Ostdeutschland dominiert Solar-Score: MaStR-Auswertungen jetzt als Open Data
10.747 Zeilen MaStR-Auswertungen zum PV-Ausbau ab sofort als CSV/JSON unter CC-BY 4.0. Ostdeutschland dominiert den Solar Score, Hessen zeigt das Momentum.
Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern belegen die ersten drei Plätze im Solar Score der 16 Bundesländer. Alle drei erreichen Werte über 65, alle drei liegen östlich der alten innerdeutschen Grenze. Die zugrunde liegenden MaStR-Auswertungen stellt solarzubau.de ab heute als offene Datensätze zur Verfügung: Vier CSV-Dateien mit insgesamt 10.747 Datenzeilen auf Bundes-, Länder-, Landkreis- und Gemeindeebene, frei nutzbar unter CC-BY 4.0.
Die Datensätze umfassen alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte, 8.987 Gemeinden mit mindestens 50 Solaranlagen sowie eine monatliche Zeitreihe aller Bundesländer ab Januar 2020.
Datensätze im Überblick
| Datensatz | Zeilen | Spalten | Zeitraum |
|---|---|---|---|
| Bundesländer (Momentaufnahme) | 16 | 23 | Stand 2026-04-07 |
| Bundesländer (Monatliche Zeitreihe) | 1.343 | 12 | 2020-01 bis 2026-04 |
| Landkreise & kreisfreie Städte | 401 | 17 | Stand 2026-04-07 |
| Gemeinden (≥ 50 Anlagen) | 8.987 | 17 | Stand 2026-04-07 |
Alle Dateien sind versioniert im Dateinamen abgelegt und bleiben auch nach späteren Aktualisierungen zitierbar. Zusätzlich existiert pro Datensatz eine stabile -latest.csv-Kopie, die bei jedem Pipeline-Lauf überschrieben wird. Die Gemeindedaten unterliegen einem Thin-Content-Filter: Gemeinden unter 50 Anlagen werden nicht aufgenommen, um statistische Verzerrungen bei sehr kleinen Einheiten zu vermeiden.
Alle 16 Bundesländer im Solar Score
Die vollständige Rangliste zeigt ein deutliches Ost-West-Gefälle. Die ersten drei Plätze gehen ausschließlich an ostdeutsche Flächenländer, während die Stadtstaaten und die bevölkerungsreichen Westländer das untere Drittel belegen.
| Rang | Bundesland | Solar Score | Momentum | Zubau/Kopf (12M) | Speicherquote | Δ Vorjahr |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Sachsen-Anhalt | 70 | 73 | 0,52 kW | 41,6 % | +82,6 % |
| 2 | Brandenburg | 69 | 30 | 0,38 kW | 46,1 % | −30,5 % |
| 3 | Mecklenburg-Vorpommern | 68 | 69 | 0,52 kW | 40,3 % | +59,0 % |
| 4 | Bayern | 54 | 35 | 0,31 kW | 35,8 % | −10,0 % |
| 5 | Schleswig-Holstein | 45 | 22 | 0,29 kW | 42,6 % | +16,0 % |
| 6 | Baden-Württemberg | 38 | 22 | 0,18 kW | 40,5 % | −6,7 % |
| 7 | Saarland | 38 | 18 | 0,16 kW | 39,8 % | +12,3 % |
| 8 | Rheinland-Pfalz | 34 | 17 | 0,20 kW | 41,1 % | −5,4 % |
| 9 | Nordrhein-Westfalen | 31 | 12 | 0,10 kW | 43,8 % | −18,1 % |
| 10 | Thüringen | 31 | 14 | 0,19 kW | 43,3 % | +9,2 % |
| 11 | Niedersachsen | 30 | 13 | 0,17 kW | 45,0 % | −22,7 % |
| 12 | Bremen | 29 | 11 | 0,07 kW | 46,8 % | +4,8 % |
| 13 | Berlin | 28 | 9 | 0,02 kW | 44,8 % | −22,2 % |
| 14 | Sachsen | 26 | 6 | 0,12 kW | 39,9 % | −45,4 % |
| 15 | Hamburg | 24 | 9 | 0,03 kW | 51,9 % | −4,3 % |
| 16 | Hessen | 19 | 49 | 0,10 kW | 40,2 % | −26,5 % |
Sachsen-Anhalt liegt mit einem Zubau von 1.133 MW in den vergangenen zwölf Monaten an der Spitze des Rankings. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legte das Land um 82,6 Prozent zu, der höchste Anstieg im Ländervergleich. Bayern, das in absoluter Leistung mit 32,3 GW weiterhin führt, erreicht im Pro-Kopf-Maßstab nur Rang 4.
Dass ostdeutsche Flächenländer beim Zubau pro Kopf vorne liegen, ist bekannt. Der Datensatz quantifiziert den Abstand nun erstmals in monatlicher Auflösung über mehr als sechs Jahre (ab Januar 2020). Sachsen-Anhalt hat seinen Rang im Solar Score in der Mehrzahl dieser Monate verbessert oder gehalten.
So berechnet sich der Solar Score
Der Solar Score ist ein gewichteter Index aus vier Kennzahlen, normiert auf 0 bis 100 innerhalb der jeweiligen Vergleichsgruppe (Bundesländer, Landkreise oder Gemeinden):
| Kennzahl | Gewichtung |
|---|---|
| Zubau pro Kopf (12 Monate) | 40 % |
| Installierte Leistung pro Kopf | 25 % |
| Leistungsdichte pro km² | 20 % |
| Speicherquote | 15 % |
Die Gewichtung ist bewusst so gewählt, dass sowohl Flächenländer als auch Stadtstaaten fair abschneiden können: Wer wenig Fläche hat, kann über eine hohe Leistungsdichte pro km² punkten. Der separate Momentum Score misst die kurzfristige Dynamik (Vormonats- und Vorjahresvergleich, Speicher-Zubau). Details zur Berechnung in der Methodik.
