Zum Inhalt springen
Solarzubau Deutschland Logo
Technik Einsteiger

Solarcarport

Ein Solarcarport ist ein Carport mit integrierter Photovoltaikanlage. Je nach Größe trägt das Dach 3 bis 10 kWp und erzeugt zwischen 2.700 und 9.000 kWh Strom pro Jahr. Schlüsselfertige Systeme kosten 2026 zwischen 8.000 und 25.000 Euro – die Kombination mit einer Wallbox ermöglicht direktes Solarladen des E-Autos.

Was ist ein Solarcarport?

Ein Solarcarport (auch Solar-Carport oder PV-Carport) ist ein Carport, dessen Dach gleichzeitig als Trägerstruktur für eine Photovoltaikanlage dient. Das Dach besteht entweder vollflächig aus PV-Modulen (Indach-Lösung) oder die Module werden klassisch auf einer Tragkonstruktion aus Aluminium, Stahl oder Holz montiert. Solarcarports verbinden zwei Nutzungen auf derselben Grundfläche: Wetterschutz für ein oder mehrere Fahrzeuge und Stromerzeugung für Eigenverbrauch oder Netzeinspeisung.

Solarcarports stehen in der MaStR-Statistik in derselben Kategorie wie Zaun-PV und Gartenaufständerungen und werden meist als Freiflächenanlage gemeldet. Eine spezifische Trennung gibt es im Marktstammdatenregister nicht.

Typen und Größen

Die wichtigsten Größenklassen orientieren sich an der Stellplatzzahl:

Carport-TypGrundflächeModulflächePV-LeistungJahresertrag
Einzelcarportca. 18 m²14–18 m²3–5 kWp2.700–4.500 kWh
Doppelcarportca. 36 m²28–36 m²5–8 kWp4.500–7.200 kWh
Reihencarport (4 Plätze)ca. 72 m²60–70 m²12–18 kWp10.800–16.200 kWh
Gewerblicher Parkplatzab 100 m²individuellab 25 kWpbedarfsweise

Als Faustregel gelten circa 0,2 kWp Solarleistung pro Quadratmeter Carport-Grundfläche bei Standardmodulen mit 460 bis 480 Wp. Doppelcarports sind 2026 am verbreitetsten, weil sie bei vertretbaren Mehrkosten die deutlich höhere PV-Leistung ermöglichen. Großparkplätze mit Carport-PV unterliegen seit 2024 in mehreren Bundesländern (z. B. NRW ab 35 Stellplätzen) einer Solarpflicht.

Ertrag und Dimensionierung

Das Carport-Dach lässt sich selten optimal nach Süden ausrichten – es folgt meist der Zufahrtssituation des Grundstücks. Häufig liegen Solarcarports daher in Ost-West-Konfiguration, was den Tageserzeugungsbereich verlängert, in der Spitze aber etwas weniger Leistung bringt als ein Süddach. In Deutschland erzeugt ein Solarcarport im Mittel 900 bis 1.300 kWh pro installiertem kWp und Jahr.

Wer die Dimensionierung plant, sollte folgende Reihenfolge berücksichtigen: Erstens den eigenen Stromverbrauch ermitteln und den E-Auto-Bedarf (rund 2.000 kWh je 10.000 Jahreskilometer) addieren. Zweitens die Carport-Fläche und Statik prüfen. Drittens die Modulanzahl so wählen, dass das Dach voll belegt wird – die Grenzkosten zusätzlicher Module sind niedrig, der Mehrertrag in Eigenverbrauch und Einspeisung höher als oft vermutet.

Im Unterschied zur Hausdach-PV ist die Aufständerung beim Carport flacher (typisch 5 bis 15 Grad), damit Wind- und Schneelasten beherrschbar bleiben. Die flachere Neigung reduziert den Ertrag pro kWp gegenüber einer 30-Grad-Aufständerung um etwa 5 bis 8 Prozent, vereinfacht aber die Konstruktion.

Kombination mit Wallbox

Die Kombination aus Solarcarport und Wallbox ist der wirtschaftlich attraktivste Anwendungsfall. Das E-Auto steht ohnehin unter dem Solardach und kann während der Sonnenstunden direkt mit selbst erzeugtem Strom geladen werden. Voraussetzungen sind eine Wallbox mit Überschussladefunktion und ein Energiemanagement, das den PV-Überschuss erkennt und die Ladeleistung passend regelt.

