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Peakshaving mit PV und Speicher

Peakshaving bezeichnet die gezielte Kappung von Lastspitzen durch PV und Batteriespeicher. Im Gewerbe senkt diese Strategie den Leistungspreis und die Netzentgelte — bei typischen Einsparungen von 50–150 €/kW/Jahr.

Grundprinzip

Gewerbebetriebe mit einem Jahresverbrauch über 100.000 kWh zahlen neben dem Arbeitspreis (ct/kWh) einen Leistungspreis (€/kW/Jahr). Dieser bemisst sich an der höchsten gemessenen Viertelstundenleistung des gesamten Abrechnungsjahres. Eine einzige kurze Lastspitze — etwa durch gleichzeitiges Anlaufen mehrerer Maschinen — kann den Leistungspreis für das gesamte Jahr bestimmen.

Peakshaving zielt darauf ab, diese Spitzen zu kappen, indem ein Batteriespeicher in den Momenten höchster Nachfrage Strom bereitstellt und so den Netzbezug reduziert.

Lastprofil und Kappungspotenzial

Die Analyse des 15-Minuten-Lastprofils (Lastgang) ist die Grundlage jeder Peakshaving-Auslegung. Typische Gewerbebetriebe zeigen:

ProfiltypLastspitze vs. DurchschnittKappungspotenzial
Produktion (Schichtbetrieb)Faktor 1,5–2,020–40 %
Bürogebäude (Klima)Faktor 1,3–1,815–30 %
Einzelhandel (Kühlung)Faktor 1,2–1,510–25 %
Bäckerei (Backöfen)Faktor 2,0–3,030–50 %

Je höher das Verhältnis von Spitzenlast zu Durchschnittslast, desto wirtschaftlicher ist Peakshaving.

Speicherdimensionierung

Peakshaving stellt andere Anforderungen an den Speicher als Eigenverbrauchsoptimierung:

ParameterEigenverbrauchPeakshaving
Kapazität1–2 kWh/kWp0,5–2 kWh/kW Kappung
EntladeleistungModeratHoch (C-Rate ≥ 1)
Zyklen/Tag12–5
Zyklen/Jahr250–350500–1.500
Lebensdauer-Anforderung10+ Jahre10+ Jahre bei hoher Zyklenfestigkeit

Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) sind für Peakshaving besser geeignet als NMC-Zellen — sie vertragen höhere Zyklenzahlen bei geringerer Degradation.

Wirtschaftlichkeit

Die Einsparung ergibt sich aus der Differenz des Leistungspreises vor und nach Installation:

ParameterBeispielwert
Leistungspreis (Netzentgelt)100 €/kW/Jahr
Bisherige Jahresspitze200 kW
Neue Spitze nach Peakshaving140 kW
Kappung60 kW (30 %)
Jährliche Einsparung6.000 €
Speicherkosten (60 kWh LFP)30.000–40.000 €
Amortisation5–7 Jahre

Bei Betrieben mit besonders spitzen Lastprofilen (Bäckereien, Schweißbetriebe) kann die Amortisation unter vier Jahre fallen.

Kombination PV + Speicher

Die optimale Konfiguration kombiniert beide Strategien:

  1. PV deckt die Grundlast während der Sonnenstunden und reduziert den durchschnittlichen Netzbezug.
  2. Speicher fängt Lastspitzen ab — unabhängig davon, ob die PV gerade produziert.
  3. Energiemanagementsystem (EMS) koordiniert PV-Einspeisung, Speicherladung und Lastmanagement in Echtzeit.

Das EMS muss die Leistungsgrenze (Peakshaving-Schwelle) kennen und den Speicher so steuern, dass ausreichend Kapazität für die nächste erwartete Lastspitze vorgehalten wird. Prognosebasierte Systeme nutzen historische Lastdaten und Wetterdaten, um die Speicherstrategie vorausschauend zu optimieren.

Regulatorische Rahmenbedingungen

Der Leistungspreis ist Teil der Netzentgelte und wird vom jeweiligen Verteilnetzbetreiber festgelegt. Seit der Novelle der Stromnetzentgeltverordnung werden atypische Netznutzungen (Verbrauch in Schwachlastzeiten) zusätzlich begünstigt. Peakshaving-Systeme profitieren davon, wenn die Lastspitze in die Hochlastzeit des Netzes fällt.

Häufige Fragen

Was bringt Peakshaving wirtschaftlich?
Der Leistungspreis für Gewerbekunden liegt je nach Netzgebiet bei 50–150 €/kW/Jahr. Wird die Jahresspitze um 30 % gesenkt, ergibt sich bei einem Betrieb mit 200 kW Spitze eine Einsparung von 3.000–9.000 € pro Jahr. Die Amortisation des Speichers liegt bei 4–8 Jahren.
Wie groß muss der Speicher für Peakshaving sein?
Peakshaving-Speicher sind auf hohe Leistung bei vergleichsweise geringer Kapazität ausgelegt. Typisch: 0,5–2 kWh pro kW Kappungsleistung. Ein Betrieb, der 50 kW Lastspitze kappen will, benötigt einen Speicher mit 25–100 kWh Kapazität und mindestens 50 kW Entladeleistung.
Funktioniert Peakshaving auch ohne PV?
Ja, ein reiner Speicher kann Lastspitzen kappen. Die Kombination mit PV ist jedoch wirtschaftlich vorteilhafter: Die PV-Anlage deckt einen Teil der Grundlast, der Speicher übernimmt die Spitzenkappung. Ohne PV muss der Speicher ausschließlich aus dem Netz geladen werden.
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