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Wirtschaft Fortgeschritten · Zuletzt aktualisiert: 29.07.2026

Jahresmarktwert Solar

Der Jahresmarktwert Solar ist der erzeugungsgewichtete Durchschnittserlös von Solarstrom am Day-Ahead-Markt über ein Kalenderjahr. Er wird von den Übertragungsnetzbetreibern auf netztransparenz.de veröffentlicht und ist Bezugsgröße für die Marktprämie in der Direktvermarktung sowie für die Anschlussvergütung ausgeförderter Ü20-Anlagen. 2025 lag er bei 4,508 ct/kWh.

Was der Jahresmarktwert Solar ist

Der Jahresmarktwert Solar (Kurzform: MW Solar oder JW Solar) beziffert den durchschnittlichen Erlös, den eine Kilowattstunde deutscher Solarstrom über ein Kalenderjahr am Day-Ahead-Markt der Strombörse erzielt hätte. Er wird von den Übertragungsnetzbetreibern berechnet und auf netztransparenz.de veröffentlicht – der Jahreswert jeweils im Januar des Folgejahres, die Monatswerte bis zum zehnten Werktag des Folgemonats.

Entscheidend ist die Erzeugungsgewichtung: Es handelt sich nicht um den Durchschnitt aller Börsenpreise, sondern um den mit der bundesweit erzeugten Solarstrommenge gewichteten Mittelwert. Preisstunden ohne Sonne fallen aus der Rechnung heraus, sonnenreiche Mittagsstunden gehen stark ein – und genau in diesen Stunden ist der Preis am niedrigsten.

Aktuelle Werte

JahrJahresmarktwert Solar
20244,624 ct/kWh
20254,508 ct/kWh

2025 war damit einer der niedrigsten Werte seit Einführung des Marktprämienmodells 2012.

Monatsmarktwerte 2026:

MonatMarktwert Solar
Januar 202611,019 ct/kWh
Februar 20267,717 ct/kWh
März 20265,455 ct/kWh
April 20261,317 ct/kWh
Mai 20263,163 ct/kWh
Juni 20266,190 ct/kWh

Die Spannweite von 1,317 bis 11,019 ct/kWh innerhalb eines halben Jahres zeigt, wie volatil das Erlösrisiko in der Direktvermarktung ist. Der Jahresmarktwert 2026 steht erst im Januar 2027 fest.

Warum der Wert so niedrig ist: der Kannibalisierungseffekt

Solarstrom fällt bundesweit weitgehend gleichzeitig an. Je mehr PV-Leistung installiert ist, desto stärker drückt die Mittagseinspeisung über den Merit-Order-Effekt den Börsenpreis genau in den Stunden, in denen alle PV-Anlagen produzieren. Der Marktwert Solar liegt deshalb systematisch unter dem durchschnittlichen Börsenstrompreis.

Gemessen wird das über den Profilfaktor – das Verhältnis von Marktwert Solar zum durchschnittlichen Day-Ahead-Preis:

MonatProfilfaktor (gerundet)
Januar 2026ca. 1,00
Februar 2026ca. 0,80
März 2026ca. 0,55

Im Winter, wenn wenig PV einspeist, liegt der Profilfaktor nahe 1. Im Frühjahr und Sommer bricht er ein. Im Extremfall fällt der Preis unter null – dann greift die Nullvergütungsregel des § 51 EEG.

Zwei Verwendungen im EEG

1. Bezugsgröße für die Marktprämie. In der geförderten Direktvermarktung berechnet sich die Prämie als Differenz zwischen anzulegendem Wert und Marktwert:

Marktprämie = anzulegender Wert − Marktwert Solar

Für PV-Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 01.01.2023 ist der Jahresmarktwert maßgeblich, für ältere Anlagen der Monatsmarktwert. Liegt der Marktwert über dem anzulegenden Wert, wird die Prämie nach geltendem Recht auf null gekappt – negativ wird sie nicht.

2. Anzulegender Wert für Ü20-Anlagen. Nach § 23b EEG ist der Jahresmarktwert der anzulegende Wert für ausgeförderte Anlagen, gedeckelt auf 10 ct/kWh. Davon wird die Vermarktungspauschale nach § 53 EEG abgezogen:

Position 2025Wert
Jahresmarktwert Solar4,508 ct/kWh
− Vermarktungspauschale0,715 ct/kWh
= Ü20-Vergütung3,793 ct/kWh

Vorsicht bei Sekundärquellen: zwei Zahlenreihen

netztransparenz.de veröffentlicht zwei unterschiedlich definierte Größen, die beide “Jahresmarktwert Solar” genannt werden:

  • den Jahresmarktwert nach Anlage 1 Nr. 5.3 zum EEG – maßgeblich für Marktprämie und Ü20-Vergütung (2025: 4,508 ct/kWh),
  • den tatsächlichen Jahresmittelwert MW Solar(a) nach § 33 EEG 2012 – eine historische Größe mit abweichender Berechnungsvorschrift.

