Jahresmarktwert Solar
Der Jahresmarktwert Solar ist der erzeugungsgewichtete Durchschnittserlös von Solarstrom am Day-Ahead-Markt über ein Kalenderjahr. Er wird von den Übertragungsnetzbetreibern auf netztransparenz.de veröffentlicht und ist Bezugsgröße für die Marktprämie in der Direktvermarktung sowie für die Anschlussvergütung ausgeförderter Ü20-Anlagen. 2025 lag er bei 4,508 ct/kWh.
Was der Jahresmarktwert Solar ist
Der Jahresmarktwert Solar (Kurzform: MW Solar oder JW Solar) beziffert den durchschnittlichen Erlös, den eine Kilowattstunde deutscher Solarstrom über ein Kalenderjahr am Day-Ahead-Markt der Strombörse erzielt hätte. Er wird von den Übertragungsnetzbetreibern berechnet und auf netztransparenz.de veröffentlicht – der Jahreswert jeweils im Januar des Folgejahres, die Monatswerte bis zum zehnten Werktag des Folgemonats.
Entscheidend ist die Erzeugungsgewichtung: Es handelt sich nicht um den Durchschnitt aller Börsenpreise, sondern um den mit der bundesweit erzeugten Solarstrommenge gewichteten Mittelwert. Preisstunden ohne Sonne fallen aus der Rechnung heraus, sonnenreiche Mittagsstunden gehen stark ein – und genau in diesen Stunden ist der Preis am niedrigsten.
Aktuelle Werte
| Jahr | Jahresmarktwert Solar |
|---|---|
| 2024 | 4,624 ct/kWh |
| 2025 | 4,508 ct/kWh |
2025 war damit einer der niedrigsten Werte seit Einführung des Marktprämienmodells 2012.
Monatsmarktwerte 2026:
| Monat | Marktwert Solar |
|---|---|
| Januar 2026 | 11,019 ct/kWh |
| Februar 2026 | 7,717 ct/kWh |
| März 2026 | 5,455 ct/kWh |
| April 2026 | 1,317 ct/kWh |
| Mai 2026 | 3,163 ct/kWh |
| Juni 2026 | 6,190 ct/kWh |
Die Spannweite von 1,317 bis 11,019 ct/kWh innerhalb eines halben Jahres zeigt, wie volatil das Erlösrisiko in der Direktvermarktung ist. Der Jahresmarktwert 2026 steht erst im Januar 2027 fest.
Warum der Wert so niedrig ist: der Kannibalisierungseffekt
Solarstrom fällt bundesweit weitgehend gleichzeitig an. Je mehr PV-Leistung installiert ist, desto stärker drückt die Mittagseinspeisung über den Merit-Order-Effekt den Börsenpreis genau in den Stunden, in denen alle PV-Anlagen produzieren. Der Marktwert Solar liegt deshalb systematisch unter dem durchschnittlichen Börsenstrompreis.
Gemessen wird das über den Profilfaktor – das Verhältnis von Marktwert Solar zum durchschnittlichen Day-Ahead-Preis:
| Monat | Profilfaktor (gerundet) |
|---|---|
| Januar 2026 | ca. 1,00 |
| Februar 2026 | ca. 0,80 |
| März 2026 | ca. 0,55 |
Im Winter, wenn wenig PV einspeist, liegt der Profilfaktor nahe 1. Im Frühjahr und Sommer bricht er ein. Im Extremfall fällt der Preis unter null – dann greift die Nullvergütungsregel des § 51 EEG.
Zwei Verwendungen im EEG
1. Bezugsgröße für die Marktprämie. In der geförderten Direktvermarktung berechnet sich die Prämie als Differenz zwischen anzulegendem Wert und Marktwert:
Marktprämie = anzulegender Wert − Marktwert Solar
Für PV-Anlagen mit Inbetriebnahme ab dem 01.01.2023 ist der Jahresmarktwert maßgeblich, für ältere Anlagen der Monatsmarktwert. Liegt der Marktwert über dem anzulegenden Wert, wird die Prämie nach geltendem Recht auf null gekappt – negativ wird sie nicht.
2. Anzulegender Wert für Ü20-Anlagen. Nach § 23b EEG ist der Jahresmarktwert der anzulegende Wert für ausgeförderte Anlagen, gedeckelt auf 10 ct/kWh. Davon wird die Vermarktungspauschale nach § 53 EEG abgezogen:
| Position 2025 | Wert |
|---|---|
| Jahresmarktwert Solar | 4,508 ct/kWh |
| − Vermarktungspauschale | 0,715 ct/kWh |
| = Ü20-Vergütung | 3,793 ct/kWh |
Vorsicht bei Sekundärquellen: zwei Zahlenreihen
netztransparenz.de veröffentlicht zwei unterschiedlich definierte Größen, die beide “Jahresmarktwert Solar” genannt werden:
- den Jahresmarktwert nach Anlage 1 Nr. 5.3 zum EEG – maßgeblich für Marktprämie und Ü20-Vergütung (2025: 4,508 ct/kWh),
- den tatsächlichen Jahresmittelwert MW Solar(a) nach § 33 EEG 2012 – eine historische Größe mit abweichender Berechnungsvorschrift.
Die Werte weichen teils erheblich voneinander ab, und Sekundärquellen vermischen sie regelmäßig. Wer mit Zahlen rechnet, sollte sie direkt auf netztransparenz.de gegenprüfen und die Reihe benennen. Die in diesem Eintrag genannten Werte (4,624 / 4,508 ct/kWh) beziehen sich auf die für Marktprämie und Ü20 maßgebliche Reihe.
Bedeutung für die EEG-Reform 2027
Der am 29. Juli 2026 vom Bundeskabinett beschlossene Regierungsentwurf – kein geltendes Recht, Bundestag, Bundesrat und EU-Beihilfegenehmigung stehen aus – macht den Marktwert für Hausbesitzer erstmals unmittelbar relevant. Wenn kleine Dachanlagen nach Ablauf von Übergangszahlung und Direktvermarktungsbonus förderfrei vermarkten müssen, ist der Marktwert Solar der einzige verbleibende Erlös aus der Netzeinspeisung.
Bei 4,5 ct/kWh im Jahresmittel und einem Haushaltsstrompreis um 37 ct/kWh ist die Schlussfolgerung eindeutig: Die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen wird künftig fast vollständig über den Eigenverbrauch und die Speicherung bestimmt, nicht über die Einspeisung.
Häufige Fragen
Was ist der Jahresmarktwert Solar?
Wie hoch war der Jahresmarktwert Solar zuletzt?
Warum ist der Marktwert Solar so viel niedriger als der Börsenpreis?
Wofür wird der Jahresmarktwert Solar verwendet?
Ist der Jahresmarktwert Solar dasselbe wie der Marktwert nach § 33 EEG 2012?
Quellen
- netztransparenz.de – Marktwertübersicht (Jahres- und Monatsmarktwerte)
- netztransparenz.de – FAQ Erneuerbare-Energien-Gesetz
- EEG 2023 § 23a – Anzulegender Wert und Marktprämie (Anlage 1)
- EEG 2023 § 23b – Besondere Bestimmung zur Einspeisevergütung bei ausgeförderten Anlagen
- SMARD – Strommarktdaten der Bundesnetzagentur