Ausgleichsenergie
Ausgleichsenergie ist die Energie, die Übertragungsnetzbetreiber einsetzen, wenn ein Bilanzkreis von seinem Fahrplan abweicht. Abgerechnet wird sie viertelstündlich über den regelzonenübergreifenden einheitlichen Bilanzausgleichsenergiepreis (reBAP). Für PV-Direktvermarkter sind Prognosefehler damit ein direkter Kostenfaktor.
Was ist Ausgleichsenergie?
Das Stromnetz muss in jedem Moment ausgeglichen sein: Einspeisung und Entnahme müssen sich exakt entsprechen, sonst weicht die Netzfrequenz von 50 Hertz ab. Organisiert wird das über Bilanzkreise – virtuelle Energiekonten, in denen jeder Marktakteur seine geplanten Einspeisungen und Entnahmen als Fahrplan hinterlegt.
Weicht die Realität vom Fahrplan ab, gleichen die Übertragungsnetzbetreiber die Differenz mit Regelenergie aus. Die dabei gelieferte oder aufgenommene Energiemenge heißt Ausgleichsenergie. Sie wird dem verantwortlichen Bilanzkreis nachträglich in Rechnung gestellt – oder vergütet, wenn die Abweichung dem System zufällig geholfen hat.
Die Rechtsgrundlagen stehen in §§ 4 und 5 StromNZV sowie § 8 EnWG.
Der reBAP
Abgerechnet wird über den regelzonenübergreifenden einheitlichen Bilanzausgleichsenergiepreis (reBAP). Er gilt einheitlich für alle vier deutschen Regelzonen und wird je Viertelstunde ermittelt.
| Merkmal | Ausprägung |
|---|---|
| Zeitraster | Viertelstunde |
| Geltungsbereich | Alle vier deutschen Regelzonen einheitlich |
| Vorzeichen | Positiv oder negativ möglich |
| Veröffentlichung | Nachträglich über netztransparenz.de |
| Wirkung | Bilanzkreis mit systemschädlicher Abweichung zahlt, systemdienliche Abweichung wird vergütet |
Das Vorzeichenprinzip ist der eigentliche Anreizmechanismus: Wer zu wenig einspeist, während dem Gesamtsystem ohnehin Energie fehlt, zahlt einen hohen Preis. Wer in derselben Situation zu viel einspeist, bekommt Geld. Der reBAP kann in angespannten Viertelstunden mehrere hundert Euro pro Megawattstunde erreichen.
Wie groß ist der Posten?
Der Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt weist für das Jahr 2024 rund 1,6 Milliarden Euro Ausgleichsenergiekosten in Deutschland aus. Sie sind Teil der gesamten Systemdienstleistungskosten von 5,2 Milliarden Euro. Diese Kosten fließen über die Netzentgelte letztlich in den Strompreis ein.
Warum das für PV-Anlagen wichtig ist
Solarstrom ist nicht planbar, sondern nur prognostizierbar. Ein Direktvermarkter meldet am Vortag bis zur Gate Closure des Day-Ahead-Marktes einen Fahrplan für alle Anlagen in seinem Portfolio. Zieht dann unerwartet eine Wolkenfront auf, fehlen ihm im Bilanzkreis Kilowattstunden – Ausgleichsenergie wird fällig.
Drei Konsequenzen ergeben sich daraus:
- Portfolioeffekt. Je größer und geografisch verteilter das Anlagenportfolio, desto besser mitteln sich Prognosefehler heraus. Das ist ein wesentlicher Grund für die Existenz von virtuellen Kraftwerken.
- Datenqualität. Fernsteuerbarkeit und viertelstündliche Messwerte über ein intelligentes Messsystem verbessern die Prognose und senken das Risiko.
- Kostenweitergabe. Das Ausgleichsenergierisiko ist einer der Bausteine, aus denen sich die Vermarktungsgebühr eines Direktvermarkters zusammensetzt – siehe Managementprämie.
Wer trägt das Risiko?
| Konstellation | Bilanzkreisverantwortlich | Risikoträger |
|---|---|---|
| Feste Einspeisevergütung | Verteilnetzbetreiber (EEG-Bilanzkreis) | Netzbetreiber, Umlage über EEG-Konto |
| Direktvermarktung | Direktvermarkter | Direktvermarkter, eingepreist in die Gebühr |
| Eigenverbrauch ohne Einspeisung | Lieferant des Reststroms | Lieferant |
Für Hausbesitzer bedeutet das: Sie erhalten nie eine Rechnung über Ausgleichsenergie. Der Posten ist trotzdem relevant, weil er erklärt, warum die Direktvermarktung kleiner Anlagen so viel teurer ist als der reine Börsenhandel vermuten lässt – und warum Anbieter Fernsteuerbarkeit und saubere Messdaten verlangen.
Ausblick
Mit der Umstellung des Day-Ahead-Marktes auf 15-Minuten-Produkte zum 1. Oktober 2025 laufen Börsenpreis und Bilanzkreisabrechnung erstmals im selben Zeitraster. Das erleichtert die Absicherung von Prognoserisiken. Gleichzeitig steigt mit dem Ausbau von Wind und Solar die Menge der auszugleichenden Abweichungen – Flexibilität aus Batteriespeichern wird damit auch am Ausgleichsenergiemarkt zunehmend wertvoll.
Häufige Fragen
Muss ich als Hausbesitzer Ausgleichsenergie bezahlen?
Was ist der reBAP?
Warum sind PV-Anlagen für Ausgleichsenergie relevant?
Quellen
- Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), §§ 4 und 5 – Bilanzkreise und Ausgleichsenergie
- Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), § 8 – Aufgaben der Übertragungsnetzbetreiber
- Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt (Ist-Daten 2024)
- Netztransparenz.de – Regelenergie und reBAP-Veröffentlichung