Die Werte weichen teils erheblich voneinander ab, und Sekundärquellen vermischen sie regelmäßig. Wer mit Zahlen rechnet, sollte sie direkt auf netztransparenz.de gegenprüfen und die Reihe benennen. Die in diesem Eintrag genannten Werte (4,624 / 4,508 ct/kWh) beziehen sich auf die für Marktprämie und Ü20 maßgebliche Reihe.

Bedeutung für die EEG-Reform 2027

Der am 29. Juli 2026 vom Bundeskabinett beschlossene Regierungsentwurf – kein geltendes Recht, Bundestag, Bundesrat und EU-Beihilfegenehmigung stehen aus – macht den Marktwert für Hausbesitzer erstmals unmittelbar relevant. Wenn kleine Dachanlagen nach Ablauf von Übergangszahlung und Direktvermarktungsbonus förderfrei vermarkten müssen, ist der Marktwert Solar der einzige verbleibende Erlös aus der Netzeinspeisung.

Bei 4,5 ct/kWh im Jahresmittel und einem Haushaltsstrompreis um 37 ct/kWh ist die Schlussfolgerung eindeutig: Die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen wird künftig fast vollständig über den Eigenverbrauch und die Speicherung bestimmt, nicht über die Einspeisung.

Häufige Fragen

Was ist der Jahresmarktwert Solar?

Der Jahresmarktwert Solar ist der durchschnittliche Erlös, den eine Kilowattstunde Solarstrom über ein Kalenderjahr am Day-Ahead-Markt der Strombörse erzielt hätte. Er wird nicht als einfacher Mittelwert der Börsenpreise berechnet, sondern erzeugungsgewichtet: Jeder Handelsperiodenpreis geht mit der in dieser Periode bundesweit erzeugten Solarstrommenge in die Rechnung ein. Die Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen ihn auf netztransparenz.de, jeweils im Januar des Folgejahres.

Wie hoch war der Jahresmarktwert Solar zuletzt?

2024 lag er bei 4,624 ct/kWh, 2025 bei 4,508 ct/kWh. Damit war 2025 der zweitniedrigste Wert seit Einführung des Marktprämienmodells. Die Monatswerte 2026 schwankten stark: Januar 11,019 ct/kWh, Februar 7,717, März 5,455, April 1,317, Mai 3,163 und Juni 6,190 ct/kWh. Der Jahresmarktwert 2026 steht erst im Januar 2027 fest.

Warum ist der Marktwert Solar so viel niedriger als der Börsenpreis?

Weil Solarstrom immer dann anfällt, wenn viel Solarstrom im Netz ist – also genau dann, wenn die Preise niedrig sind. Dieser Effekt heißt Kannibalisierung und wird über den Profilfaktor gemessen, das Verhältnis von Marktwert Solar zum durchschnittlichen Börsenpreis. Im April 2026 lag der Marktwert Solar bei 1,317 ct/kWh, während der durchschnittliche Day-Ahead-Preis ein Vielfaches davon betrug. Je mehr PV zugebaut wird, desto stärker drückt der Effekt.

Wofür wird der Jahresmarktwert Solar verwendet?

Er hat zwei Funktionen. Erstens ist er in der geförderten Direktvermarktung Bezugsgröße für die Marktprämie: Die Prämie ist die Differenz zwischen anzulegendem Wert und Jahresmarktwert. Für PV-Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 01.01.2023 gilt dabei der Jahresmarktwert, für ältere Anlagen der Monatsmarktwert. Zweitens ist er nach § 23b EEG der anzulegende Wert für ausgeförderte Ü20-Anlagen, gedeckelt auf 10 ct/kWh.

Ist der Jahresmarktwert Solar dasselbe wie der Marktwert nach § 33 EEG 2012?

Nein. netztransparenz.de veröffentlicht zwei unterschiedlich definierte Kennzahlen: den Jahresmarktwert nach Anlage 1 Nr. 5.3 zum EEG, der für die heutige Marktprämie und die Ü20-Vergütung maßgeblich ist, und daneben den tatsächlichen Jahresmittelwert MW Solar(a) nach § 33 EEG 2012 mit abweichender Berechnungsvorschrift. Die Werte unterscheiden sich teils deutlich. Wer Zahlen aus Sekundärquellen übernimmt, sollte immer prüfen, welche der beiden Reihen gemeint ist.
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