LadevarianteSolaranteilEignung
Reines Überschussladen80–100 %Heim-/Wochenend-Pendler, flexible Ladezeiten
Mindest- + Überschussladen50–80 %Tägliche Mindestreichweite gewünscht
Sofortladen20–40 %Schnelladung bei kurzem Aufenthalt

Ein typischer Doppelcarport mit 6 kWp erzeugt zwischen März und Oktober regelmäßig 20 bis 35 kWh pro Sonnentag – mehr als ausreichend, um ein Kompakt-E-Auto wieder vollständig zu laden. Im Winter sinkt der direkte Solaranteil deutlich, hier hilft ein Batteriespeicher oder die Vorausladung an Sonnentagen.

Kosten und Genehmigung

Die Gesamtkosten 2026 setzen sich aus Tragkonstruktion, PV-Komponenten und Installation zusammen:

KonfigurationGesamtkosten 2026
Einzelcarport, 3–4 kWp8.000–14.000 €
Doppelcarport, 5–8 kWp14.000–22.000 €
Doppelcarport + Wallbox16.000–25.000 €
Doppelcarport + Wallbox + 10-kWh-Speicher24.000–32.000 €
Gewerblicher Parkplatz, ab 100 kWp950–1.200 €/kWp

Die Baugenehmigung richtet sich nach der jeweiligen Landesbauordnung. Maßgebliche Grenzwerte sind Grundfläche und mittlere Wandhöhe. Genehmigungsfrei sind in der Regel Carports bis 30 bis 50 m² Grundfläche bei einer Wandhöhe unter 3 Metern – mit deutlichen Abweichungen je Bundesland. Bayern verlangt grundsätzlich eine Baugenehmigung für alle Carports im Innenbereich. Hinzu kommt der Mindestabstand zur Grundstücksgrenze (Musterbauordnung: 3 Meter, mit Ausnahmen für privilegierte Bauten an der Grenze).

Die PV-Anlage selbst ist immer beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister anzumelden. Seit Einführung des Nullsteuersatzes auf private PV-Anlagen entfällt die Umsatzsteuer auch auf den Solarcarport, sofern er überwiegend der Stromerzeugung für das Eigenheim dient.

Häufige Fragen

Was kostet ein Solarcarport?
Ein Einzelcarport mit 3 bis 4 kWp Solarleistung kostet schlüsselfertig 8.000 bis 14.000 Euro, ein Doppelcarport mit 5 bis 8 kWp schlüsselfertig 14.000 bis 22.000 Euro, mit Wallbox bis rund 25.000 Euro. Ein 10-kWh-Speicher kostet weitere 5.000 bis 8.000 Euro. Die spezifischen Kosten je kWp liegen bei 2.000 bis 3.500 Euro – höher als bei einer Dachanlage, weil die Tragkonstruktion mitgerechnet werden muss.
Lohnt sich ein Solarcarport mit Wallbox?
Ein Solarcarport mit Wallbox rechnet sich vor allem bei vorhandenem E-Auto. Ein Doppelcarport mit 6 kWp erzeugt rund 5.400 bis 6.500 kWh pro Jahr. Wer 10.000 bis 15.000 Kilometer elektrisch fährt, verbraucht 2.000 bis 3.000 kWh – damit lässt sich ein erheblicher Teil der Ladeenergie direkt aus dem Carport-Dach decken. Die Amortisation liegt mit E-Auto bei 10 bis 14 Jahren, ohne E-Auto bei 15 bis 20 Jahren.
Braucht ein Solarcarport eine Baugenehmigung?
Das hängt von Bundesland und Carport-Größe ab. In Baden-Württemberg und NRW sind Carports bis 30 m² genehmigungsfrei, in Rheinland-Pfalz, Hessen und Brandenburg bis 50 m². In Bayern sind alle Carports im Innenbereich genehmigungspflichtig. Standard-Einzelcarports (ca. 18 m²) sind damit in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei, Doppelcarports (ca. 36 m²) liegen häufig im Grenzbereich. Die PV-Anlage selbst muss zusätzlich beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister angemeldet werden.
Themen:
SolarcarportSolar-CarportWallboxEigenverbrauch