Day-Ahead- und Intraday-Markt
Am Day-Ahead-Markt der EPEX Spot wird Strom für den Folgetag in einer täglichen Auktion gehandelt, am Intraday-Markt bis kurz vor Lieferung nachjustiert. Seit dem 1. Oktober 2025 gilt europaweit ein 15-Minuten-Raster. Die Day-Ahead-Preise sind die gesetzliche Grundlage für Marktwert Solar und Marktprämie.
Was ist der Spotmarkt?
Strom wird in Deutschland überwiegend an der Börse gehandelt. Der kurzfristige Teil dieses Handels heißt Spotmarkt und findet an der EPEX Spot in Paris statt, die den deutsch-luxemburgischen Marktbereich betreibt. Er zerfällt in zwei Segmente.
| Segment | Wann | Form | Funktion |
|---|---|---|---|
| Day-Ahead | Auktion am Vortag, Gate Closure 12:00 Uhr | Einheitspreisauktion für alle Zeitscheiben des Folgetags | Preisbildung, Referenzpreis |
| Intraday | Ab 15:00 Uhr des Vortags bis wenige Minuten vor Lieferung | Kontinuierlicher Handel plus Auktionen | Feinkorrektur, Prognosefehler ausgleichen |
Die Day-Ahead-Auktion funktioniert nach dem Prinzip der Merit-Order: Alle Angebote werden nach Preis sortiert, das teuerste noch benötigte Gebot setzt den Preis für alle. Rechtsgrundlage der europaweiten Kopplung ist die Verordnung (EU) 2015/1222 (CACM-Leitlinie), die die Marktkopplung über alle Gebotszonen hinweg regelt.
Die Umstellung auf 15 Minuten
Seit dem 1. Oktober 2025 werden im europäischen Day-Ahead-Markt Viertelstundenprodukte als Market Time Unit gehandelt statt bisher Stundenprodukte. Der Tag hat damit 96 statt 24 Preise.
Für die Photovoltaik ist das mehr als eine technische Fußnote. Der steile Anstieg und Abfall der Solareinspeisung am Morgen und Abend bildet sich nun im Preis ab, und Bilanzkreisführung, Ausgleichsenergie und Börsenpreis laufen im gleichen Zeitraster. Kurze Preisspitzen und kurze Negativphasen werden sichtbar, die im Stundenmittel untergingen.
Aktuelle Preisniveaus
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Durchschnittlicher Day-Ahead-Preis Deutschland, 1. Halbjahr 2026 | 99 EUR/MWh (9,9 ct/kWh) |
| Stunden mit negativem Preis 2023 | 301 |
| Stunden mit negativem Preis 2024 | 457 |
| Stunden mit negativem Preis 2025 | 573 |
| Stunden mit negativem Preis, 1. Halbjahr 2026 | 298–299 |
Der Trend zu mehr negativen Strompreisen ist der sichtbarste Ausdruck des wachsenden Solar- und Windanteils. Er ist zugleich der Grund für die Nullvergütungsregel des § 51 EEG.
Warum der Day-Ahead-Preis für PV-Betreiber zählt
1. Er definiert den Marktwert Solar. § 3 Nr. 42a EEG bestimmt den Spotmarktpreis als den Preis der vortägigen Auktion. Der Marktwert Solar ist der mit dem Solarprofil gewichtete Monatsmittelwert dieser Preise. Er wiederum bestimmt die Marktprämie.
2. Er entscheidet über Nullvergütungsstunden. Ist der Day-Ahead-Preis in einer Viertelstunde negativ, entfällt für diesen Zeitraum die EEG-Zahlung. Die Förderdauer verlängert sich stattdessen um Volllastviertelstunden.
3. Er steuert dynamische Tarife. Dynamische Stromtarife geben den stündlichen oder viertelstündlichen Day-Ahead-Preis zuzüglich Netzentgelten, Steuern und Abgaben an Haushalte weiter. Wer Wärmepumpe, Wallbox oder Batteriespeicher danach steuert, nutzt genau die Preisstruktur, die die Photovoltaik selbst erzeugt.
4. Er wird ab 2027 zur Haupterlösquelle. Sollte der am 29. Juli 2026 vom Kabinett beschlossene Regierungsentwurf des EEG 2027 unverändert Gesetz werden, hängen die Einspeiseerlöse von Neuanlagen nach Auslaufen von Übergangszahlung und Direktvermarktungsbonus vollständig am Spotmarkt. Der Gesetzgebungsprozess ist am Stichtag dieses Beitrags nicht abgeschlossen.
Wo Sie die Preise sehen
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die Day-Ahead- und Intraday-Preise frei zugänglich auf SMARD.de, die EPEX Spot zeigt die Auktionsergebnisse für den Folgetag ab dem frühen Nachmittag. Für Betreiber in der Direktvermarktung ist das die Grundlage, um die Abrechnung des Vermarkters nachzuvollziehen.
Was der Börsenpreis nicht ist
Ein verbreitetes Missverständnis: Der Day-Ahead-Preis ist nicht der Preis, den ein Haushalt zahlt. Auf den Börsenpreis kommen Netzentgelte, Messstellenentgelt, Konzessionsabgabe, Stromsteuer und Umsatzsteuer. Der reine Beschaffungsanteil macht typischerweise nur einen Bruchteil des Endkundenpreises aus. Wenn der Börsenpreis in einer Viertelstunde bei null liegt, ist der Strom für den Haushalt deshalb nicht kostenlos – die staatlich und regulatorisch bestimmten Bestandteile fallen weiter an.