Hessen: letzter Platz, starkes Momentum
Hessen belegt im Solar Score mit 19 Punkten den letzten Platz unter den 16 Bundesländern. Gleichzeitig erreicht das Land im Momentum Score einen Wert von 49, Rang 3 bundesweit.
Die beiden Scores messen unterschiedliche Dinge: Der Solar Score bewertet den langfristigen Ausbauzustand, der Momentum Score die kurzfristige Dynamik. Dass Hessen gleichzeitig hinten liegt und aufholt, ist ein Muster, das erst durch die Zeitreihen-Auswertung sichtbar wird. Ähnliches gilt in umgekehrter Form für Schleswig-Holstein (Score 45, Momentum 22): hoher Stand, schwindende Dynamik.
Den deutlichsten Rückwärtsgang zeigt Sachsen: Rang 14 im Solar Score bei gleichzeitig −45,4 Prozent Zubau gegenüber dem Vorjahr, der stärkste Rückgang aller 16 Länder. Der Momentum-Rang 16 spiegelt das wider.
Speicherquote: Hamburg führt mit 51,9 Prozent
Eine Kennzahl, die in der klassischen PV-Statistik selten auftaucht, ist die Speicherquote: der Anteil der PV-Anlagen, zu denen ein Batteriespeicher im MaStR registriert ist. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 40,9 Prozent. Die Spreizung zwischen den Ländern ist beachtlich.
Hamburg führt mit 51,9 Prozent, gefolgt von Bremen (46,8 %) und Brandenburg (46,1 %). Am unteren Ende liegt Bayern mit 35,8 Prozent, trotz der höchsten absoluten Speicher-Anlagenzahl (478.866).
Dass gerade die Stadtstaaten hohe Speicherquoten aufweisen, ist plausibel: In dicht bebauten Gebieten sind Dachanlagen die dominierende Bauform, und Dachanlagenbesitzer installieren häufiger Speicher als Freiflächenbetreiber, die auf Direktvermarktung oder Einspeisevergütung setzen.
Einordnung: Ausbauziele und Zubaurate
Die vorliegenden Daten zeigen aktuell 121 GW installierte PV-Leistung in Deutschland. Das im EEG verankerte Ausbauziel sieht 215 GW bis 2030 vor (§ 4 EEG). Zwischen dem aktuellen Bestand und dem Ziel liegen rund 94 GW in weniger als vier Jahren. Bei der aktuellen Zubaurate von rund 16 GW pro Jahr wäre das Ziel rechnerisch nicht erreichbar.
Die Zeitreihe im Open-Data-Datensatz ermöglicht eine monatliche Nachverfolgung der Lücke zwischen Ist und Soll. Ob der Zubau in den kommenden Quartalen wieder anzieht oder weiter rückläufig bleibt, lässt sich mit dem nächsten Daten-Update bewerten.
Anwendungsfälle: Forschung, Lokalpresse, Kommunen
Der Open-Data-Release zielt auf drei Nutzergruppen:
- Wissenschaft: Die Kreisdatei mit 401 Einträgen und die Gemeindedatei mit 8.987 Einträgen sind joinbar mit Destatis-Regionalschlüsseln (Spalte
gemeindeschluesselbzw.regionalschluessel). Die Zeitreihe erlaubt Längsschnitt-Auswertungen über mehr als sechs Jahre. - Lokalredaktionen: Landkreis- und Gemeindedaten bieten die Rohbasis für Regionalberichte zum PV-Ausbau, ohne Einzelabfrage im Marktstammdatenregister. Ein konkretes Beispiel: Die Spalten
solar_scoreundzubau_pro_kopf_kwim Landkreis-Datensatz reichen aus, um eine „Top 10 der aktivsten Landkreise in Niedersachsen” in wenigen Minuten zu erstellen. - Kommunale Energiebeauftragte: Die Pro-Kopf-Werte und Rangeinordnungen lassen sich unmittelbar für Benchmarks und Bürgermeister-Briefings verwenden. In der Gemeindedatei findet sich jede Kommune mit mindestens 50 Anlagen, inklusive Vergleichswerten zum eigenen Landkreis und Bundesland.
Eine Dokumentation aller Spalten liegt pro Datensatz als HTML-Tabelle bei, inklusive Typ, Einheit und Beschreibung. Die Aktualisierung erfolgt regelmäßig nach dem nächsten vollständigen MaStR-Import.
Lizenz und Namensnennung
Die Nutzung ist frei, auch kommerziell. Bedingung ist die Quellenangabe: „solarzubau.de auf Basis Marktstammdatenregister (Bundesnetzagentur)”. Details zum Datenmodell, zur Gewichtung des Solar Scores und zum Umgang mit Registrierungsverzögerungen finden sich in der Methodik und auf dem Open-Data-Hub.
Quellen:
- Marktstammdatenregister (MaStR), Bundesnetzagentur, Stichtag 2026-04-07
- Gemeindeverzeichnis GV-ISys, Statistisches Bundesamt (Destatis), Quartal 1/2026
- EEG 2023, § 4 Ausbaupfad, Ausbauziel 215 GW PV bis 2030
- Creative Commons BY 4.0 Deed (DE), Lizenztext
- Open-Data-Hub solarzubau.de, Projektseite mit allen Datensätzen