Solarspitzengesetz
Das Solarspitzengesetz trat am 25. Februar 2025 in Kraft und reagiert auf wachsende temporäre Solarstrom-Überschüsse im Netz. Es stoppt die EEG-Vergütung sofort bei jeder Viertelstunde mit negativem Börsenpreis, begrenzt die Einspeisung neuer PV-Anlagen ohne Smart Meter auf 60 Prozent und verpflichtet Neuanlagen ab 7 kWp zu intelligenten Messsystemen.
Was ist das Solarspitzengesetz?
Das Solarspitzengesetz ist ein Bundesgesetz, das am 25. Februar 2025 in Kraft trat. Offiziell trägt es den Titel „Gesetz zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Vermeidung von temporären Erzeugungsüberschüssen”. Es reagiert auf wachsende kurzzeitige Solarstrom-Überschüsse: An sonnigen Tagen mit niedrigem Verbrauch waren die Börsenstrompreise in Deutschland 2024 erstmals an mehr als 500 Stunden ins Negative gerutscht.
Geändert werden das EEG 2023 sowie das EnWG. Das Gesetz adressiert drei Bereiche: EEG-Vergütung bei negativen Preisen, Smart-Meter-Pflicht und Steuerbarkeit der Anlage.
Sofortige Vergütungssperre bei negativen Strompreisen
Bisher galt nach § 51 EEG die 6-Stunden-Regel: Erst wenn der Börsenpreis sechs Stunden in Folge negativ war, entfiel die Förderung. Das Solarspitzengesetz schafft diese Schwelle für Neuanlagen ab 25.02.2025 ab:
- Vergütung wird in jeder 15-Minuten-Periode mit negativem Day-Ahead-Preis ausgesetzt
- Ausnahme: Anlagen ohne EEG-Förderung (Volldirektvermarktung) sind nicht betroffen
- Bestandsanlagen vor 25.02.2025 behalten die alte 6-Stunden-Regel
Die in Sperrzeiten „entfallene” Vergütung geht aber nicht verloren: Sie wird durch Verlängerung der 20-jährigen Förderdauer am Ende der Laufzeit nachgeholt. In der Praxis verschiebt sich also der Zeitpunkt, zu dem die Vergütung ausläuft, um die Summe der Sperrintervalle.
Smart-Meter-Pflicht ab 7 kWp
Für Neuanlagen ab 7 kWp ist ein intelligentes Messsystem (iMSys) Pflicht. Für Bestandsanlagen über 7 kW besteht eine Nachrüstpflicht bis Ende 2028. Damit beschleunigt das Gesetz den schleppenden Smart-Meter-Rollout deutlich.
Hintergrund: Erst über das iMSys kann der Netzbetreiber die Einspeisung dynamisch begrenzen. Das Gesetz koppelt deshalb die volle Einspeiseleistung an die iMSys-Installation.
Die 60-Prozent-Regel
Ohne aktiv schaltendes iMSys gilt für neue EEG-geförderte Anlagen zwischen 2 und 100 kW eine Einspeisebegrenzung auf 60 Prozent der installierten Nennleistung:
| Anlagengröße | Pflicht ohne iMSys | Pflicht mit iMSys |
|---|---|---|
| <2 kW (Balkon) | keine Begrenzung | keine Begrenzung |
| 2 bis 25 kWp | max. 60 % Einspeisung | volle Einspeisung |
| 25 bis 100 kW | 60 % + Fernsteuerung Pflicht | volle Einspeisung, fernsteuerbar |
| über 100 kW | klassische Direktvermarktung gem. EEG | Direktvermarktung gem. EEG |
Sobald ein iMSys nachgerüstet und der Netzbetreiber den Fernsteuer-Test bestanden hat, entfällt die 60-Prozent-Schwelle. Praktische Folge: Bei vielen Hausdachanlagen ist heute der Batteriespeicher praktisch Pflicht, weil die abgeregelte Spitze sonst ungenutzt bleibt.
Praxisfolgen
Für eine typische 12-kWp-Hausanlage ab Mitte 2025 bedeutet das Gesetz:
- iMSys-Pflicht ab Inbetriebnahme
- Ohne iMSys nur 7,2 kW Einspeisung möglich, also rund 40 Prozent der Spitzen ungenutzt – sofern kein Speicher die Spitze auffängt
- Bei jeder Viertelstunde mit negativem Börsenpreis entfällt die EEG-Vergütung (Verlängerung der 20-Jahres-Frist)
- Direktvermarktung ist erst über 100 kW Pflicht – unverändert
Für Gewerbedachanlagen über 100 kW kommt die Anlagenzusammenfassung hinzu: Mehrere Teilanlagen am selben Standort können rechtlich zu einer Anlage zusammengefasst werden – und dadurch die Schwelle zu den verschärften Pflichten überschreiten.
Mit Stand Juni 2026 ist das Solarspitzengesetz gültiges Recht. Politisch wird parallel an einer EEG-Reform 2027 gearbeitet, die einen weiteren Systemwechsel hin zu Direktvermarktung und Differenzverträgen vorsieht.