vom übergeordneten Ziel aus § 1 EEG 2023: 80 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Bruttostromverbrauch bis 2030. Das Solarpaket I von 2024 hat diese GW-Zielwerte nicht verändert, sondern nur die Rahmenbedingungen angepasst — mehr Flächen für Freiflächenanlagen, vereinfachte Regeln für Balkonkraftwerke, höhere Ausschreibungsvolumina. Aus dem Pfad leitet das Bundeswirtschaftsministerium eine politische Zielgröße von rund 22 GW Zubau pro Jahr ab 2026 ab.
Wo steht Deutschland Mitte 2026?
Mit 125,4 GW liegt der Bestand 2,6 GW unter dem 128-GW-Stützpunkt für 2026 — bei einem halben Jahr Zeit, um die Lücke zu schließen. Rechnet man das Tempo der ersten Jahreshälfte (7,4 GW in sechs Monaten) linear auf das Gesamtjahr hoch, würde Deutschland die 128-GW-Marke Ende 2026 sogar übertreffen. Das kurzfristige Ziel scheint damit erreichbar.
Kritischer wird es beim Blick nach vorn. Der 12-Monats-Zubau liegt aktuell bei 16,5 GW — und damit 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Um von 125,4 GW auf die 215-GW-Marke bis Ende 2030 zu kommen, wären ab sofort rechnerisch rund 19,9 GW pro Jahr nötig — knapp 20 Prozent mehr, als aktuell tatsächlich zugebaut wird. Die Bundesnetzagentur und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) haben zuletzt wiederholt auf eine Abkühlung im Dachanlagen-Segment hingewiesen, während Freiflächenanlagen weiter kräftig wachsen. Der BSW bezifferte den Zubau allein für Januar bis Mai 2026 auf “mehr als sechs GWp” — ein Wert, der sich mit der eigenen MaStR-Auswertung deckt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bestand 8. Juli 2026 | 125,4 GW |
| Ziel 2026 (§ 4 EEG) | 128 GW |
| 12-Monats-Zubau | 16,5 GW (−2,1 % ggü. Vorjahr) |
| Nötiges Tempo bis 2030 | ≈ 19,9 GW/Jahr |
| Ziel 2030 (§ 4 EEG) | 215 GW |
Bundesländer: Bayern zieht das Tempo
Beim 12-Monats-Zubau bleibt die Rangfolge der letzten Berichte stabil. Bayern liegt weiter klar vorn, gefolgt von NRW und Baden-Württemberg — allerdings mit einem auffälligen Unterschied in der Stückzahl:
| Bundesland | Zubau (12 Monate) | Neue Anlagen |
|---|---|---|
| Bayern | 4,16 GW | 133.508 |
| Nordrhein-Westfalen | 1,90 GW | 158.974 |
| Baden-Württemberg | 1,88 GW | 121.322 |
| Niedersachsen | 1,38 GW | 94.946 |
| Brandenburg | 1,23 GW | 25.952 |
NRW baut mit fast 159.000 Anlagen zwar die meisten Stück zu, kommt aber wegen des Dachanlagen-Fokus nur auf weniger als die Hälfte der Bayern-Leistung. Brandenburg zeigt das Gegenteil: Mit gerade einmal 26.000 neuen Anlagen erreicht das Land 1,23 GW — ein Hinweis auf große Freiflächenparks statt vieler kleiner Dachanlagen.
Speicher wachsen schneller als PV
Der Speicher-Zubau von 2,6 GW in H1 2026 wirkt neben 7,4 GW PV-Zubau klein, ist aber relativ betrachtet die dynamischere Entwicklung: Bereits 2,59 Millionen Batteriespeicher sind aktiv registriert, gegenüber 6,12 Millionen Solaranlagen. Rein rechnerisch besitzt damit mehr als jede dritte PV-Anlage einen Speicher — Tendenz stark steigend, da neue Anlagen kaum noch ohne Speicher installiert werden. Das hängt auch mit dem Solarspitzengesetz zusammen, das die Direktvermarktung ohne Steuerbarkeit seit Februar 2025 unattraktiver macht.
Ändert die EEG-Reform 2027 die Zielwerte?
Für 2027 ist eine EEG-Reform in Vorbereitung, die intensiv diskutiert wird — allerdings primär beim Vergütungssystem. Im Gespräch ist ein Wechsel von der Festvergütung zu zweiseitigen Differenzverträgen (Contracts for Difference) sowie ein neuer Umgang mit negativen Strompreisen im Umfeld des Solarspitzengesetzes. Die GW-Stützpunkte des § 4 EEG selbst stehen nach aktuellem Stand nicht zur Disposition. Ob das Ausbautempo bei einer Reform der Förderlogik anzieht oder weiter nachlässt, dürfte sich frühestens 2027 zeigen.
Häufige Fragen
Welches Gesetz legt die deutschen PV-Ausbauziele fest?
§ 4 EEG 2023 (“Ausbaupfad”). Er schreibt feste Stützjahre vor: 88 GW bis 2024, 128 GW bis 2026, 172 GW bis 2028, 215 GW bis 2030, 309 GW bis 2035 und 400 GW bis 2040.
Erreicht Deutschland das 128-GW-Ziel für 2026?
Nach aktuellem Tempo ist das wahrscheinlich. Der Bestand lag am 8. Juli 2026 bei 125,4 GW; hochgerechnet auf das Zubau-Tempo der ersten Jahreshälfte würde die 128-GW-Marke bis Jahresende überschritten. Schwieriger wird der nächste Stützpunkt: Für 215 GW bis 2030 wäre eine Beschleunigung um rund ein Fünftel gegenüber dem aktuellen 12-Monats-Zubau nötig.
Wie viele Batteriespeicher sind aktuell registriert?
2.589.643 Speicher zum 8. Juli 2026, nach einem Zubau von rund 2,6 GW allein in der ersten Jahreshälfte 2026. Damit wächst der Speicher-Bestand deutlich schneller als der PV-Bestand.
Datenquelle: Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, eigene Auswertung (Stand: 8. Juli 2026). Gesetzliche Zielwerte: § 4 EEG 2023 (gesetze-im-internet.de). Einordnung und Vergleichszahlen: BSW-Solar-Pressemitteilung vom 23.6.2026 und Bundesnetzagentur-Jahresbilanz 2025. Methodik: Solar Score, EEG-Reform 2027.