Ost-West-Ausrichtung bei PV
Eine Ost-West-Anlage belegt beide Seiten eines Satteldachs und erzeugt dadurch einen flacheren, aber über den Tag verteilten Ertragsverlauf statt einer scharfen Mittagsspitze. Der Jahresertrag liegt rund 10 bis 15 Prozent unter dem einer Südanlage, die Eigenverbrauchsquote ohne Speicher aber oft deutlich höher.
Was bedeutet Ost-West-Ausrichtung?
Bei einer Ost-West-Ausrichtung werden PV-Module nicht auf einer einzelnen, nach Süden zeigenden Dachfläche installiert, sondern auf beiden Seiten eines Satteldachs – eine Hälfte nach Osten, die andere nach Westen. Häufigster Anwendungsfall ist ein Satteldach ohne reine Südseite, bei dem diese Konfiguration die einzige Möglichkeit ist, die gesamte Dachfläche zu nutzen. Auch bei Solarcarports und anderen Aufständerungen kommt Ost-West häufig vor, weil sich die Ausrichtung nicht immer frei wählen lässt.
Ertragsprofil im Tagesverlauf
Der entscheidende Unterschied zur Südausrichtung liegt weniger im Jahresertrag als in der Verteilung der Stromproduktion über den Tag:
| Ausrichtung | Ertragsspitze | Eigenverbrauchseignung |
|---|---|---|
| Süd | hoch, scharf um die Mittagszeit | gering ohne Speicher |
| Ost-West | flacher, über den Tag verteilt (morgens und nachmittags) | hoch auch ohne Speicher |
| Nord (zum Vergleich) | niedrig, diffus | gering, meist nicht wirtschaftlich |
Eine Südanlage konzentriert die Erzeugung auf wenige Mittagsstunden mit hoher Spitzenleistung. Eine Ost-West-Anlage liefert dagegen einen längeren, gleichmäßigeren Erzeugungszeitraum von früh bis spät – mit geringerer Spitzenleistung, aber besserer Übereinstimmung mit dem typischen Verbrauchsverlauf eines Haushalts.
Ertragsverlust gegenüber Süd
Eine Ost-West-Anlage erzeugt im Jahresmittel etwa 80 bis 90 Prozent des spezifischen Ertrags einer optimal ausgerichteten Südanlage, was einem Verlust von rund 10 bis 15 Prozent entspricht. Der genaue Wert hängt von der Dachneigung ab: Bei flachen 10- bis 15-Grad-Dächern verringert sich der Abstand zur Südausrichtung auf teils nur 5 bis 10 Prozent, weil die gegenseitige Verschattung der Modulreihen geringer ausfällt. Bei steileren 30-Grad-Satteldächern kann die Differenz auf bis zu 15 bis 20 Prozent steigen. In absoluten Zahlen bedeutet das für Deutschland typischerweise 850 bis 950 kWh pro installiertem kWp und Jahr bei Ost-West gegenüber rund 950 bis 1.100 kWh bei optimaler Südausrichtung.
Wann sich Ost-West lohnt
Der geringere Gesamtertrag wird in der Praxis häufig durch zwei Effekte ausgeglichen. Erstens lässt sich bei einem Satteldach ohne reine Südseite mit Ost-West oft mehr installierte Leistung unterbringen, weil beide Dachflächen genutzt werden. Zweitens steigt die Eigenverbrauchsquote ohne Batteriespeicher spürbar: Während eine Südanlage ohne Speicher häufig nur 25 bis 35 Prozent Eigenverbrauch erreicht, sind bei Ost-West 35 bis 45 Prozent üblich – bei sinkender Einspeisevergütung ein wirtschaftlich relevanter Unterschied. Ost-West lohnt sich damit besonders für Haushalte, die tagsüber zeitlich verteilt Strom verbrauchen, keinen oder nur einen kleinen Speicher planen und ohnehin beide Dachseiten zur Verfügung haben. Wer dagegen eine freie Süddachfläche besitzt und primär auf maximalen Jahresertrag pro kWp zielt, fährt mit reiner Südausrichtung weiterhin besser.