Zaun-PV (Solarzaun)
Zaun-PV bezeichnet senkrecht aufgestellte Solarmodule, die zugleich als Grundstückseinfriedung dienen. Die Systeme nutzen meist bifaziale Module in Ost-West-Ausrichtung und liefern 200 bis 320 kWh pro laufendem Meter und Jahr – mit einem ausgeprägten Morgen- und Abendprofil. Die Kosten liegen 2026 schlüsselfertig bei rund 500 bis 1.200 Euro je Meter.
Was ist Zaun-PV?
Zaun-PV (auch Solarzaun oder PV-Zaun) ist eine Sonderform der Photovoltaik, bei der Solarmodule senkrecht in ein Zaunsystem integriert werden und gleichzeitig zwei Funktionen erfüllen: Sie dienen als Grundstückseinfriedung und Sichtschutz und erzeugen Strom. Anders als klassische Dach- oder Freiflächenanlagen sind die Module vertikal aufgestellt, sodass Sonnenlicht überwiegend in einem flachen Winkel auf die Modulfläche trifft.
Der Markt hat in den letzten Jahren stark zugelegt, getrieben durch sinkende Modulpreise: Hersteller wie Next2Sun, Sunfarming und venturama Solar bieten standardisierte Komplettlösungen an, daneben sind DIY-Bausätze auf Basis von Stabmattenzäunen verbreitet.
Aufbau und Technik
Ein typisches Zaun-PV-System besteht aus drei Komponenten: bifazialen Glas-Glas-Modulen, einem Aluminiumrahmen mit Pfosten und einer DC- oder AC-Verkabelung zu einem Wechselrichter. Die bifazialen Module erzeugen Strom auf beiden Seiten und sind für die vertikale Aufstellung in Ost-West-Ausrichtung besonders geeignet, weil dann beide Seiten täglich gleichmäßig Sonne abbekommen.
| Komponente | Typische Auslegung |
|---|---|
| Modulleistung | 400–500 Wp pro Modul (bifaziale Glas-Glas) |
| Modulhöhe | 1,20–2,00 m |
| Pfostenabstand | 1,20–1,85 m |
| Leistung pro Meter | 240–375 W (je nach Konfiguration) |
| Ausrichtung | Ost-West (bifazial) oder Süd (monofazial) |
Der Wechselrichter wird wie bei einer Dachanlage dimensioniert. Für sehr kleine Systeme bis 800 W kann ein steckerfertiger Mikrowechselrichter genutzt werden, größere Anlagen ab etwa 5 kWp benötigen einen ortsfest installierten Strangwechselrichter.
Ertragsprofil
Vertikal aufgestellte Module liefern im Jahresmittel weniger Energie pro kWp als ein optimal geneigtes Süddach. Der Ertragsverlust liegt typisch bei 20 bis 30 Prozent. Im Gegenzug verschiebt sich das Tagesprofil deutlich – statt einer ausgeprägten Mittagsspitze entstehen Morgen- und Abendspitzen, die sich gut mit dem Lastprofil von Privathaushalten decken.
| Ausrichtung | Jahresertrag pro Meter | Tagesprofil |
|---|---|---|
| Süd, vertikal | 220–280 kWh | Mittagsspitze, dafür sehr gute Wintererträge |
| Ost-West, bifazial | 250–320 kWh | Doppelspitze am Vormittag und Nachmittag |
| Nord-Süd, bifazial | 140–180 kWh | Eher unwirtschaftlich |
Bezogen auf den Modulertrag erreichen vertikale Anlagen rund 60 bis 70 Prozent des Jahresertrags einer optimalen Süddach-Anlage pro kWp. Auf Quadratmeterbasis gerechnet kommen sie auf etwa 80 bis 90 Prozent des Süd-Jahresertrags, da die Module direkt aneinandergereiht werden können und keine wechselseitige Verschattung wie bei flach geneigten Dachreihen entsteht. Das ausgeprägte Wintererzeugungsprofil ist ein zusätzlicher Vorteil für den Eigenverbrauch, weil der Strom dann anfällt, wenn Wärmepumpe und Beleuchtung am meisten verbrauchen.
Marktdaten und MaStR-Einordnung
Eine eigene Auswertung des Marktstammdatenregisters (Stand Mai 2026) zeigt, dass im MaStR rund 6.544 aktive Freiflächenanlagen mit weniger als 30 kWp Leistung registriert sind. Ihre durchschnittliche Größe liegt bei nur 7,8 kW – ein typischer Bereich für Zaun-PV, Gartenaufständerungen und kleine Solarcarports. Damit sind diese Micro-Freiflächenanlagen für 29,9 Prozent aller MaStR-Freiflächenanlagen nach Stückzahl verantwortlich, aber nur für 0,1 Prozent der installierten Leistung.
| Leistungsklasse | Anlagen (MaStR) | Typische Nutzung |
|---|---|---|
| 0–2 kWp | 1.567 | Einzelne Zaun-Module, Garten-Panels |
| 2–5 kWp | 960 | Kurze Solarzäune, Terrassenüberdachung |
| 5–10 kWp | 2.560 | Standard-Zaun-PV-Systeme |
| 10–20 kWp | 925 | Längere Solarzäune, kleine Carports |
| 20–30 kWp | 532 | Große Carport-Anlagen, Agri-PV-Pilote |
Das 5- bis 10-kWp-Segment dominiert die Statistik. Es entspricht einer typischen Eigenheim-Zaun-PV mit 10 bis 20 bifazialen Modulen. Bayern führt das Bundesländer-Ranking mit 1.430 Micro-Freiflächenanlagen vor Nordrhein-Westfalen (926) und Hessen (675) an. Einen eigenen MaStR-Code für Zaun-PV gibt es nicht – die Statistik bildet das Segment nur indirekt ab.
Genehmigung und Kosten
Die Baugenehmigungspflicht richtet sich nach der Landesbauordnung. In der Musterbauordnung sind Einfriedungen bis 2 Meter Höhe im Innenbereich genehmigungsfrei. Im Außenbereich – also außerhalb des Geltungsbereichs eines Bebauungsplans – sind die Anforderungen strenger und erfordern fast immer eine Baugenehmigung. Hinzu kommen nachbarrechtliche Vorgaben zu Grenzabständen sowie Blendschutzpflichten gegenüber benachbartem Verkehr.
Die Kosten variieren stark zwischen DIY-Lösungen und schlüsselfertigen Premium-Systemen:
| Segment | Kosten pro laufendem Meter (inkl. Module) |
|---|---|
| DIY (Stabmatte + 500-Wp-Modul) | 180–300 € |
| Einstiegssystem (Aluminium, ohne Montage) | 250–500 € |
| Standardsystem (bifazial, ohne Montage) | 500–900 € |
| Schlüsselfertig inkl. Montage | 900–1.400 € |
| Premium (Edelstahl, Design-Sichtschutz) | 1.400–2.000 € |
Hinzu kommen Wechselrichter und Verkabelung mit rund 300 bis 500 Euro für kleine Anlagen. Seit dem Nullsteuersatz auf PV-Anlagen entfällt die Umsatzsteuer auch bei Solarzäunen im Eigenheimbereich. Bei Modulpreisen unter 0,15 Euro pro Watt rechnet sich ein DIY-Solarzaun trotz des Ertragsverlustes häufig schneller als eine zusätzlich aufgeständerte Anlage.