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Wirtschaft Fortgeschritten

CO2-Preis und Photovoltaik

Der nationale CO2-Preis (BEHG) und das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) verteuern fossile Stromerzeugung und verbessern damit indirekt die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen. PV-Strom ist CO2-frei und unterliegt keiner CO2-Bepreisung.

Zwei Systeme der CO2-Bepreisung

Deutschland unterliegt zwei parallelen CO2-Bepreisungssystemen, die auf unterschiedliche Sektoren wirken:

Nationales Brennstoffemissionshandelssystem (BEHG): Bepreist fossile Brennstoffe in den Sektoren Wärme und Verkehr — also Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel. Der Preis wird politisch festgelegt und stufenweise erhöht.

EU-Emissionshandel (EU-ETS): Betrifft große Industrieanlagen und Kraftwerke in der Stromerzeugung. Der CO2-Preis bildet sich am Markt durch Angebot und Nachfrage an Emissionszertifikaten.

Preisentwicklung

JahrBEHG (national)EU-ETS (Durchschnitt)
202125 €/t53 €/t
202230 €/t80 €/t
202330 €/t85 €/t
202445 €/t65 €/t
202555 €/t68 €/t
202655–65 €/t (Korridor)~70 €/t (Prognose)
ab 2027Überführung in EU-ETS 2Marktpreisbildung

Der nationale CO2-Preis hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt. Ab 2027 endet die Phase der Festpreise — der neue EU-ETS 2 für Gebäude und Verkehr soll marktbasiert funktionieren.

Auswirkung auf die Strompreise

Der CO2-Preis wirkt über die Merit-Order auf den Börsenstrompreis. Fossile Kraftwerke kalkulieren den CO2-Preis in ihre variablen Kosten ein. Da das teuerste noch benötigte Kraftwerk den Marktpreis setzt, erhöht der CO2-Preis den Börsenstrompreis auch dann, wenn der Anteil erneuerbarer Energien hoch ist.

BrennstoffCO2-EmissionenCO2-Kosten bei 55 €/t
Erdgas (GuD)~0,40 t/MWh2,2 ct/kWh
Steinkohle~0,75 t/MWh4,1 ct/kWh
Braunkohle~1,00 t/MWh5,5 ct/kWh

Für Endverbraucher bedeutet dies: Jede Kilowattstunde Netzstrom enthält einen CO2-Kostenanteil von 2–3 ct/kWh, der bei steigenden CO2-Preisen weiter wachsen wird.

Bedeutung für PV-Betreiber

PV-Strom ist im Betrieb CO2-frei und unterliegt keiner Bepreisung. Die wirtschaftliche Auswirkung ist dreifach:

  1. Eigenverbrauch wird wertvoller: Jede selbst verbrauchte kWh ersetzt teureren Netzstrom, dessen CO2-Anteil steigt.
  2. Einspeisevergütung profitiert indirekt: Höhere Börsenstrompreise durch CO2-Kosten stützen die Marktprämie in der Direktvermarktung.
  3. Investitionsanreiz wächst: Die Differenz zwischen PV-Gestehungskosten (5–10 ct/kWh) und fossilem Strom wird durch CO2-Bepreisung größer.

Ausblick: EU-ETS 2 ab 2027

Ab 2027 wird der nationale Brennstoffemissionshandel (BEHG) in den europäischen EU-ETS 2 überführt. Damit endet die Phase politisch festgelegter Festpreise — der CO2-Preis bildet sich dann am europäischen Markt. Analysten erwarten einen deutlichen Preisanstieg auf 80–130 €/t bis 2030, getrieben durch sinkende Zertifikatsmengen und steigende Reduktionsziele.

Für PV-Betreiber bedeutet dies: Der wirtschaftliche Vorteil des CO2-freien Solarstroms gegenüber fossilem Netzstrom wird in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Lebenszyklusemissionen von PV

Obwohl PV-Strom im Betrieb emissionsfrei ist, fallen bei Herstellung, Transport und Entsorgung Emissionen an. Die Lebenszyklusemissionen liegen nach aktuellen Studien des Fraunhofer ISE bei 20–50 g CO2/kWh — weniger als ein Zehntel der Emissionen von Erdgas-Strom. Bei Modulproduktion in Europa sinkt der Wert auf unter 30 g CO2/kWh.

Häufige Fragen

Wie wirkt der CO2-Preis auf die Stromkosten?
Der CO2-Preis erhöht die variablen Kosten fossiler Kraftwerke. Ein CO2-Preis von 55 €/t verteuert Strom aus Erdgas um ca. 2,2 ct/kWh und Strom aus Braunkohle um ca. 5,5 ct/kWh. Da fossile Kraftwerke häufig den Börsenstrompreis setzen, steigt dieser mit.
Muss ich als PV-Betreiber CO2-Kosten zahlen?
Nein. Solarstrom verursacht im Betrieb keine CO2-Emissionen. Weder der nationale CO2-Preis (BEHG) noch das EU-ETS betreffen die Stromerzeugung aus Photovoltaik. Die CO2-Bilanz über den Lebenszyklus (Herstellung, Transport, Recycling) liegt bei 20–50 g CO2/kWh.
Steigt der CO2-Preis weiter?
Ja. Der nationale CO2-Preis liegt 2026 im Korridor von 55–65 €/t. Ab 2027 wird der Brennstoffemissionshandel in den EU-ETS 2 überführt — mit marktbasierter Preisbildung. Analysten erwarten Preise von 80–130 €/t bis 2030.
Themen:
CO2-PreisBEHGEU-ETSStromkostenWettbewerbsvorteil