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Freifläche wächst, Dach schrumpft: Segment-Daten jetzt gemeindescharf als Open Data

Balkonkraftwerk, Heimsegment, Gewerbe und Freifläche getrennt ausgewertet für 9.061 Gemeinden. Freiflächenanlagen sind 2026 das einzige wachsende Segment beim Zubau, Dachanlagen sind rückläufig.

· 3 Min. Lesezeit · Christian Barthels
Gegenüberstellung eines kleinen Balkonkraftwerks an einem Wohnhaus und einer großflächigen Freiflächen-Solaranlage
Illustration: KI-generiert

Ein Balkonkraftwerk in der Stadt und eine Freiflächenanlage auf dem Land werden im Marktstammdatenregister durch dieselben Felder erfasst — Bruttoleistung, Anlagenart, Errichtungsdatum. Was fehlte, war die Zusammenführung dieser Rohdaten zu einer Segment-Sicht pro Gemeinde. Ab heute liegt sie vor: solarzubau.de veröffentlicht Bestand und 12-Monats-Zubau getrennt nach vier Anlagensegmenten — Balkonkraftwerk, Heimsegment, Gewerbe und Freifläche — für 9.061 deutsche Gemeinden, als freier Datensatz unter CC-BY 4.0.

Die vier Segmente

Die Klassifikation folgt dem MaStR-Feld ArtDerSolaranlage, ergänzt um kWp-Schwellen für Fälle ohne spezifischen Anlagentyp-Code:

SegmentAbgrenzungBestand (Anlagen)Bestand (Leistung)
BalkonkraftwerkSteckerfertige Solaranlage oder ≤ 2 kWp1.550.8321.671,6 MW
HeimsegmentPrivate Dachanlage, 2–30 kWp4.340.43045.901,7 MW
GewerbeGewerbedach, > 30 kWp279.22634.723,6 MW
FreiflächeFreiflächenanlage, alle Größenklassen19.28344.608,2 MW

Die Tabelle zeigt sofort den entscheidenden Kontrast: Freiflächenanlagen stellen mit 19.283 Einheiten weniger als 0,3 Prozent aller aktiven Solaranlagen in Deutschland — kommen aber auf annähernd so viel installierte Leistung wie das Heimsegment mit seinen 4,3 Millionen Dachanlagen. Wenige große Freiflächenprojekte tragen damit einen überproportionalen Anteil zur bundesweiten PV-Leistung bei.

Nur ein Segment wächst noch

Der eigentliche Befund liegt im Zubau der letzten zwölf Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum:

SegmentZubau 12 MonateΔ ggü. Vorjahreszeitraum
Balkonkraftwerk386.478 Anlagen / 524,4 MW+1 %
Heimsegment376.026 Anlagen / 4.375,7 MW−23 %
Gewerbe14.007 Anlagen / 2.754,3 MW−26 %
Freifläche2.030 Anlagen / 9.293,4 MW+36 %

Heimsegment und Gewerbe sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich rückläufig, das Balkonkraftwerk-Segment stagniert nahe der Nulllinie. Freiflächenanlagen sind das einzige der vier Segmente mit spürbarem Wachstum — bei gleichzeitig der mit Abstand kleinsten Stückzahl. Ob sich das Bild hält oder saisonale bzw. Meldeverzugs-Effekte hier hineinspielen, lässt sich erst mit den kommenden Datenständen belastbar einordnen.

Was der Datensatz enthält

Für jede der 9.061 Gemeinden mit mindestens 50 registrierten PV-Anlagen liefert der neue Datensatz je Segment fünf Kennzahlen: Anlagenbestand, Bestandsleistung, Zubau der letzten 12 Monate (Anlagen und Leistung) sowie die Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit lässt sich pro Gemeinde nachvollziehen, ob der lokale Solarausbau von privaten Dächern, Gewerbeflächen oder wenigen großen Freiflächenprojekten getragen wird — eine Einordnung, die die bisherigen Gesamtbestandszahlen allein nicht zuließen.

Der Datensatz ist auf der Gemeinde-Detailseite (/photovoltaik-{gemeinde}/) unter „Zubau nach Anlagengröße” bereits als Diagramm sichtbar; neu ist die strukturierte, gemeindeweite Rohdatentabelle zum Download.

→ Datensatz mit Spaltendokumentation, CSV-Download und Zitiervorschlag

Anwendungsfälle

  • Installateure und Planer: Wo dominiert das Heimsegment, wo bereits Gewerbedach-Projekte — als Anhaltspunkt für die lokale Marktansprache.
  • Lokalpresse: „Wie viele Balkonkraftwerke gibt es in [Ort]?” lässt sich jetzt direkt aus der Gemeindezeile beantworten, ohne Einzelabfrage im Marktstammdatenregister.
  • Forschung: Segmentanteile lassen sich mit Bebauungsstruktur, Einwohnerdichte oder kommunalen Förderprogrammen korrelieren.

Lizenz und Namensnennung

Freie Nutzung, auch kommerziell, unter Nennung der Quelle: „solarzubau.de auf Basis Marktstammdatenregister (Bundesnetzagentur)”. Details zur Segment-Klassifikation und zum Datenmodell in der Methodik und auf dem Open-Data-Hub.


Quellen:

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